In Basel-Kleinhüningen wächst die Besorgnis unter den Anwohnern. Berichte über zunehmende Gewalt und Diebstähle im Umfeld eines Bundesasylzentrums im Schäferweg haben zu einem Gefühl der Unsicherheit geführt. Besonders Frauen meiden es, nachts allein auf die Strasse zu gehen.
Wichtige Punkte
- Anwohner in Basel-Kleinhüningen berichten von steigender Kriminalität.
- Die Angst vor Übergriffen konzentriert sich auf das Gebiet um ein Bundesasylzentrum.
- Ein brutaler Angriff mit einer Eisenstange sorgte kürzlich für Aufsehen.
- Frauen fühlen sich nachts nicht mehr sicher im Quartier.
- Die Polizei will ihre Präsenz erhöhen, das Asylzentrum bleibt aber bestehen.
Zunehmende Kriminalität im Quartier Schäferweg
Seit mehreren Wochen beobachten die Bewohner des Schäferwegs und der Neuhausstrasse in Kleinhüningen eine besorgniserregende Entwicklung. Lärmbelästigungen, Diebstähle und Gewalttaten haben im Umfeld des Bundesasylzentrums, das sich auf dem Areal der Industriellen Werke Basel (IWB) befindet, zugenommen.
Ein Vorfall Anfang Januar schockierte die Nachbarschaft besonders. Drei Männer griffen einen Anwohner mit einer Eisenstange an. Der Mann wurde vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes verletzt und musste im Spital behandelt werden. Die Polizei nahm kurz darauf drei Männer fest.
Faktencheck: Der Vorfall
- Datum: Anfang Januar
- Ort: Schäferweg, Basel-Kleinhüningen
- Tathergang: Drei Männer griffen einen Anwohner mit einer Eisenstange an.
- Opfer: Ein Anwohner, der spitalreif geschlagen wurde.
- Festnahmen: Drei marokkanische Männer im Alter von 17, 20 und 31 Jahren.
Angst und Verzweiflung bei den Anwohnern
Die Bewohner fühlen sich zunehmend alleingelassen. Ein Augenzeuge des Eisenstangen-Vorfalls beschreibt die Situation als alarmierend. Er und andere Nachbarn hätten schnell eingegriffen, um Schlimmeres zu verhindern. Dieses Ereignis habe die Angst in der gesamten Strasse verstärkt.
Das Bundesasylzentrum beherbergt ausschliesslich Männer, die kürzlich einen Asylantrag gestellt haben. Es handelt sich um eine unterirdische Anlage ohne Tageslicht. Ein Student, der im Quartier lebt, berichtet von massiven Ruhestörungen nach 22 Uhr. Asylsuchende würden regelmässig draussen übernachten, provozieren und Konfrontationen suchen.
"Wenn ich etwas sage, beleidigen sie mich", so der Student. "Meine Freundin traut sich mittlerweile schon gar nicht mehr ins Quartier."
Diebstähle und Belästigungen im Alltag
Ein weiterer Anwohner schildert die täglichen Probleme. Es komme ständig zu Diebstählen aus parkierten Autos, Gärten und von Balkonen. Er selbst habe erlebt, wie jemand auf seinem Balkon übernachtete. Im Sommer trauen sich die Anwohner nicht mehr, Kleider zum Trocknen draussen aufzuhängen, aus Angst, dass diese gestohlen werden.
Hintergrund: Bundesasylzentren
Bundesasylzentren sind Einrichtungen des Staatssekretariats für Migration (SEM). Hier werden Asylsuchende während der ersten Phase ihres Asylverfahrens untergebracht. Ziel ist eine rasche und effiziente Abwicklung der Verfahren. Die Zentren sind oft in bestehender Infrastruktur untergebracht und sollen eine dezentrale Unterbringung in den Gemeinden entlasten.
Frauen besonders betroffen von Unsicherheit
Die Hauptleidtragenden der Situation seien jedoch die Frauen im Quartier. Es herrsche ein regelrechtes "Klima der Angst". Ein Anwohner erzählt, dass seine Nachbarin sich nicht einmal mehr in kurzen Hosen auf den Gartensitzplatz traue. Frauen würden permanent nachgepfiffen und mit "dummen Sprüchen" konfrontiert, selbst wenn Kinder dabei sind.
Viele Frauen meiden es, bei Dunkelheit allein auf die Strasse zu gehen, weil sie mit Gewalt rechnen müssen. Diese Situation führt zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und des Freiheitsgefühls im Quartier.
Reaktionen von Anwohnern und Behörden
Die Anwohner haben in den letzten Wochen aktiv Widerstand geleistet. Sie sammelten Unterschriften gegen das Bundesasylzentrum und organisierten sich über eine WhatsApp-Gruppe. Die Frustration ist gross; einige sprachen sogar davon, Selbstjustiz ausüben zu wollen, da sie sich von der Polizei im Stich gelassen fühlen.
Das Basler Sicherheitsdepartement hat auf die Vorwürfe reagiert. Ein Sprecher der Kantonspolizei, Stefan Schmitt, erklärte, dass die Polizei bei Gefährdung von Leib und Leben «immer innert kürzester Zeit» vor Ort sei. Er kündigte an, dass die Patrouillentätigkeit im Quartier nun erhöht werde.
Polizeiliche Massnahmen
- Reaktion: Erhöhung der Patrouillentätigkeit im Schäferweg-Quartier.
- Zusage: Schnelles Eingreifen bei Gefährdung von Leib und Leben.
Das Asylzentrum bleibt bestehen
Trotz der Bedenken der Anwohner plant das Staatssekretariat für Migration (SEM), das Bundesasylzentrum weiter zu betreiben. Dies ist für die Bewohner ein kleiner Trost. Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass die im Eisenstangen-Fall beschuldigten Männer bereits wieder auf freiem Fuss sind. Ein Verfahren wurde zwar eröffnet, doch für eine Untersuchungshaft müssen die gesetzlich vorgegebenen Gründe erfüllt sein.
Die Situation im Schäferweg bleibt angespannt. Die Bewohner hoffen, dass die erhöhte Polizeipräsenz zu einer spürbaren Verbesserung der Sicherheitslage führt und das Gefühl der Angst im Quartier abnimmt. Die langfristige Lösung der Probleme bleibt jedoch eine Herausforderung für alle Beteiligten.





