Am Sonntag, 25. Januar, findet in Kaiseraugst ein besonderes Ereignis statt: Der Chaiseraugschter Fasnachtsgottesdienst feiert seine 23. Ausgabe. Dieser Anlass im reformierten Kirchgemeindehaus ist nicht nur eine religiöse Feier, sondern auch die traditionelle Bühne für die Guggenmusik «Grossschtadtchnulleri», die ihre neuen Kostüme und musikalischen Stücke erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Wichtige Punkte
- Der 23. Chaiseraugschter Fasnachtsgottesdienst findet am 25. Januar um 11 Uhr statt.
- Die Guggenmusik «Grossschtadtchnulleri» enthüllt ihre neuen Kostüme und Lieder.
- Das Thema und die Kostüme bleiben bis zur Premiere geheim.
- Die Veranstaltung hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte, die auf eine Bombendrohung zurückgeht.
- Die Vorbereitungen der Gugge beginnen bereits im Mai des Vorjahres.
Einzigartige Tradition in Kaiseraugst
Der Fasnachtsgottesdienst in Kaiseraugst ist eine feste Grösse im regionalen Veranstaltungskalender. Er verbindet auf einzigartige Weise kirchliche Feierlichkeit mit der ausgelassenen Stimmung der Fasnacht. Besonders die «Grossschtadtchnulleri» sorgt jedes Jahr für ein Spektakel. Ihr Auftritt ist der Höhepunkt des Gottesdienstes.
Die Spannung ist jedes Mal gross, denn sowohl die neuen Kostüme als auch die musikalischen Arrangements bleiben bis zur Premiere streng geheim. Dies trägt massgeblich zur besonderen Atmosphäre des Anlasses bei. Besucher erwarten ohrenbetäubenden Lärm und ausgelassene Freude.
Faktencheck
- Der Gottesdienst ist seit 23 Jahren ein fester Bestandteil der Fasnachtstradition.
- Die «Grossschtadtchnulleri» ist die lokale Guggenmusikgruppe.
- Die Premiere der neuen Kostüme und Lieder erfolgt exklusiv während des Gottesdienstes.
Die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte
Die Anfänge dieses besonderen Gottesdienstes sind bemerkenswert. Sie reichen zurück zu einer Fasnachtsfeier in Badisch Rheinfelden. Dort kam es zu einer Bombendrohung. Die Feiernden suchten Schutz in einer protestantischen Kirche, die ein Pastor freundlicherweise öffnete.
Was als Flucht begann, entwickelte sich zu einer spontanen Feier. Fasnächtler begannen zu spielen, immer mehr Menschen schlossen sich an. Schliesslich tanzten die Anwesenden sogar auf den Kirchbänken. Diese Erfahrung inspirierte die damalige Pfarrerin Esther Borer. Sie initiierte kurz darauf den ersten Chaiseraugschter Fasnachtsgottesdienst.
„Die Verbindung von Kirche und Fasnacht mag ungewöhnlich erscheinen, doch sie hat sich in Kaiseraugst als feste Tradition etabliert. Es zeigt, wie Gemeinschaft und Freude auch an unerwarteten Orten entstehen können.“
Hinter den Kulissen: Die Vorbereitungen der Gugge
Die Planung und Umsetzung der jährlichen Auftritte der «Grossschtadtchnulleri» sind aufwendig. Die Vorbereitungen beginnen bereits Ende Mai des Vorjahres. Dies erfordert eine detaillierte Organisation, die an professionelles Management erinnert.
Zwei zentrale Kommissionen sind involviert: die Kostüm-Kommission (KoKo) und die Musik-Kommission (MuKo). Sie entwickeln gemeinsam Ideen für das neue Thema und die dazugehörigen Kostüme. Über das Fasnachtsthema wird demokratisch abgestimmt. Die Kostüme werden anschliessend zum Freundschaftspreis geschneidert und bestickt.
Hintergrundinformationen
Guggenmusik ist eine traditionelle Form der Blasmusik, die vor allem in der alemannischen Fasnacht verbreitet ist. Typisch sind die schrägen Töne, die oft bewusst disharmonisch gespielt werden, sowie fantasievolle Kostüme und Masken. Die Gruppen proben oft monatelang, um ihre Stücke und Choreografien zu perfektionieren.
Premierefieber und ein besonderer Gast
Der Fasnachtsgottesdienst ist für alle Beteiligten ein nervenaufreibender Moment. Es herrscht eine Art Premierefieber. Besonders der Major der «Grossschtadtchnulleri», Kimon Sorg, spürt die Anspannung. Auch der Pfarrer und seine Frau sind vor dem grossen Tag aufgeregt. Die Präsentation der neuen Kostüme und Stücke im reformierten Kirchgemeindehaus ist der erste offizielle Auftritt der Saison.
Ein besonderer Gast ist Theobald, der Affe des Pfarrers. Er wird in einem massgeschneiderten Kostüm auftreten. Gerda Hollenstein, seine Hofschneiderin, fertigt dieses extra für ihn an. Theobald ist bekannt für seine vorwitzigen Reden, die er von der Kanzel herab hält. Er sorgt für humorvolle Einlagen und unterstreicht den einzigartigen Charakter der Veranstaltung.
Sein diesjähriger Spruch lautet:
«Heut müsst ihr nicht auf Durchzug schalten! / Der Pfaff wird seine Schnuure halten. / ICH werd’ in der Kirche walten. / Drum, Leute, kommt in grosser Zahl! / Mich zu verpassen wär fatal.»
Dieser Gottesdienst ist mehr als nur eine kirchliche Zusammenkunft. Er ist ein kulturelles Ereignis, das die Gemeinschaft in Kaiseraugst zusammenbringt. Er zeigt, wie alte Traditionen und neue Ideen zu einem lebendigen Brauchtum verschmelzen können.
Bedeutung für die Gemeinschaft
Der Chaiseraugschter Fasnachtsgottesdienst hat eine grosse Bedeutung für die lokale Gemeinschaft. Er ist ein Treffpunkt für Jung und Alt. Die Veranstaltung fördert den Zusammenhalt im Dorf. Sie bietet eine Plattform für die «Grossschtadtchnulleri», ihre Kreativität zu zeigen. Die Geheimhaltung der Kostüme und des Themas steigert die Vorfreude.
Jedes Jahr zieht der Gottesdienst zahlreiche Besucher an. Er ist ein Highlight vor dem Beginn der eigentlichen Fasnacht. Die Kombination aus Musik, Humor und traditionellen Elementen macht ihn unverwechselbar. Der Gottesdienst ist ein lebendiges Beispiel für die Vielfalt der Schweizer Fasnachtskultur.





