Das Schyssdräggziigli hat die Vorfasnachtszeit in Basel mit einer liebevoll gestalteten Produktion für Kinder eröffnet. Im Mittelpunkt des einstündigen Programms stand das Motto „sälber gmacht“, das den jüngsten Fasnachts-Fans auf spielerische Weise die Traditionen näherbrachte und zum Mitmachen anregte.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Schyssdräggziigli vermittelt Kindern die Grundlagen der Basler Fasnacht auf interaktive Weise.
- Das zentrale Thema „sälber gmacht“ fördert die Kreativität und stellt einen Gegenpol zum reinen Konsum dar.
- Alle wichtigen Elemente der Fasnacht, wie Piccolo, Trommeln und Schnitzelbank, werden kindgerecht präsentiert.
- Die Veranstaltung bindet das junge Publikum aktiv in die Handlung ein und schafft so ein unvergessliches Erlebnis.
Ein Cliquenkeller voller Leben
Die diesjährige Aufführung des Schyssdräggziigli entführte die jungen Zuschauer direkt in das Herz einer Fasnachtsclique: den Cliquenkeller. Hier bereiten sich die Mitglieder auf die „drey scheenschte Dääg“ vor, und die Regel lautet: Jeder bringt etwas Selbstgebasteltes mit. Diese einfache, aber wirkungsvolle Prämisse bildet den roten Faden der gesamten Vorstellung.
Die Geschichte beginnt mit den beiden Piccolo-Spielerinnen Kathi (Silvia Ferrari) und Lea (Liv Jeandrain), die den Marsch „Läggerli“ üben. Kurz darauf stossen der Tambour Albi (Silvio Fumagalli) und sein Enkel Moritz (Milo Olivetti) hinzu. Die Interaktion zwischen Grossvater und Enkel ist einer der Höhepunkte der Show. Albi erklärt geduldig die Grundlagen des Trommelns, vom Aufwärmen bis zum richtigen Aufstellen des „Böggli“.
Authentizität auf der Bühne
Besonders der junge Darsteller Milo Olivetti in der Rolle des Moritz überzeugt durch seine natürliche und begeisterte Spielweise. Man hat den Eindruck, er spiele nicht nur eine Rolle, sondern lebe seine eigene Freude am Trommeln direkt auf der Bühne aus, was die Vorstellung besonders authentisch macht.
Vom Baustellenleiter zum Tambourmajor
Ein bekanntes Gesicht aus dem Vorjahr sorgt für eine überraschende Wendung: Bob Mäder (Lorenz Killer), der letztjährige Baustellenleiter, taucht mit einer Laterne auf. Er erklärt den Kindern die historische Rolle des Nachtwächters, der früher für Ordnung sorgte und die Stunde ausrief.
Da er kein Instrument spielt, wird er kurzerhand mit einem Besen ausgestattet und zum Tambourmajor ernannt. In einem spontanen Moment formiert sich ein kleines „Ziigli“. Kinder aus dem Publikum dürfen den Vortrab bilden, während Bob sie als Major anführt und die Clique den „Ryslaifer“ spielt. Diese direkte Einbindung verwandelt die Zuschauer in Teilnehmer und erzeugt eine greifbare Fasnachtsstimmung im Saal.
Ein Schnitzelbank für Kinderohren
Keine Basler Vorfasnacht wäre komplett ohne einen Schnitzelbank. Für diese wichtige Aufgabe konnte mit „Dintelimpli“ einer der bekanntesten Bänggler der Stadt gewonnen werden. Er präsentierte ein speziell für Kinder geschriebenes Programm, das auf grosse Begeisterung stiess.
„Dass sich einer der Besten seines Fachs die Zeit nimmt, ein spezielles Kinderprogramm zu entwickeln, verdient höchsten Respekt. Die Themen waren perfekt auf die Erlebniswelt der Kleinen abgestimmt.“
Begleitet von passenden Helgen, handelten seine Verse von Tieren wie Elefanten, Igeln und Spinnen bis hin zu bekannten Figuren wie dem Pumuckl. Das laute Lachen der Kinder und der kräftige Applaus am Ende zeigten, wie gut dieser Auftritt ankam.
Die Botschaft: „Sälber Gmacht“
Der Kern der Veranstaltung ist die Feier der Kreativität und des Handwerks. Alle Cliquenmitglieder präsentieren stolz ihre selbstgemachten Fasnachtsutensilien und inspirieren damit das Publikum.
Kreative Bastelideen
- Albis Rätsche: Er zeigt nicht nur seine selbstgebaute Rätsche, sondern erklärt den Kindern auch, wie sie eine eigene herstellen können.
- Kathis Halblarve: Eine farbenfrohe und wunderschön gestaltete Larve, die zeigt, wie viel Persönlichkeit in einem selbstgemachten Stück stecken kann.
- Leas Räpplikanone: Ein kreatives Utensil für die Strassenfasnacht. Eine Anleitung zum Nachbauen findet sich sogar im Programmheft.
- Moritz' „Junteressli“: Mit einer einfachen Kiste und den Hosenträgern seines Grossvaters zaubert er ein improvisiertes Instrument.
Diese Präsentationen sind mehr als nur Show-Elemente; sie sind praktische Anleitungen und eine Ermutigung für die Kinder, selbst kreativ zu werden. In einer Zeit, in der vieles fertig gekauft wird, setzt das Schyssdräggziigli damit ein wichtiges Zeichen.
Ein gelungenes Finale
Ein weiteres interaktives Element ist ein Ratespiel, bei dem Pierre (Marius Buner) auf einer grossen Leinwand typische Fasnachtsfiguren zeichnet und das Publikum diese erkennen muss. Die Kinder erweisen sich als äusserst kundig und erraten die Begriffe oft schon nach wenigen Strichen.
Den Abschluss bildet das gemeinsam gesungene Lied „Hängget d Drummle aa“, das die einstündige Vorstellung perfekt abrundet. Die Produktion unter der Regie von Colette Studer und mit Texten von Peter Keller beweist eindrücklich, wie man die nächste Generation für das wichtigste Basler Kulturgut begeistern kann: mit Herz, Witz und der klaren Botschaft: Sälber gmacht isch eifach besser.
Weitere Vorstellungen finden bis zum 11. Februar 2026 jeweils mittwochs um 14:30 Uhr im Theater Arlecchino statt.





