Das Streichquartett „Vielsaitig“ hat kürzlich in Lörrach und Schopfheim das Publikum mit bedeutenden Werken der Klassik und Romantik beeindruckt. Die Musikerinnen präsentierten sich als ein eingespieltes Ensemble, das mit technischer Präzision und tiefem musikalischem Verständnis überzeugte. Ihre Aufführungen zeigten eine bemerkenswerte Spielfreude und Leidenschaft, die die Zuhörer in ihren Bann zog.
Wichtige Punkte
- Das Quartett „Vielsaitig“ trat in Lörrach und Schopfheim auf.
- Es wurden Werke von Edvard Grieg und Ludwig van Beethoven präsentiert.
- Das Ensemble besteht aus professionellen Musikerinnen aus dem Dreiländereck.
- Die Interpretationen zeichneten sich durch Stilgefühl und technische Fertigkeit aus.
Ein norwegisches Meisterwerk im Fokus
Im Mittelpunkt der Konzerte stand Edvard Griegs Streichquartett g-Moll op. 27. Dieses Werk, 1877 komponiert, gilt als eine der anspruchsvollsten Kompositionen seiner Gattung. Es verbindet Elemente von Schubert und Bartók und erinnert stellenweise an Tschaikowsky. Grieg, bekannt als Begründer der norwegischen Musik, schuf hier eine dramatische Klangwelt mit orchestralen Effekten.
Die Cellistin Anita Gwerder wies das Publikum auf das Mottothema hin, das sich durch alle vier Sätze zieht. Dieses Thema, das bereits in der Einleitung des ersten Satzes erklingt, erfährt im Laufe des Stückes zahlreiche Variationen. Es dient als dramaturgisches Bindeglied und verleiht dem Werk eine besondere Kohärenz.
Interessanter Fakt
Edvard Griegs Streichquartett g-Moll op. 27 entstand nach seinem populären Klavierkonzert und der Bühnenmusik zu „Peer Gynt“. Es fordert von den Interpreten höchste technische und musikalische Fähigkeiten.
Das Quartett Vielsaitig: Eine trinationale Formation
Das Ensemble „Vielsaitig“ setzt sich aus Eleonore Indlekofer (Violine), Patricia Scrocco (Violine), Ursula Müller (Viola) und Anita Gwerder (Cello) zusammen. Diese vier professionellen Musikerinnen fanden sich 2020 zusammen und stammen aus Lörrach, der Schweiz und dem Elsass. Ihre Besetzung spiegelt die sprachliche und kulturelle Vielfalt des Dreiländerecks wider, wie sie selbst im Programm betonen.
Das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel des Quartetts beweist, dass es sich um ein gewachsenes Ensemble handelt. Bei Griegs Werk stiegen sie mit vollem Klang ein und nutzten orchestrale Ausdrucksmittel. Dies führte zu einem intensiven und packenden Beginn des Stücks.
„Zwei erlesene Werke der Quartettliteratur“ – so beschrieb Veranstalter Andreas Mölder die Auswahl des Abends.
Expressivität und technische Souveränität
Die Streicherinnen des Quartetts Vielsaitig verliehen den vier Sätzen von Griegs Quartett grosse Expressivität. Es mangelte nicht an Temperament und Vehemenz im Spiel. Ihr Zugang zur Musik war direkt und mitreissend. In der zarten Melodie der Romanze übernahm das Cello die Führung, während im Scherzo typische norwegische Volkstänze und Klänge der Hardangerfiedel anklingen.
Besonders im Finale zeigten die Musikerinnen ihr Können, indem sie den komplexen Satz transparent gestalteten. Die scharfen Kontraste, Rhythmuswechsel und heftigen Bewegungen der nordischen Musik wurden von den erfahrenen Kammermusikerinnen mit beeindruckender technischer Fertigkeit gemeistert. Dies ermöglichte eine beachtliche Wiedergabe, die Griegs Werk als Meisterstück klar erkennbar machte.
Hintergrundinformationen
Das Bonifatiushaus in Lörrach und das katholische Gemeindehaus in Schopfheim waren die Spielorte für diese Konzerte. Beide Orte bieten eine intime Atmosphäre, die ideal für Kammermusikdarbietungen ist.
Beethovens frühes Quartett: Frisch und stimmig
Neben Grieg präsentierte das Quartett auch Ludwig van Beethovens frühes Quartett op. 18, Nr. 4. Bei diesem Werk stand die Spielfreude und Leidenschaftlichkeit im Vordergrund. Eleonore Indlekofer, Patricia Scrocco, Ursula Müller und Anita Gwerder zeigten hier ein spannendes Musizieren auf hohem Niveau.
Ihre Interpretation von Beethovens Werk klang natürlich-fliessend und klar konturiert in allen vier Sätzen. Der Beethoven des Quartetts wirkte frisch, diesseitig, unproblematisch und stimmig. Er wurde dem dramatischen Geschehen des Stücks voll gerecht. Das Finale zeigte zudem eine haydnsche Eleganz, die das Publikum begeisterte.
- Eleonore Indlekofer: Erste Violine
- Patricia Scrocco: Zweite Violine
- Ursula Müller: Viola
- Anita Gwerder: Cello
Insgesamt lieferten die Musikerinnen an beiden Abenden stilsichere Interpretationen ab. Der Programmtitel „Klangperlen der Quartettliteratur“ traf die Darbietungen voll und ganz. Die Konzerte boten einen tiefen Einblick in die Vielfalt und Schönheit der Kammermusik.





