Die Filmwelt trauert um eine ihrer grossen Persönlichkeiten. Der in Basel geborene und mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnete Filmproduzent Arthur Cohn ist im Alter von 98 Jahren verstorben. Dies bestätigte seine Familie in einer Todesanzeige. Cohn, der für seine anspruchsvollen und humanistischen Filme bekannt war, hinterlässt ein bedeutendes filmisches Erbe, das weit über die Schweizer Grenzen hinausreicht.
Arthur Cohn, geboren 1927 in Basel, war eine Ausnahmeerscheinung in der oft oberflächlichen Welt Hollywoods. Er produzierte Filme nicht primär aus kommerziellen Erwägungen, sondern weil ihn die Geschichten und die darin enthaltenen menschlichen Schicksale berührten. Dieser Ansatz brachte ihm nicht nur weltweite Anerkennung, sondern auch die höchsten Ehren der Filmbranche ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Basler Filmproduzent Arthur Cohn ist im Alter von 98 Jahren gestorben.
- Er gewann drei Oscars in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm".
- Seine bekanntesten Werke sind "Nur Himmel und Dreck", "American Dream" und "Ein Tag im September".
- Cohn war für seinen Fokus auf humanitäre und sozialkritische Themen bekannt.
Ein Basler erobert Hollywood
Arthur Cohn wurde in eine jüdische Familie in Basel geboren. Sein Grossvater war Rabbiner, sein Vater Anwalt. Ursprünglich schien auch für ihn ein juristischer Weg vorgezeichnet, doch seine Leidenschaft für das Geschichtenerzählen und den Film setzte sich durch. Nach dem Studium begann er als Journalist zu arbeiten, was seinen Blick für relevante gesellschaftliche Themen schärfte.
Sein Einstieg in die Filmproduktion war von dem Wunsch geprägt, Geschichten auf die Leinwand zu bringen, die sonst ungehört bleiben würden. Er verstand das Kino als ein Medium der Aufklärung und des Mitgefühls. Diese Haltung unterschied ihn von vielen seiner Zeitgenossen und wurde zu seinem Markenzeichen.
Der Weg zum ersten Oscar
Den internationalen Durchbruch schaffte Cohn bereits früh in seiner Karriere. Sein erster grosser Erfolg war der Dokumentarfilm "Nur Himmel und Dreck" (Originaltitel: "Le Ciel et la Boue") aus dem Jahr 1961. Der Film dokumentiert eine siebenmonatige Expedition durch das unwegsame Neuguinea und zeigt das Leben indigener Völker, die zuvor kaum Kontakt zur Aussenwelt hatten.
Für dieses beeindruckende Werk erhielt Arthur Cohn 1962 seinen ersten Oscar. Es war der Beginn einer aussergewöhnlichen Karriere, die ihn zu einem der angesehensten Produzenten der Welt machen sollte.
Mehr als nur ein Produzent
Arthur Cohn war nicht nur Geldgeber, sondern ein kreativer Produzent im klassischen Sinne. Er war tief in die Entwicklung seiner Projekte involviert, von der ersten Idee über das Drehbuch bis hin zum finalen Schnitt. Er war bekannt dafür, hartnäckig für seine Visionen zu kämpfen und keine Kompromisse bei der Qualität einzugehen.
Die Stimme der Unterdrückten
Cohns Filmografie zeichnet sich durch ein starkes soziales und politisches Engagement aus. Er nutzte die Macht des Kinos, um auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen und den Stimmlosen eine Plattform zu geben. Seine Themen waren oft unbequem, aber immer von grosser Relevanz.
Zweiter Oscar für "American Dream"
Im Jahr 1991 folgte die zweite grosse Auszeichnung. Der Dokumentarfilm "American Dream" von Regisseurin Barbara Kopple, den Cohn produzierte, beleuchtete einen erbitterten Arbeiterstreik in einer Fleischverpackungsfabrik in Minnesota. Der Film zeigte eindrücklich die menschlichen Kosten des wirtschaftlichen Wandels in den USA und wurde mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm geehrt.
Sechs Oscars für seine Filme
Insgesamt wurden Filme, die Arthur Cohn produzierte, für sechs Oscars nominiert und gewannen diese auch. Neben seinen drei persönlichen Oscars für Dokumentarfilme erhielten auch Spielfilme wie "Der Garten der Finzi Contini" (1971) den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.
Dritter Oscar für "Ein Tag im September"
Seinen dritten persönlichen Oscar erhielt Cohn im Jahr 2000 für "Ein Tag im September". Der Film rekonstruiert minutiös die Geiselnahme israelischer Athleten durch palästinensische Terroristen während der Olympischen Spiele 1972 in München. Mit Interviews von Zeitzeugen, darunter dem einzigen überlebenden Terroristen, schuf der Film ein erschütterndes und unvergessliches Dokument des Terrors.
"Ich wollte immer Filme machen, die eine Botschaft haben, die die Leute zum Nachdenken anregen und vielleicht sogar ein bisschen die Welt verändern", sagte Cohn einst in einem Interview über seine Motivation.
Ein Vermächtnis, das bleibt
Arthur Cohn blieb seiner Heimatstadt Basel stets eng verbunden, auch wenn er einen grossen Teil seines Lebens in Los Angeles verbrachte. Er wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht, darunter dem Ehrendoktortitel der Universität Basel und der Boston University sowie einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
Sein Werk umfasst neben den preisgekrönten Dokumentationen auch gefeierte Spielfilme wie "Die Kinder des Monsieur Mathieu" (2004) und "Central Station" (1998), die ebenfalls für Oscars nominiert wurden. Jeder seiner Filme trägt seine unverkennbare Handschrift: ein tiefes humanistisches Verständnis und der unbedingte Wille, relevante Geschichten mit Integrität zu erzählen.
Mit dem Tod von Arthur Cohn verliert die Welt einen Produzenten, der bewiesen hat, dass Filme gleichzeitig unterhaltsam, anspruchsvoll und gesellschaftlich relevant sein können. Sein Vermächtnis wird in seinen Werken weiterleben und auch zukünftige Generationen von Filmschaffenden inspirieren.





