Basel feiert einen seiner bekanntesten Söhne: Helmut Förnbacher, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter, wurde 90 Jahre alt und zeigt sich weiterhin unermüdlich kreativ. Seine neueste baseldytsche Komödie feierte kürzlich Premiere und begeistert das Publikum.
Wichtige Fakten
- Helmut Förnbacher ist 90 Jahre alt und weiterhin aktiv auf der Bühne.
- Seine neue baseldytsche Komödie „Zum Dessert Mousse au Chocolat“ läuft im Theater Fauteuil.
- Förnbacher verbindet Film- und Theaterarbeit seit Jahrzehnten erfolgreich.
- Er ist bekannt für seine Rolle als Regisseur bei „Unser Charly“ und „Tatort“.
- Nach 25 Jahren im Badischen Bahnhof fand seine Company eine neue Heimat im Theater Fauteuil.
Ein Leben für Bühne und Leinwand
Helmut Förnbacher hatte schon in jungen Jahren klare Berufswünsche: Schauspieler oder Tierarzt. Er konnte beide Leidenschaften miteinander verbinden. Seine frühe Begegnung mit dem Tierwärter Carl Stemmler im Basler Zolli prägte ihn nachhaltig. Dort erlebte er, wie ein Schimpansen-Baby mit der Flasche aufgezogen wurde. Diese Erlebnisse inspirierten ihn später zu der erfolgreichen ZDF-Fernsehserie „Unser Charly“, bei der er zunächst Regie führte.
Förnbacher legte Wert darauf, Tiere nicht zu vermenschlichen. Diese Haltung führte dazu, dass er sich nach einigen Folgen von der Regie zurückzog. Dennoch blieb er dem Film treu. Er drehte mehrere „Tatort“-Folgen, viele davon mit dem geschätzten Schauspieler Manfred Krug. Auch vor dieser Krimiserie arbeitete er viel für das Fernsehen, unter anderem an einer Reihe in Südafrika.
Wussten Sie schon?
Helmut Förnbachers erster eigener Spielfilm „Sommersprossen“ feierte vor 57 Jahren im Kino Küchlin seine Weltpremiere. Zu seinem 90. Geburtstag wurde der Film dort erneut gezeigt und dreimal vor vollem Saal mit Standing Ovations gefeiert.
Vom Badischen Bahnhof ins Theater Fauteuil
Die Förnbacher Theater Company, die er 1980 gründete, war 25 Jahre lang im Badischen Bahnhof beheimatet. In dieser Zeit brachte Förnbacher über 100 Eigenproduktionen auf die Bühne. Das Spektrum reichte von Shakespeare und Goethes Faust bis zu Dürrenmatt. Neben Klassikern zeigte er Komödien, Gegenwartsdramen und Revuen. Er schaffte es, anspruchsvolle Stücke mit unterhaltsamen Produktionen zu verbinden. Sogar Schulklassen aus der ganzen Schweiz führte er an klassische Werke heran.
Im Jahr 2021 musste die Company den Kulturbahnhof verlassen. Die Deutsche Bahnbau wollte ihre Umbaupläne realisieren, und das langjährige Provisorium wurde nicht mehr verlängert. Dieser Verlust schmerzt Förnbacher bis heute. Vier Jahre lang suchte er vergeblich nach einem neuen festen Spielort in Basel.
„Es gibt nichts Schöneres, als auf der Bühne zu stehen. Das gilt auch noch mit 90.“
„Förnbacher goes Spalebärg“: Eine neue Heimat
Die Betreiber des Theaters Fauteuil am Spalenberg, Claude und Caroline Rasser, boten Förnbacher schliesslich ein Gastrecht an. Unter dem Motto „Förnbacher goes Spalebärg“ fand die Theaterfamilie eine neue Wirkungsstätte. Eine erfolgreiche Loriot-Hommage begeisterte das Basler Publikum bereits und wird im März wieder aufgenommen.
Für das Fauteuil hat Förnbacher nun sein erstes eigenes Theaterstück geschrieben: die baseldytsche Komödie „Zum Dessert Mousse au Chocolat“. Der Untertitel „e polyamori Beziehig“ deutet auf eine humorvolle Auseinandersetzung mit einem ernsteren Thema hin. Das Stück ist an Dario Fos „Offene Zweier-Beziehung“ angelehnt und verbindet Komödiantisches mit einem tiefgründigen Hintergrund. Förnbacher spielt selbst die Rolle eines gut situierten Basler Anwalts, dessen langjährige Ehe in der Krise steckt.
Auf der Bühne steht er mit seiner Frau Kristina Nel, einer bekannten Fernseh-Schauspielerin, und seiner Tochter Sandra Rudin Förnbacher, die als Theaterpädagogin und Regisseurin arbeitet. Förnbacher schätzt das Gastrecht im Fauteuil und spielt dort vorwiegend Komödien, da diese gut zum Haus passen. Es ist nicht das erste Mal, dass er auf Baseldytsch schreibt. Schon für seine frühere Vorfasnachtsveranstaltung „Ridicüle“ verfasste er Szenen im Dialekt.
Frühe Karriere und Hollywood-Entdeckung
Mit nur 19 Jahren, frisch vom renommierten Max Reinhardt-Seminar in Wien, erhielt Förnbacher seine erste Hauptrolle an der Basler Komödie. Ein Jahr später entdeckte ihn der Hollywood-Regisseur Victor Vicas und gab ihm eine der Hauptrollen im Film „SOS Gletscherpilot“. Vicas sah in Förnbacher einen „schweizerischen oder europäischen Montgomery Clift“. Populär wurde Förnbacher auch durch den „Forellenhof“, eine der ersten Familienserien im deutschen Fernsehen.
Unermüdliche Kreativität im Alter
Film und Theater sind die beiden Professionen, die Förnbacher sein ganzes Leben lang mit Leidenschaft verfolgt hat. Er liebt beides gleichermaßen, die Schauspielerei und die Regie. Auch mit 90 Jahren denkt er nicht an den Ruhestand. Bei öffentlichen Veranstaltungen blickt er auf sein erfülltes Leben und Schaffen zurück. Seine Präsenz auf der Bühne ist ein Beweis für seine anhaltende Energie und Hingabe zur Kunst.
Die Aufführungen seiner neuen Komödie im Tabourettli Basel sind vom 6. bis 8. März sowie am 19. März zu sehen. Karten sind über die Webseite des Theaters Fauteuil erhältlich. Förnbacher bleibt eine prägende Figur der Basler Kulturlandschaft und inspiriert weiterhin Generationen von Theater- und Filmliebhabern.
- Termine: 6. bis 8. März, 19. März im Tabourettli Basel
- Tickets: www.fauteuil.ch





