Das «Wunschkonzert» von Radio SRF, eine der ältesten und beliebtesten Radiosendungen der Schweiz, feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen. Seit der ersten Ausstrahlung am 11. Februar 1946 aus dem Studio Basel hat sich das Format zu einem festen Bestandteil des Schweizer Radioprogramms entwickelt und begeistert bis heute eine treue Hörerschaft mit Musikwünschen aus allen Genres.
Wichtige Fakten
- Erste Ausstrahlung am 11. Februar 1946 aus Basel.
- Fritz Schäuffele gilt als Initiator der Sendung.
- Anfänglich alle drei Wochen, bald wöchentlich aufgrund hoher Beliebtheit.
- Hilde Thalmann prägte die Sendung als Musikredaktorin über Jahrzehnte.
- Die Sendung bleibt auch im digitalen Zeitalter populär.
Ein Blick zurück: Die Anfänge in Basel
Die Geschichte des «Wunschkonzerts» begann am Montag, den 11. Februar 1946. Pünktlich um 20:30 Uhr begrüsste Fritz Schäuffele die Zuhörer auf der Frequenz von Radio Basel zum ersten «Basler Wunschkonzert». Schäuffele, der als Initiator dieser Sendung gilt, liess sich vom Erfolg ähnlicher Formate inspirieren, schuf jedoch ein komplett unpolitisches Unterhaltungsgefäss für die Schweizer Bevölkerung.
In seinen Erinnerungen beschrieb Schäuffele, wie er die ersten Musikwünsche noch im Freundeskreis sammeln musste, da die Sendung neu war. Doch die Resonanz liess nicht lange auf sich warten. Schon zwei Tage nach der Erstausgabe strömten die Hörerwünsche körbeweise ins Studio. Anfänglich erreichten das Radio täglich bis zu 1000 Briefe, später pendelte sich die Zahl bei rund 400 Zuschriften pro Tag ein. Dies zeigt die enorme und rasch wachsende Popularität der Sendung.
Wussten Sie schon?
In den Anfangsjahren gab es drei Beromünster-Radiostandorte: Basel, Bern und Zürich. Sie standen in starkem Wettbewerb. Das «Basler Wunschkonzert» entwickelte sich schnell zum gefragtesten Format und führte sogar dazu, dass Vereine in der ganzen Schweiz ihre Montagstreffen absagten, um die Sendung hören zu können.
Die Moderatoren und ihre Prägung
Über die Jahrzehnte hinweg prägten viele bekannte Radiostimmen das «Wunschkonzert». Neben Fritz Schäuffele moderierten Persönlichkeiten wie Paul Göttin, Maja Buri, Elisabeth Glattfelder und Hanspeter Stoll. Eine besonders prägende Figur war jedoch Hilde Thalmann (1931–2017), die ab 1968 als Musikredaktorin die Sendung zusammenstellte.
«Als ob sie aus einem Film der wilden 1920er-Jahre entsprungen wäre, tauchte Hilde Thalmann jeweils im Radiostudio Basel auf: mit Boa, keckem Hut, Zigarettenhalter und extravaganten Kleidern, die sie zum Teil sogar selber schneiderte.»
So wurde Hilde Thalmann bei Radio SRF 1 gewürdigt. Sie behielt stets den Überblick über die hunderten von Briefen, die Woche für Woche bei ihr eintrafen. Viele Musikwünsche waren direkt an «Fräulein Thalmann» gerichtet, was ihr hohes Ansehen beim Publikum unterstreicht.
Roger Thiriet und Heidi Abel
Roger Thiriet, der das «Wunschkonzert» ab 1972 moderierte, zunächst an der Seite der legendären Heidi Abel, erinnert sich an seine erste Sendung im Februar 1972. «Just an diesem Tag verstarb der Klarinettenstar der Schweizer Volks- und Ländlermusik, Jost Ribary. So habe ich meinen sorgfältig vorbereiteten Text mitsamt den Hörerwünschen kurz vor der Sendung diesem Ereignis anpassen müssen.»
Thiriet schätzt, dass damals in den Kategorien Volkstümlich, Schlager und Klassik jeweils nicht viel mehr als 100 Titel zur Auswahl standen. Beliebte Lieder wie die «Steiner Chilbi» oder der Marsch «Ein frohes Wiedersehen» waren im ersten Teil oft gewünscht. Im zweiten Teil waren die «Nilsen Brothers» mit «Aber dich gibt’s nur einmal für mich» unvermeidlich. Keine Woche verging, ohne dass im abschliessenden Klassik-Teil der «Bolero» von Maurice Ravel gewünscht wurde.
Heidi Abel, so Thiriet, benötigte Unterstützung für die Sendung, da sie oft andere Verpflichtungen hatte oder Termine verwechselte. Dies geschah tatsächlich mindestens einmal im Monat.
Das Erfolgsrezept
Das «Wunschkonzert» hat sich als «Fels in der Brandung» gehalten, während viele andere Sendungen kamen und gingen. Sein Erfolgsrezept ist einfach: Die Hörer wünschen sich ein Lied, und das Radio erfüllt den Wunsch. Diese direkte Interaktion schafft eine starke Bindung zur Sendung.
Dauerbrenner und ungebrochene Beliebtheit
Ein interessantes Phänomen ist, dass sich bestimmte Wunschtitel über Jahrzehnte halten. Guido Rüegge, Leiter Musikredaktion SRF «Musikwelle», nennt einige der am meisten gewünschten Titel der vergangenen Jahrzehnte:
- «Schacher Seppli» von Ruedi Rymann
- Die Blasmusikpolka «Böhmischer Traum»
- «Du bist wie die Sterne so schön» von den Calimeros
- «Sehnsuchtsmelodie» von Walter Scholz
- «E gschänkte Tag», geschrieben von Adolf Stähli
- «Rot sind die Rosen» von Semino Rossi
- Gefangenenchor aus der Oper «Nabucco»
Diese Liste zeigt, wie tief verwurzelt bestimmte Melodien im kollektiven Gedächtnis der Schweizer Hörerschaft sind. Sie werden immer wieder gewünscht, unabhängig von aktuellen Trends.
Das Wunschkonzert heute
Auch im heutigen digitalen Zeitalter, in dem zahlreiche private Radiostationen ähnliche Formate anbieten, erfreut sich das SRF-«Wunschkonzert» einer ungebrochenen Beliebtheit. Guido Rüegge bestätigt, dass die Sendung weiterhin eine treue Hörerschaft hat, die sich den Montagabend für diese Tradition freihält.
Die Wünsche erreichen das Radio nach wie vor über verschiedene Kanäle: per E-Mail, Telefon, Brief oder Postkarte. Diese Vielfalt der Kommunikationswege zeigt, dass die Sendung generationenübergreifend angenommen wird.
Roger Thiriet, der ehemalige Moderator, hört das «Wunschkonzert» auch heute noch. Er sagt: «Immer, wenn ich mich 50 Jahre jünger fühlen will. Die Dauerbrenner von damals wie die ‹Steiner Chilbi›, ‹Ein frohes Wiedersehen›, ‹s Guggerzytli›, die ‹Nilsen Brothers› und der ‹Bolero› sind offenbar Wuko-unverwüstlich …» Dies unterstreicht die zeitlose Anziehungskraft und den nostalgischen Wert der Sendung für viele Zuhörer.





