Die Basler Fasnacht rückt näher und in den stillen Wintermonaten bereitet sich Felix Kaufmann (20) aus Zunzgen intensiv vor. Er arbeitet an seiner bereits dritten Laterne für die Junge Garde der J.B.-Clique Santihans. Dieses Hobby hat für ihn eine besondere Bedeutung und ist tief in seiner Familiengeschichte verwurzelt.
Wichtige Punkte
- Felix Kaufmann (20) malt seine dritte Fasnachtslaterne.
- Sein Grossvater ist das grösste Vorbild und Inspirationsquelle.
- Die Laterne entsteht im Vereinslokal der J.B.-Clique Santihans.
- Kaufmanns Stil ist bunt und ausdrucksstark.
- Das Sujet bleibt bis zum Morgestraich geheim.
Eine Familientradition lebt weiter
Felix Kaufmann wuchs in einer Familie auf, die eng mit der Basler Fasnacht verbunden ist. Seine Grosseltern, seine Mutter und seine Gotte sind alle aktive Mitglieder der J.B.-Clique Santihans. Schon als Kind kam er mit der Fasnacht in Berührung.
Bereits im frühen Alter, kaum dass er lesen und schreiben konnte, hielt er ein Piccolo in den Händen. Später schlossen sich seine beiden jüngeren Geschwister der Jungen Garde an. Diese tiefe Verankerung in der Fasnacht prägte Kaufmann von klein auf.
Wussten Sie schon?
Felix Kaufmanns Familie spielt seit Generationen eine aktive Rolle in der J.B.-Clique Santihans, was seine Leidenschaft für die Fasnacht massgeblich beeinflusst hat.
Vom Zuschauen zum Laternenmaler
Die Junge Garde der Clique hatte eine feste Zusammenarbeit mit einer Künstlerin, die traditionell die Laternen bemalte. Kaufmann zeigte früh Interesse und durfte beim Bemalen mithelfen. Die Zusammenarbeit funktionierte von Anfang an gut.
Nach einem Jahr konnte die Künstlerin die Aufgabe nicht mehr übernehmen. Sie schlug vor, dass Felix Kaufmann das Laternenmalen fortsetzen sollte. Eine Entscheidung, die er gerne annahm. So entsteht nun bereits die dritte Laterne nach seinen eigenen kreativen Ideen.
«Ich bin in eine Basler Fasnachtsfamilie hineingeboren. Meine Grosseltern, meine Mutter sowie meine Gotte spielen in der J.B.-Clique Santihans.»
Felix Kaufmann
Der Grossvater als Mentor
Die grösste Inspiration für Felix Kaufmann ist sein Grossvater. Schon als Kind beobachtete er fasziniert, wie dieser kleine Kopflaternen, Steckenlaternen oder Larven bemalte. Der Grossvater gab ihm wertvolle Tipps und Tricks mit auf den Weg. Einer davon lautet: «Was drauf ist, ist drauf.»
Diese Weisheit lernte Kaufmann aus erster Hand. Einmal tropfte ihm beim gemeinsamen Malen versehentlich Farbe auf eine Laterne. Sein Grossvater verwandelte den Klecks kurzerhand in einen Raben, statt in Panik zu verfallen. Diese Herangehensweise prägt Kaufmanns künstlerische Freiheit.
Hintergrundinformation
Das Laternenmalen ist eine Kunstform, die bei der Basler Fasnacht eine zentrale Rolle spielt. Die Laternen sind oft mehrere Meter hoch und zeigen das Sujet der jeweiligen Clique, welches meist politische oder gesellschaftliche Themen satirisch aufgreift.
Der Entstehungsprozess einer Laterne
Die Vorarbeiten für eine Laterne beginnen bereits im November. Zuerst entscheidet die Junge Garde gemeinsam über das Sujet, also das Thema der Laterne. Felix Kaufmann erarbeitet dann eine Vorlage, wobei er viel künstlerische Freiheit geniesst.
Im Dezember wird die Laterne aufgezogen. Dabei wird ein Holzgerüst mit Baumwollstoff bespannt. Dieser Stoff wird anschliessend mit Gelatine behandelt, um eine straffe Oberfläche zu erhalten. Die eigentliche Malerei beginnt dann im Januar.
- November: Sujet-Entscheidung und Vorlagen-Erstellung.
- Dezember: Aufziehen des Holzgerüsts und Bespannen mit Baumwollstoff.
- Januar: Beginn der detaillierten Malerei.
Zusätzlich zu den Laternen erstellt Kaufmann auch Vorlagen für die Larven, die dann von anderen Personen bemalt werden. Sein Zeitplan lässt das Bemalen der Larven selbst nicht mehr zu.
Kaufmanns Stil und die Herausforderung
Felix Kaufmanns Stil ist bekannt für seine bunten und expressiven Farben. Er bevorzugt Laternen, die lebendig wirken und eine starke Aussagekraft besitzen. Für ihn ist es entscheidend, dass das Sujet als Ganzes sofort erkennbar ist. Nur dann ist eine Laterne wirklich gelungen.
Je näher der Morgestraich rückt, desto mehr steigt die Nervosität. Die Vorstellung, dass Hunderttausende von Menschen sein Werk sehen werden, ist für ihn sowohl aufregend als auch beängstigend. Es ist ein ungewohntes Gefühl, sein Kunstwerk einem so grossen Publikum zu präsentieren.
«Mir gefällt eine solche Laterne am besten. Am wichtigsten ist jedoch, dass das Sujet ausdrucksstark ist und als Ganzes erkannt wird. Erst dann ist eine Laterne gelungen.»
Felix Kaufmann
Trotz der Nervosität bleibt der Spass am Laternenmalen bestehen. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, sich auf einem grossen Format gestalterisch auszudrücken. Kaufmann stellt sich vor, wie sein zehnjähriges Ich staunen würde, wenn es ihn heute bei der Arbeit sehen könnte.
Zukunftspläne und das Geheimnis
Obwohl Felix Kaufmann bereits grosse Talente im gestalterischen Bereich zeigt, ist es für ihn noch zu früh, über einen beruflichen Einstieg zu entscheiden. Er kann sich jedoch gut einen gestalterischen Beruf vorstellen und schaut, wie es mit seinem Studium im nächsten Jahr klappt. Aktuell besucht er einen Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel.
Trotz der zusätzlichen Belastung durch den Vorkurs schafft es Kaufmann, seine Laterne rechtzeitig vor der Fasnacht fertigzustellen. Der Pinsel füllt die noch leeren Flächen Schritt für Schritt. Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels wird die Laterne fertig sein.
Das genaue Sujet der Laterne bleibt bis zum Morgestraich ein wohlgehütetes Geheimnis. Echte Fasnächtler verraten ihre Sujets niemals vor dem grossen Tag. Die Spannung steigt, bis die Laterne am Morgestraich endlich enthüllt wird und die Basler Fasnacht in vollem Glanz erstrahlt.





