Basel steht vor einer entscheidenden Wende im Bausektor. Angesichts steigenden Energieverbrauchs, klimaschädlicher Emissionen und wachsendem Kostendruck wird ein neuer Ansatz gefordert: der Gebäudetyp E. Dieser innovative Ansatz zielt darauf ab, Bauprojekte durch Vereinfachung und Abweichung von nicht zwingend notwendigen Normen nachhaltiger, ressourcenschonender und kostengünstiger zu gestalten. Experten diskutieren diesen wegweisenden Schritt, der die Baupraxis in der Region grundlegend verändern könnte.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Gebäudetyp E ermöglicht vereinfachtes und experimentelles Bauen.
- Ziel ist die Reduzierung von Energieverbrauch, Emissionen und Baukosten.
- Basel hat sich bis 2037 ein Netto-Null-Ziel gesetzt, was den Druck auf den Bausektor erhöht.
- Der SIA arbeitet an neuen Normen für einfaches und experimentelles Bauen.
- Innovative Planung soll durch weniger strenge Normen gefördert werden.
Warum ein neuer Gebäudetyp nötig ist
Der aktuelle Bausektor in der Schweiz steht vor großen Herausforderungen. Der Energieverbrauch im Gebäudebereich ist weiterhin hoch, und die Bauwirtschaft trägt maßgeblich zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Gleichzeitig steigen die Baukosten kontinuierlich, was Bauprojekte erschwert und verteuert. Diese Faktoren erfordern ein Umdenken und neue Lösungen, um den Bau zukunftsfähig zu machen.
Die Einführung eines Gebäudetyps E, der für einfaches oder experimentelles Bauen steht, bietet eine Antwort auf diese Probleme. Er schafft Freiräume für innovative planerische Konzepte. Das Ziel ist klar: Bauprojekte sollen nachhaltiger, ressourcenschonender und wirtschaftlicher werden. Dies gelingt, indem man von Normen abweicht, die nicht zwingend notwendig sind und stattdessen kreativere und effizientere Lösungen zulässt.
Faktencheck: Basels Klimaziele
- Im November 2022 stimmten die Basler Stimmberechtigten dem Netto-Null-Ziel bis 2037 zu.
- Im September 2023 verabschiedete der Regierungsrat die Klimaschutzstrategie «Netto-Null 2037».
- Diese Strategie legt den Rahmen für den Absenkpfad der Emissionen fest.
Die Rolle der Normen und der SIA
Normen spielen im Bauwesen eine zentrale Rolle. Sie gewährleisten Sicherheit und Qualität. Doch manchmal können sie Innovationen behindern oder zu unnötigen Kosten führen. Der Gebäudetyp E hinterfragt diese starren Strukturen. Er schlägt vor, dort, wo es sinnvoll und sicherheitstechnisch vertretbar ist, von den bestehenden Normen abzuweichen.
Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat diesen Bedarf erkannt. Im April 2024 nahm die SIA-Delegiertenversammlung einen wichtigen Antrag an. Dieser fordert die Erarbeitung von Grundlagen für ein Merkblatt und eine Norm für Umbauten sowie einfaches und experimentelles Bauen. Das Ziel ist die Herausgabe entsprechender Normen innerhalb von fünf Jahren. Dies zeigt, dass der Ruf nach mehr Flexibilität und Innovation im Bausektor auch auf nationaler Ebene Gehör findet.
„Wir müssen das Bauen vereinfachen, um dem Anstieg des Energieverbrauchs, der klimaschädlichen Emissionen und dem Kostendruck entgegenzuwirken. Mehr Freiheit für innovative planerische Konzepte ist unerlässlich.“
Praktische Umsetzung und Herausforderungen
Die Umsetzung des Gebäudetyps E ist kein einfacher Prozess. Es geht darum, die Balance zwischen notwendiger Sicherheit und gewünschter Flexibilität zu finden. Die Diskussionen drehen sich um konkrete Beispiele, wo Normen angepasst werden könnten, ohne die Stabilität oder die Funktionalität eines Gebäudes zu gefährden. Dies erfordert einen Dialog zwischen Architekten, Ingenieuren, Bauherren und Behörden.
Ein wichtiger Aspekt ist die Ressourcenschonung. Einfaches Bauen bedeutet oft auch, weniger Material zu verwenden oder auf lokale, recycelbare Materialien zu setzen. Dies reduziert den ökologischen Fußabdruck von Bauprojekten erheblich. Auch die Energieeffizienz spielt eine große Rolle. Experimentelles Bauen kann neue Technologien und Bauweisen erproben, die langfristig den Energieverbrauch senken.
Hintergrund: Klimaschutz in Basel
Die Stadt Basel hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das Netto-Null-Ziel bis 2037 ist ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Sektoren ihren Beitrag leisten, insbesondere der Bausektor. Der Gebäudetyp E ist ein Instrument, das dabei helfen soll, die notwendigen Veränderungen im Bauwesen zu beschleunigen und zu vereinfachen.
Veranstaltung in Basel: Diskussion und Lösungsansätze
Die öffentliche Diskussion über den Gebäudetyp E ist entscheidend für seine Akzeptanz und erfolgreiche Umsetzung. Am Mittwoch, den 11. März 2026, findet in der Halle 7 im Gundeldingerfeld eine wichtige Veranstaltung statt. Dort werden exemplarische Beispiele von Konflikten, Hürden und Lösungsansätzen vorgestellt und diskutiert. Dies bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen und Erfahrungen.
Die Veranstaltung beginnt mit einer Einführung von Margot Meier, Simon Frommenwiler und Lukas Weber. Anschließend folgen Input-Vorträge von zahlreichen Experten aus verschiedenen Bereichen. Zu den Referenten gehören unter anderem Nola Bally, Sarah Barth, Claudia Bauersachs, Andreas Bründler und Katerina Chalvatzi. Auch Vertreter der Regierung, wie Regierungsrätin Esther Keller und Regierungsrat Isaac Reber, nehmen teil, was die politische Bedeutung des Themas unterstreicht.
Die Vielfalt der Redner, die von Architekten über Ingenieure bis zu Politikern reicht, zeigt die Breite des Themas. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch tragfähig sind. Die Veranstaltung ist ein wichtiger Schritt, um die Vision des Gebäudetyps E in die Realität umzusetzen und Basel auf dem Weg zu seinen Klimazielen zu unterstützen.
- Einige der Referenten:
- Magnus Forsberg
- Tilo Herlach
- Roman Hermann
- Caroline Hoffmann
- Tobias Huber
- Dietrich Lohmann
- Michael Roth
- Samuel Rütti
- Gilbert Santini
- Daniel Scheuner
- Arne Schöllhorn
- Veronika Selig
- Matthias Siemon
- Lukas Stadelmann
- Michael von Arx
Ausblick: Eine neue Ära im Bauen?
Der Gebäudetyp E könnte eine neue Ära im Bauen einläuten. Er verspricht nicht nur nachhaltigere und kostengünstigere Gebäude, sondern auch mehr Kreativität und Innovationskraft in der Architektur und im Ingenieurwesen. Die Bereitschaft des SIA, neue Normen zu entwickeln, signalisiert einen Paradigmenwechsel in der Branche.
Für Basel, das sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat, ist dieser Ansatz von großer Bedeutung. Er bietet die Chance, Vorreiter in Sachen nachhaltiges und innovatives Bauen zu werden. Der Weg dorthin ist mit Herausforderungen gepflastert, doch die breite Unterstützung von Experten und Politikern stimmt optimistisch. Der Gebäudetyp E könnte maßgeblich dazu beitragen, die Zukunft des Bauens in Basel und darüber hinaus zu gestalten.





