Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben eine gemeinsame Strategie für grünen Wasserstoff und seine Derivate verabschiedet. Diese Initiative soll den Weg zur Netto-Null-Emission ebnen und die Region als wichtige Energiedrehscheibe stärken. Die Strategie legt fest, unter welchen Bedingungen der Einsatz von Wasserstoff ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist.
Wichtigste Erkenntnisse
- Basel-Stadt und Basel-Landschaft verfolgen eine gemeinsame Wasserstoffstrategie.
- Fokus liegt ausschliesslich auf grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.
- Wasserstoff wird primär für Hochtemperaturprozesse, Schwerverkehr und langfristige Energiespeicherung eingesetzt.
- Die Region Basel soll eine zentrale Rolle beim Import und der Verteilung von Wasserstoffderivaten spielen.
- Der Bedarf an grünem Wasserstoff könnte bis 2050 bis zu 3,4 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erreichen.
Gemeinsame Strategie für nachhaltige Energie
Die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben sich auf eine gemeinsame Wasserstoffstrategie geeinigt. Diese basiert auf einem umfassenden technischen Grundlagenbericht und ist eng mit der nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes abgestimmt. Ziel ist es, grünen Wasserstoff als einen Baustein für das Erreichen der Klimaziele zu etablieren.
Grüner Wasserstoff wird aus erneuerbaren Energien hergestellt und gilt als CO2-neutral. Die Kantone legen Wert darauf, dass nur dieser «grüne» Wasserstoff in der Region zum Einsatz kommt. Dies unterstreicht das Engagement für eine nachhaltige Energiezukunft.
Faktencheck Wasserstoff
- Grüner Wasserstoff: Produziert durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
- Grauer Wasserstoff: Produziert aus fossilen Brennstoffen (Erdgas), setzt CO2 frei.
- Blauer Wasserstoff: Produziert aus fossilen Brennstoffen, aber CO2 wird abgeschieden und gespeichert.
Einsatzgebiete und Effizienzgrenzen
Wasserstoff spielt vor allem dort eine Rolle, wo hohe Energiedichten gefragt sind. Dazu gehören Hochtemperaturprozesse in der Industrie, der Schwerverkehr, die Schifffahrt und die langfristige Energiespeicherung. In diesen Bereichen kann Wasserstoff fossile Brennstoffe ersetzen und so zur Dekarbonisierung beitragen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass bei der Herstellung von grünem Wasserstoff ein erheblicher Energieverlust auftritt. Daher ist der direkte Einsatz von erneuerbarem Strom in vielen Anwendungen effizienter. Die Strategie betont, dass Wasserstoff nur dort genutzt werden soll, wo direkte Elektrifizierung nicht möglich oder sinnvoll ist.
«Grüner Wasserstoff ist ein wichtiger Puzzleteil unserer Energiewende, aber nicht die Universallösung. Wir müssen ihn intelligent und effizient dort einsetzen, wo er den grössten Nutzen stiftet.»
Bedarfsprognosen für die Region Basel
Eine aktuelle Studie hat den zukünftigen Wasserstoffbedarf in der Region Basel detailliert analysiert. Die Prognosen reichen bis ins Jahr 2050. Sie zeigen, dass der Bedarf in Industrie, Schwerverkehr und Schifffahrt je nach Szenario variieren wird.
Im Jahr 2050 könnte der Bedarf an grünem Wasserstoff zwischen 0,4 und 3,4 Prozent des gesamten jährlichen Energiebedarfs der beiden Kantone im Jahr 2022 ausmachen. Diese Zahlen verdeutlichen die potenzielle, aber auch begrenzte Rolle von Wasserstoff im Energiemix.
Hintergrund: Klimaziele und Netto-Null
Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Dies bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestossen werden dürfen, als durch natürliche oder technische Massnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden. Grüner Wasserstoff wird als eine Technologie betrachtet, die dazu beitragen kann, insbesondere in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren.
Basel als Energiedrehscheibe
Die Region Basel verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur, die sie zu einer idealen Drehscheibe für Energie macht. Die trimodale Verkehrsinfrastruktur, die Rheinhäfen und grosse Tanklager bieten beste Voraussetzungen für den Import, die Speicherung und die Verteilung von flüssigen Wasserstoffderivaten wie Methanol. Dies ist entscheidend für die Versorgungssicherheit der Schweiz.
Die Kantone planen, Wasserstoff-Cluster und Multi-Energy-Hubs zu fördern. Dort sollen Produktion, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff räumlich gebündelt werden. Erste Projekte in der Region sollen bereits Erfahrungen sammeln und Innovationen vorantreiben.
Internationale Zusammenarbeit und Anpassungsfähigkeit
Die Strategie der beiden Basel sieht eine enge Koordination mit dem Bund, den Nachbarkantonen sowie mit Deutschland und Frankreich vor. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist entscheidend, um die Potenziale von Wasserstoff voll auszuschöpfen und eine effiziente Infrastruktur aufzubauen.
Die Strategie ist dynamisch angelegt. Sie wird regelmässig überprüft und bei veränderten Rahmenbedingungen oder neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Dies stellt sicher, dass die Region flexibel auf Entwicklungen im Energiesektor reagieren kann und stets auf dem neuesten Stand der Technik bleibt.
- Regelmässige Überprüfung: Die Strategie wird fortlaufend auf ihre Aktualität und Wirksamkeit hin bewertet.
- Anpassung an neue Erkenntnisse: Wissenschaftliche Fortschritte und technologische Innovationen fliessen kontinuierlich in die Planung ein.
- Koordination mit Partnern: Enger Austausch mit nationalen und internationalen Akteuren sichert eine kohärente Entwicklung.
Die Verabschiedung dieser Strategie erfüllt auch die Anliegen politischer Vorstösse aus beiden Kantonen, darunter der Anzug 23.5340 von Grossrat Daniel Albietz in Basel-Stadt und das Postulat 2023/66 von Landrat Martin Dätwyler in Basel-Landschaft. Dies zeigt die breite politische Unterstützung für den Weg in eine grünere Energiezukunft.





