Die Region Basel steht vor einer Welle bedeutender Bau- und Entwicklungsprojekte, die das Gesicht der Stadt und des Umlandes in den kommenden Jahren grundlegend verändern werden. Von neuen Bildungszentren über umfassende Wohnquartiere bis hin zu Infrastrukturprojekten im Wert von Milliarden Franken – die Planung ist in vollem Gange und verspricht weitreichende Neuerungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.
Wichtige Projekte im Überblick
- Neues Chemiedepartement der Universität Basel für 149,4 Millionen Franken.
- Solaranlage in Liesberg versorgt 1000 Haushalte mit Strom.
- Zwei neue Geothermieanlagen in Riehen zur CO2-Reduktion.
- Neue Wohnquartiere in Birsfelden, Basel und Pratteln entstehen.
- Naturhistorisches Museum Basel zieht mit 12 Millionen Objekten um.
- Ablehnung der Klybeckinsel-Initiative sichert Grossentwicklung.
Bildung und Forschung im Fokus
Die Bildungslandschaft in Basel wird massiv ausgebaut. Ein zentrales Vorhaben ist der Neubau für das Chemiedepartement der Universität Basel. Das bestehende Gebäude am St. Johanns-Ring, das aus den 1950er-Jahren stammt, entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen. Für 149,4 Millionen Franken entsteht nun auf dem Areal Rosental Mitte ein fünfstöckiges Gebäude, das speziell auf die Bedürfnisse der Forschung und Lehre zugeschnitten ist.
Auch im Bereich der Life Sciences wird investiert. In Muttenz BL entsteht ein neues Ausbildungszentrum für die Life-Science-Branche. Dieses sechsstöckige Gebäude an der Birsfelderstrasse, dessen Kosten sich auf rund 70 Millionen Franken belaufen, bietet auf 19.500 Quadratmetern Nettogeschossfläche Platz für Kurse für Laboranten sowie Chemie- und Pharmatechnologen. Der Kanton Baselland beteiligt sich mit zwei Millionen Franken an diesem wichtigen Projekt. Die Fertigstellung ist für Sommer 2027 geplant.
Fakten zu Bildungsinvestitionen
- 149,4 Millionen CHF für das neue Chemiedepartement der Uni Basel.
- 70 Millionen CHF für das Life-Science-Ausbildungszentrum in Muttenz.
- Das Muttenzer Zentrum wird ab Sommer 2027 bezugsfertig sein.
Nachhaltige Energie und Infrastruktur
Die Region setzt verstärkt auf erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastruktur. In Liesberg BL hat die IWB eine Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Deponie «Hinterm Chestel» errichtet. Die 7608 Solarmodule produzieren jährlich knapp vier Gigawattstunden Solarstrom. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 1000 durchschnittlichen Haushalten. Um die Anlage herum wurden zudem Biotope und ein Schmetterlingskorridor angelegt, was den ökologischen Ansatz des Projekts unterstreicht.
In Riehen BS soll das Geothermie-Fernwärmenetz ausgebaut werden. Die Basler Regierung und die Gemeinde Riehen haben dafür Darlehen von je 7,6 Millionen Franken beantragt. Das Projekt «geo2riehen» sieht eine Netzerweiterung von 5,5 Kilometern und den Anschluss von bis zu 620 Liegenschaften vor. Eine zweite Geothermieanlage im Gebiet Grendelmatten ist ebenfalls geplant und soll künftig 4000 weitere Personen mit Wärme versorgen. Durch diese Massnahmen wird der jährliche CO2-Ausstoss des Kantons Basel-Stadt um rund 6875 Tonnen sinken.
Urbane Entwicklung und Wohnraum
Die Stadtentwicklung in Basel und den umliegenden Gemeinden schreitet voran. In Birsfelden BL entsteht ein neues Gemeindezentrum mit rund 115 Wohnungen auf drei Baurechtsparzellen. Zwei Wohnbaugenossenschaften, «wohnen&mehr» und Redingbrücke, sind für die Realisierung verantwortlich. Das Ensemble umfasst drei Neubauten, einen Zentrumsplatz sowie begrünte Park- und Spielflächen.
Ein weiteres markantes Projekt in Birsfelden ist der geplante 86 Meter hohe Wohnturm nach Plänen von Herzog & de Meuron im Rahmen der Quartierplanung Prisma. Dieser filigrane Holzbau steht auf drei Sockelbauten, von denen einer die Form eines Tipis aufweist und eine vergrösserte Coop-Filiale beherbergen soll. Das Birsufer wird zudem zu einem öffentlichen Park umgestaltet. Das Mitwirkungsverfahren wurde Ende November 2025 eröffnet. Der Turm entsteht neben dem bereits bewilligten 100 Meter hohen Holz-Wohnturm von Christ & Gantenbein.
Hintergrund zur Stadtverdichtung
Die Verdichtung der Stadtzentren ist ein wichtiges Ziel der regionalen Raumplanung. Durch den Bau von Hochhäusern und die Nutzung bestehender Flächen soll Wohnraum geschaffen und die Infrastruktur effizienter genutzt werden, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden.
Wohnraum in Basel und Pratteln
Auch in Basel wird neuer, preisgünstiger Wohnraum geschaffen. Auf dem Areal der Messehalle 3 am Riehenring entstehen nach Plänen des Kantons rund 170 preisgünstige Wohnungen. Der Wettbewerb für dieses Projekt wurde von der Arbeitsgemeinschaft «Clauss Kahl Merz Atelier für Architektur+Städtebau und Truwant+Rodet+» mit dem Projekt «Im Wandel» gewonnen. Das Ensemble beinhaltet auch einen Doppelkindergarten, eine Tagesstruktur und Gewerberäume.
In Pratteln BL werden drei Parzellen an der Bahnhof- und St. Jakobstrasse gemeinsam entwickelt. Der Entwurf «Stadtfeld» des Teams Stereo Architektur mit Céline Baumann Landschaftsarchitektur sieht Wohn- und Gewerbeflächen sowie Alterswohnungen vor. Der Kanton erneuert zudem seinen bestehenden KIGA-Verwaltungsstandort.
Kulturelles Erbe und Transformation
Das Naturhistorische Museum Basel bereitet einen umfangreichen Umzug vor. Ab März 2027 wird das Transportunternehmen Welti-Furrer rund 12 Millionen Objekte in den Neubau im St. Johann-Quartier zügeln. Co-Museumsdirektor David Alder vergleicht dies mit dem Umzug von 300 bis 400 Privatwohnungen. Die Vorbereitungen dauerten acht Jahre. Eine besondere Herausforderung stellt die montierte Giraffe im Treppenhaus dar, für deren Abtransport ein Kran benötigt wird. Das historische Berri-Gebäude schliesst im Winter 2028, während das neue Museum im Sommer 2029 seine Türen öffnen soll.
Das ehemalige UBS-Gebäude am Aeschenplatz in Basel wird zu einem gemischt genutzten Wohn- und Gewerbehaus umgebaut. Der Grosse Rat hat den dafür notwendigen Bebauungsplan im Mai genehmigt. Die Anlagestiftung Seraina Investment Foundation, Eigentümerin der Immobilie, plant, das bisher ausschliesslich für Büros genutzte Gebäude zu erhalten und für verschiedene Nutzungen zu öffnen. Ein Drittel der Wohnungen wird preisgünstig vermietet. Dieses Vorhaben gilt als beispielhaft für klimafreundliches Bauen im Bestand.
„Der Umzug des Naturhistorischen Museums ist eine logistische Meisterleistung, die jahrelange Planung erfordert hat“, erklärt David Alder, Co-Museumsdirektor.
Volksabstimmungen prägen die Zukunft
Jüngste Volksabstimmungen hatten direkte Auswirkungen auf die Bautätigkeit und Stadtentwicklung in der Region. Die Klybeckinsel-Initiative wurde in Basel-Stadt mit 61,8 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Initiative forderte die Wiederherstellung der ehemaligen Rhein-Insel als Grün- und Naturzone. Diese Ablehnung sichert den Weg für das Entwicklungsprojekt Klybeckplus, das die Schaffung von 7500 Arbeitsplätzen und Wohnraum für 8500 Einwohner vorsieht. Eine Umsetzung der Initiative hätte laut kantonalen Abstimmungsunterlagen mindestens 700 Millionen Franken gekostet.
In Basel-Stadt wurde auch die Finanzierung weiterer Planungsarbeiten für das Herzstück und den Bahnknoten Basel mit 56,2 Prozent angenommen. Der Kanton erhält damit 3,6 Millionen Franken für Vorstudien und die Vertretung gegenüber dem Bund. Das Herzstück, eine unterirdische S-Bahn-Durchmesserlinie, ist entscheidend für die weitere Verdichtung im Stadtkanton.
Abstimmungsergebnisse im Überblick
- 61,8 % Nein zur Klybeckinsel-Initiative.
- 56,2 % Ja zur Finanzierung des Bahnknotens Basel.
- 56,2 % Ja zum Kredit für die Ortsdurchfahrt Birsfelden.
- 55,6 % Nein zur Initiative «Energiepolitik nur mit der Bevölkerung».
Kontroversen und Entscheidungen
Die umstrittene Ortsdurchfahrt Birsfelden wurde im Basel-Landschaft mit 56,2 Prozent der Stimmen bewilligt. Das 78 Millionen Franken teure Projekt, das ab 2027 realisiert werden soll, umfasst die Erneuerung der Haupt- und Rheinfelderstrasse sowie den Ausbau für Tram-, Fuss- und Veloverkehr. Die Gemeinde Birsfelden selbst lehnte die Vorlage jedoch mit rund 58 Prozent Nein-Stimmen ab, hauptsächlich wegen der erwarteten vier- bis fünfjährigen Bauzeit.
Die Initiative «Energiepolitik nur mit der Bevölkerung» wurde in Basel-Landschaft mit 55,6 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Dies bestätigt den bisherigen kantonalen Kurs, der seit Oktober 2024 bei Neubauten und seit Januar 2026 auch beim Heizungsersatz den Einsatz erneuerbarer Energien vorschreibt. Das faktische Verbot eines Neubaus von fossilen Heizungen bleibt damit bestehen.
- Die Erneuerung des Primarschulhauses Hinter Gärten in Riehen wird durch einen Anbau und eine Erweiterung der Turnhalle ergänzt.
- Fünf betreute Taubenschläge sollen in Basel-Stadt das Taubenproblem lösen, begleitet von fachgerechter Tötung und Greifvögeleinsatz an Hotspots.





