Der Zürcher Musiker Faber hat am Dienstagabend in der restlos ausverkauften Kaserne Basel ein Konzert gegeben, das beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterliess. Mit einer Mischung aus roher Energie, lyrischer Tiefe und schonungsloser Selbstironie präsentierte er seine bekannten Lieder und stellte einmal mehr seine Position als einer der markantesten Songwriter der Schweiz unter Beweis.
Das Wichtigste in Kürze
- Faber spielte vor ausverkauftem Haus in der Kaserne Basel.
- Das Programm umfasste rund drei Dutzend Lieder, die sich durch emotionale Intensität auszeichneten.
- Der Künstler thematisierte auf der Bühne selbstironisch mögliche Kritikpunkte an seiner Musik.
- Die Performance wurde vom Publikum mit grosser Begeisterung aufgenommen.
Ein Abend im Zeichen der Widersprüche
Schon vor dem ersten Ton war die Stimmung in der Reithalle der Kaserne greifbar. Dicht gedrängt wartete ein diverses Publikum auf den Auftritt des Künstlers, der für seine provokanten und gleichzeitig verletzlichen Texte bekannt ist. Als Faber und seine Band die Bühne betraten, entlud sich die Anspannung in lautem Applaus.
Der Abend war geprägt von den sogenannten „Katerliedern“, die das Schaffen von Julian Pollina, wie Faber bürgerlich heisst, definieren. Es sind Lieder über die Momente nach dem Rausch, über Reue, Selbstzweifel und die grossen Fragen des Lebens, verpackt in mal zärtliche, mal brachial laute Melodien.
Wer ist Faber?
Julian Pollina, bekannt unter seinem Künstlernamen Faber, ist ein Schweizer Sänger und Songwriter aus Zürich. Seit seinem Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ (2017) hat er sich mit seiner rauen Stimme und seinen ungeschönten Texten über Liebe, Gesellschaft und persönliche Abgründe einen Namen gemacht. Seine Musik wird oft als eine moderne Form des Chansons mit Einflüssen aus Indie-Rock und Pop beschrieben.
Schonungslose Ehrlichkeit auf der Bühne
Faber zeigte sich in Basel von seiner direktesten Seite. Zwischen den Songs suchte er immer wieder den Dialog mit dem Publikum, nicht durch oberflächliche Ansagen, sondern durch eine fast entwaffnende Offenheit. Er nahm dabei gekonnt mögliche Kritik an seiner Kunst vorweg, indem er die Widersprüchlichkeit seiner eigenen Texte und seiner Bühnenfigur thematisierte.
Diese selbstironische Distanz verhinderte, dass der Abend in Pathos versank. Stattdessen schuf sie eine besondere Verbindung zwischen Künstler und Zuhörern. Man spürte, dass hier jemand auf der Bühne stand, der sich seiner Wirkung bewusst ist und keine Angst hat, auch die ungemütlichen Ecken seiner Gedanken zu beleuchten.
„Es sind Lieder für den Tag danach, wenn die Lichter wieder angehen und die Realität zurückkehrt“, erklärte ein Konzertbesucher nach der Show. „Diese Ehrlichkeit ist es, was die Leute an ihm lieben.“
Musikalisch bewegte sich das Konzert zwischen lauten, fast punkigen Ausbrüchen und leisen, akustischen Momenten. Die Band unterstützte Fabers Gesang präzise und druckvoll, mal mit treibenden Rhythmen, mal mit filigranen Melodien. Besonders die Bläser-Sektion verlieh vielen Stücken eine zusätzliche dramatische Note.
Ein voller Terminkalender
Das Konzert in Basel ist Teil einer ausgedehnten Tour durch den deutschsprachigen Raum. Viele der Termine, so auch der in der Kaserne, waren bereits Wochen im Voraus ausverkauft, was die anhaltende Popularität des Zürcher Musikers unterstreicht.
Musikalische Einflüsse und bleibender Eindruck
In Fabers Musik lassen sich verschiedene Einflüsse erkennen. Die erzählerische Kraft erinnert an italienische Cantautori wie seinen Vater Pippo Pollina oder den legendären Fabrizio De André. Gleichzeitig schwingt in der Melancholie und der musikalischen Intensität eine Nähe zu Bands wie Radiohead mit, während die eingängigen Melodien bisweilen an die Klarheit von Pop-Gruppen wie The Hollies denken lassen.
Doch Faber kopiert nicht, er schafft aus diesen Versatzstücken etwas Eigenes. Seine Lieder sind Momentaufnahmen einer Generation, die zwischen Hedonismus und Sinnsuche, zwischen grosser Geste und tiefem Zweifel schwankt.
Als nach über zwei Stunden die letzten Töne verklangen, blieb ein nachdenkliches, aber sichtlich beeindrucktes Publikum zurück. Der Abend in der Kaserne war mehr als nur ein Konzert. Es war eine intensive Auseinandersetzung mit den Widersprüchen des modernen Lebens, dargeboten von einem Künstler, der es versteht, sein Publikum herauszufordern und gleichzeitig zu umarmen. Der lange Applaus am Ende war der verdiente Lohn für eine Performance, die noch lange nachwirken wird.





