Mehrere Schweizer Städte, darunter Zürich, Basel und Luzern, haben angekündigt, ihre Gasnetze in den kommenden Jahren schrittweise stillzulegen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden und den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren. Dieser Wandel betrifft Tausende von Haushalten und Unternehmen, die auf neue Heiz- und Kochlösungen umstellen müssen.
Wichtigste Punkte
- Zürich plant Gas-Ausstieg bis 2035, Basel bis 2037.
- Alternative Heizsysteme wie Fernwärme und Wärmepumpen sind gefragt.
- Fernwärme deckt heute etwa 10 Prozent des Wärmebedarfs, Potenzial bis 2040 liegt bei 20-25 Prozent.
- Wärmepumpen sind bereits in 28 Prozent der Einfamilienhäuser installiert.
- Hausbesitzer und KMU müssen ihre Systeme in den nächsten Jahren umrüsten.
Ein Land im Wandel: Der Weg vom Gas
Die Schweiz steht vor einem umfassenden Energiewandel. Städte und Gemeinden verfolgen das Ziel, sich von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas zu lösen. Diese Strategie ist entscheidend, um die Klimaziele des Landes zu erreichen und die Emissionen von Treibhausgasen zu senken. Die Umstellung erfordert Anpassungen bei der Infrastruktur und bei den Verbrauchern.
In den nächsten Jahren werden Gasnetze in verschiedenen Städten stillgelegt. Grosse Energieversorger haben bereits angekündigt, den Gasverkauf einzustellen. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Energiezukunft für die Schweiz.
Faktencheck: Gas in Schweizer Haushalten
- Laut dem Bundesamt für Statistik (2024) werden 17 Prozent der Gebäude in der Schweiz noch mit Gas geheizt.
- Dies zeigt den Umfang der bevorstehenden Umstellung.
Fahrplan für den Gas-Ausstieg in Schweizer Städten
Die Zeitpläne für den Gas-Ausstieg variieren je nach Stadt. Zürich plant, das Gasnetz je nach Stadtteil zwischen 2030 und 2035 vollständig stillzulegen. Basel strebt den Ausstieg bis spätestens 2037 an. Andere Städte folgen ebenfalls mit klaren Zielen.
In Schaffhausen, Luzern, Langenthal (BE) und Schlieren (ZH) wird ab 2040 kein Gas mehr geliefert. Die Stadt Bern hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 komplett aus dem Gas auszusteigen. Diese Termine setzen einen klaren Rahmen für Hausbesitzer und Unternehmen.
Konkrete Auswirkungen für Eigentümer und KMU
Gebäudeeigentümer und kleine sowie mittlere Unternehmen (KMU), die derzeit mit Gas heizen oder kochen, müssen ihre Anlagen in den kommenden Jahren modernisieren. Das bedeutet eine Investition in neue Heizsysteme und Kochherde. Für viele stellt dies eine Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance, auf umweltfreundlichere Technologien umzusteigen.
Alternativen zum Gas: Fernwärme und Wärmepumpen
Zwei Hauptalternativen stehen im Vordergrund: der Anschluss an ein Fernwärmenetz und die Installation einer individuellen Wärmepumpe. Beide Optionen bieten nachhaltige Lösungen für die Wärmeversorgung.
Fernwärmenetze: Effiziente Wärmeversorgung
Fernwärmenetze funktionieren durch die Nutzung von Energiequellen wie Abwärme aus Industrieanlagen, Kehrichtverbrennungsanlagen, Rechenzentren oder der Abwasseraufbereitung. Auch Seewasser, Geothermie und Holz dienen als erneuerbare Energiequellen. Die Wärme wird über ein Rohrleitungssystem verteilt.
Andreas Hurni, Direktor des Verbands thermische Netze Schweiz, betont das Potenzial:
"Heute deckt Fernwärme etwa 10 Prozent des schweizweiten Wärmebedarfs ab. Bis 2040 könnten es durchaus 20 bis 25 Prozent sein, vor allem, wenn die Wärme aus Gewässern genutzt wird."In Städten wie Zürich und Luzern sind die Netze bereits im Ausbau. In Bern gibt es Projekte zur Nutzung der Aare als Wärmequelle.
Hintergrund: Funktionsweise von Fernwärme
Ein Fernwärmesystem benötigt drei Kernkomponenten:
- Energiequelle: Abwärme, Seewasser, Geothermie, Holz.
- Energiezentrale: Hier wird die Wärme gesammelt und aufbereitet.
- Rohrleitungssystem: Verteilt die Wärme zu den angeschlossenen Gebäuden.
Wärmepumpen: Individuelle Lösungen für jedes Gebäude
Wärmepumpen sind eine weitere wichtige Alternative. Sie entziehen der Umwelt (Luft, Wasser oder Erde) Wärme und nutzen diese zum Heizen. Die Installation von Wärmepumpen nimmt bereits stark zu. Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz 28 Prozent der Einfamilienhäuser und 20 Prozent der Haushalte auf diese Weise beheizt.
Wärmepumpen sind besonders effizient und können in vielen Fällen eine kostengünstigere Lösung sein, insbesondere wenn kein Fernwärmenetz verfügbar ist oder die Fernwärmetarife hoch sind. Herr Hurni erklärt:
"Fernwärme ist nicht in jedem Fall sinnvoller und günstiger. Das hängt stark von der Wärmequelle ab. Abwärme von einer Kehrichtverbrennungsanlage ist preislich attraktiv. Wärme aus Gewässern hingegen führt je nach Gegebenheiten vor Ort zu verhältnismässig hohen Tarifen."
Kosten und Effizienz im Vergleich
Die Wahl zwischen Fernwärme und einer Wärmepumpe hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschliesslich der lokalen Gegebenheiten und der Kostenstruktur. Abwärme aus Kehrichtverbrennungsanlagen kann Fernwärme sehr preiswert machen. Bei anderen Quellen, wie Seewasser, können die Tarife höher sein, was individuelle Lösungen attraktiver macht.
Es ist entscheidend, dass Hausbesitzer und KMU die verschiedenen Optionen sorgfältig prüfen und sich beraten lassen, um die für ihre spezifische Situation beste und wirtschaftlichste Lösung zu finden. Die Umstellung ist eine Investition in die Zukunft und trägt massgeblich zum Klimaschutz bei.
Fazit: Eine grüne Zukunft für die Schweizer Städte
Der geplante Gas-Ausstieg ist ein ehrgeiziges, aber notwendiges Vorhaben für die Schweizer Städte. Er markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung. Mit dem Ausbau von Fernwärmenetzen und der Förderung von Wärmepumpen stehen praktikable Alternativen zur Verfügung, die den Übergang erleichtern sollen.
Die kommenden Jahre werden von grossen Veränderungen geprägt sein, aber die Vision einer Schweiz, die unabhängig von fossilen Brennstoffen ist, rückt damit näher. Es ist eine kollektive Anstrengung, die von Gemeinden, Energieversorgern und Bürgern getragen wird, um eine grünere Zukunft zu gestalten.





