Das Theater Basel präsentiert eine neue Interpretation von Ödön von Horváths Werken. Regisseurin Karin Henkel hat zwei seiner Stücke zu einem Abend zusammengefügt. Die Aufführung beleuchtet dabei die kleinen Missgeschicke und grossen Tragödien des Alltags mit einem sarkastischen Unterton. Das Publikum erlebt eine Inszenierung, die Horváths Gesellschaftskritik neu erfahrbar macht.
Wichtige Punkte
- Karin Henkel inszeniert zwei Horváth-Stücke am Theater Basel.
- Die Aufführung verbindet Geschichten aus dem Wiener Wald und Glaube Liebe Hoffnung.
- Martin Wuttke und Gala Othero Winter spielen wichtige Rollen.
- Die Inszenierung bietet eine sarkastische Auseinandersetzung mit sozialen Themen.
- Die Premiere fand vor einem erwartungsvollen Publikum statt.
Eine ungewöhnliche Kombination auf der Bühne
Regisseurin Karin Henkel wagte sich an eine besondere Herausforderung. Sie verknüpfte zwei bekannte Stücke des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth: Geschichten aus dem Wiener Wald und Glaube Liebe Hoffnung. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, da beide Werke eigenständig komplexe Erzählungen bieten. Henkel schuf daraus einen einzigen, dichten Theaterabend.
Die Kombination ermöglicht es, die wiederkehrenden Motive Horváths zu verstärken. Themen wie soziale Entwurzelung, finanzielle Not und die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft ziehen sich durch beide Stücke. Die Regiearbeit in Basel zeigt, wie aktuell diese Themen auch heute noch sind.
Wissenswertes zu Horváth
- Ödön von Horváth (1901-1938) war ein wichtiger Dramatiker und Erzähler.
- Seine Werke kritisieren oft die Kleinbürgerlichkeit und den Faschismus der Zwischenkriegszeit.
- Er starb 1938 in Paris bei einem Gewitter durch einen herabfallenden Ast.
- Sein Werk Geschichten aus dem Wiener Wald wurde 1931 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.
Darsteller brillieren in ihren Rollen
Die Besetzung der Inszenierung trägt massgeblich zum Erfolg bei. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen von Martin Wuttke und Gala Othero Winter. Wuttke, bekannt für seine intensive Bühnenpräsenz, verkörpert die Verzweiflung und den Zynismus der Horváthschen Figuren mit grosser Authentizität. Seine Darstellung verleiht den Charakteren Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Gala Othero Winter steht ihm in nichts nach. Sie fängt die Verletzlichkeit und den Überlebenskampf ihrer Figur eindringlich ein. Zusammen bilden sie ein starkes Ensemble, das die emotionale Wucht der Stücke trägt. Die Chemie zwischen den Darstellern ist spürbar und macht die komplexen Beziehungen auf der Bühne nachvollziehbar.
"Die Art, wie Wuttke und Winter die Abgründe menschlicher Existenz offenlegen, ist beeindruckend und berührend zugleich."
Sarkastischer Totentanz der kleinen Leute
Henkel nennt ihre Inszenierung einen "sarkastischen Totentanz". Dieser Begriff beschreibt treffend die Atmosphäre des Abends. Die Figuren bewegen sich in einem System, das ihnen kaum Auswege lässt. Ihre Versuche, Würde und Glück zu finden, scheitern oft auf tragikomische Weise. Der Sarkasmus dient dabei als Mittel, die Härte der Realität zu verdeutlichen, ohne in pure Melancholie zu verfallen.
Die Regisseurin legt den Fokus auf die "Kleine-Leute-Miseren". Es sind die alltäglichen Sorgen, die finanziellen Nöte und die sozialen Zwänge, die das Leben der Charaktere bestimmen. Diese universellen Themen finden auch heute noch Resonanz beim Publikum. Die Inszenierung hält dem Zuschauer einen Spiegel vor, der unbequeme Wahrheiten zeigt.
Hintergrund der Stücke
Geschichten aus dem Wiener Wald zeigt das Leben im kleinbürgerlichen Milieu Wiens der 1920er Jahre. Es ist eine scharfe Kritik an der Moral und den Verlogenheiten dieser Gesellschaft. Glaube Liebe Hoffnung hingegen konzentriert sich auf eine junge Frau, die versucht, sich in einer von Bürokratie und Armut geprägten Welt zurechtzufinden. Beide Stücke thematisieren das Scheitern von Individuen in einer feindseligen Umgebung.
Basler Premiere mit starker Resonanz
Das Basler Publikum reagierte auf die Premiere mit grossem Interesse. Die Inszenierung forderte die Zuschauer heraus, bot aber auch Momente der tiefen Einsicht. Die Verbindung von Humor und Tragik, die Horváths Werke auszeichnet, wurde von Henkel gekonnt umgesetzt. Die Reaktionen nach der Aufführung zeigten, dass die Botschaft der Stücke ihre Wirkung nicht verfehlt hat.
Die Entscheidung, Horváths Texte in dieser Form auf die Bühne zu bringen, unterstreicht die Relevanz klassischer Dramen für die heutige Zeit. Das Theater Basel beweist einmal mehr seinen Mut zu ungewöhnlichen und tiefgründigen Inszenierungen. Es ist ein Abend, der zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt.
Zukünftige Aufführungen
Interessierte haben weiterhin die Möglichkeit, diese besondere Inszenierung zu erleben. Das Theater Basel hat mehrere Termine im Spielplan vorgesehen. Es empfiehlt sich, Tickets frühzeitig zu sichern, da die Nachfrage voraussichtlich hoch bleiben wird.
- Weitere Termine sind auf der offiziellen Webseite des Theaters verfügbar.
- Die Diskussion über die Inszenierung wird in Kulturkreisen fortgesetzt.
- Experten loben die frische Perspektive auf Horváths Werk.





