Das Theater Basel hat für die Inszenierung «Jeanne Dark» erwachsene Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller mit Anorexie gefunden. Die Proben für das Stück, das im November Premiere feiert, laufen aktuell. Die Entscheidung des Theaters, mit Betroffenen zu arbeiten, hatte zuvor eine öffentliche Debatte ausgelöst, die sich primär um die Angemessenheit und potenzielle Risiken für die Gesundheit der Beteiligten drehte.
Wichtige Punkte
- Das Theater Basel probt für «Jeanne Dark» mit erwachsenen Laiendarstellern, die an Anorexie leiden.
- Alle beteiligten Personen sind volljährig und werden von psychologischem Fachpersonal betreut.
- Die ursprüngliche Suche nach Darstellern löste eine kritische Diskussion aus.
- Regisseurin Lies Pauwels fokussiert auf das Mysterium der Jeanne d'Arc, nicht auf die Krankheit selbst.
- Die Premiere des Stücks ist für den 13. November geplant.
Künstlerische Vision und öffentliche Debatte
Die Produktion «Jeanne Dark» am Theater Basel sorgte Anfang September für Aufsehen. Das Theater suchte ursprünglich Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller im Alter von 16 bis 30 Jahren, die akut unter Anorexie leiden und untergewichtig sind. Diese Ausschreibung rief zahlreiche kritische Stimmen hervor, insbesondere nach ihrer Veröffentlichung in der BaZ.
Die Debatte konzentrierte sich auf die Frage, ob es ethisch vertretbar sei, Personen mit einer Essstörung für eine Theaterproduktion einzusetzen. Kritiker befürchteten eine mögliche Verschlimmerung der Krankheit durch die künstlerische Darstellung.
Faktencheck
Die französische Nationalheldin Jeanne d'Arc, über die das Stück handelt, war bekannt dafür, wenig zu essen und im Gefängnis die Nahrung zu verweigern. Dieses Fasten wurde teilweise als Ausdruck ihrer Überzeugungskraft interpretiert.
Anpassungen und Begleitung der Produktion
Das Theater Basel bestätigte, dass das Stück mit betroffenen Darstellerinnen und Darstellern umgesetzt wird. Eine wichtige Anpassung betrifft das Alter der Mitwirkenden: Ausschließlich volljährige Personen nehmen an der Produktion teil. Heike Neumann, die neue Direktorin Kommunikation des Theater Basel, bestätigte gegenüber Bajour, dass die Proben bereits laufen.
«Es werden keine anorektischen Personen unter 18 Jahren an der Produktion teilnehmen. Die aktuell involvierten Laien sind sogar deutlich älter», so Neumann. Dies stellt eine direkte Reaktion auf die öffentliche Kritik dar und unterstreicht den Schutz der Darsteller.
Hintergrundinformationen
Die ursprüngliche Anfrage des Theaters ging an Ärztinnen und Ärzte sowie an Netzwerke, die mit Betroffenen von Essstörungen arbeiten. Eine E-Mail des Theaters zitierte: «Wir suchen dezidiert nach Personen, die kein gutes Normalgewicht haben und in therapeutischer Betreuung sind.»
Psychologische Begleitung und Sicherheit
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Produktion ist die umfassende Betreuung der Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller. Die Arbeit wird von psychologischem Fachpersonal begleitet. Diese Massnahme soll sicherstellen, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beteiligten während des gesamten Prozesses gewährleistet sind.
Das Theater Basel betont, dass die Sicherheit und Integrität der Darsteller höchste Priorität haben. Trotz der laufenden Proben und der sensiblen Natur des Themas hält sich das Theater Basel mit weiteren Details zur Entwicklung der Proben zurück. Dies liegt auch an der Arbeitsweise der belgischen Regisseurin Lies Pauwels, deren Inszenierungen oft einen offenen Ausgang haben.
«Ich habe vollstes Vertrauen in die Arbeitsweise von Lies Pauwels. Sie würde NIE die Integrität eines Darstellers, einer Darstellerin gefährden zugunsten einer ‹Show›. Das entspricht nicht ihrem künstlerischen Ansatz. Eine missbräuchliche Regie hat am Theater Basel in der Compagnie keinen Raum. Never.»
Die Sicht der Fachwelt
Die Diskussion über die Verwendung von Anorexie als künstlerisches Element spaltete die Meinungen unter Fachleuten. Eine Basler Jugendpsychiaterin, die anonym bleiben möchte, äusserte gegenüber Bajour Bedenken. Für sie mache es keinen grossen Unterschied, ob die Darsteller unter oder über 18 Jahre alt seien. Sie hinterfragte grundsätzlich, ob die Krankheit Anorexie für künstlerischen Ausdruck genutzt werden dürfe, da dies Betroffene gefährden könnte.
Diese kritische Haltung spiegelt die Sorge wider, dass die Darstellung einer Essstörung, selbst in einem künstlerischen Kontext, negative Auswirkungen auf die Betroffenen haben könnte. Die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel lehnten eine Stellungnahme zum Stück ab.
Das Mysterium der Jeanne d’Arc im Fokus
Regisseurin Lies Pauwels erklärte in einem Konzept vom August, die Idee für den Einsatz von Personen mit Anorexie sei zunächst «intuitiv» entstanden. Sie betont, dass sie keinesfalls eine Aufführung über Anorexie machen wolle. Stattdessen stehe das Mysterium der Jeanne d'Arc im Mittelpunkt des Stücks.
Pauwels beleuchtet die historische Figur Jeanne d'Arc, die bekannt dafür war, sehr wenig zu essen und im Gefängnis die Nahrung zu verweigern. Ihr Fasten war demnach teilweise Ausdruck ihrer Überzeugungskraft und ihrer Mission. Das Stück soll diese Aspekte untersuchen und nicht die Krankheit selbst thematisieren oder instrumentalisieren.
- Premiere: 13. November im Theater Basel.
- Regie: Lies Pauwels.
- Thema: Das Mysterium der Jeanne d'Arc.
- Besetzung: Erwachsene Laiendarsteller mit Anorexie, psychologisch begleitet.
Die Produktion verspricht eine tiefgründige Auseinandersetzung mit einer komplexen historischen Figur, die durch die ungewöhnliche Besetzung eine zusätzliche Dimension erhält. Die sorgfältige Begleitung der Darsteller soll dabei die ethischen Bedenken adressieren und ein sicheres Umfeld für alle Beteiligten schaffen.





