Die Schweizer Tradition des Jodelns steht kurz vor einer bedeutenden Anerkennung: Die UNESCO prüft derzeit, ob das Jodeln in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen werden soll. Diese Entscheidung könnte die Wertschätzung für das Jodeln weltweit stärken und seine Zukunft sichern.
Wichtige Punkte
- Die UNESCO entscheidet über die Aufnahme des Jodelns als Weltkulturerbe.
- Die Entscheidung wird bis zum 13. Dezember erwartet.
- Das Jodeln soll auf Hirtenkommunikation in den Bergen zurückgehen.
- Es gibt keine Nachwuchsprobleme; über 12.000 aktive Jodler sind im Schweizer Verband.
- Die Anerkennung soll die Wertschätzung für die Tradition steigern.
Jodeln: Eine alte Tradition im Fokus der UNESCO
Das Jodeln, eine Gesangsform ohne Text, die sich durch schnelle Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme auszeichnet, ist tief in der Schweizer Alpenkultur verwurzelt. Seit Jahrhunderten dient es nicht nur der musikalischen Unterhaltung, sondern auch der Kommunikation über weite Distanzen.
Ein Ausschuss der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) berät in Neu-Delhi über die Aufnahme des Jodelns. Die Sitzung dauert bis zum 13. Dezember. Eine positive Entscheidung würde die Bedeutung dieser einzigartigen Tradition unterstreichen.
Interessanter Fakt
Das Jodeln ist nicht nur in der Schweiz verbreitet, sondern auch in anderen Alpenregionen wie Österreich und Bayern. Es gibt jedoch spezifische Schweizer Jodelstile, die sich durch besondere Melodien und Techniken auszeichnen.
Ursprünge und Entwicklung der Jodelkunst
Die Ursprünge des Jodelns reichen weit zurück. Historiker vermuten, dass Hirten in den Bergen diese Gesangsform entwickelten, um sich über grosse Entfernungen zu verständigen. Es war eine praktische Methode, um Herden zu lenken oder vor Gefahren zu warnen.
Mit der Zeit entwickelte sich das Jodeln zu einer Kunstform. Es wurde Teil von Volksfesten und traditionellen Zusammenkünften. Heute ist es ein fester Bestandteil der Schweizer Identität und wird von vielen Generationen gepflegt.
Keine Nachwuchssorgen in der Jodelbewegung
Entgegen mancher Befürchtungen um den Erhalt traditioneller Künste zeigt sich beim Jodeln ein vitales Bild. Der Eidgenössische Jodlerverband zählt rund 12.000 aktive Mitglieder. Hinzu kommen zahlreiche freie Jodlergruppen, die das Brauchtum pflegen.
Diese Zahlen belegen, dass das Jodeln auch bei jungen Menschen Anklang findet. Es gibt viele Kurse und Schulen, die die Technik und die Kultur des Jodelns weitergeben. Dies ist entscheidend für die langfristige Bewahrung der Tradition.
„Die Anerkennung durch die UNESCO wäre ein starkes Signal für die Wertschätzung unserer Volksmusik und ein Ansporn für die nächste Generation, diese einzigartige Form des Gesangs weiterzuführen“, so eine Sprecherin des Roothuus Gonten, dem Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik.
Bedeutung des immateriellen Kulturerbes
Die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit soll Traditionen und Ausdrucksformen schützen und fördern. Dazu gehören mündliche Überlieferungen, darstellende Künste, soziale Praktiken, Rituale, Feste, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken.
Eine Aufnahme des Jodelns in diese Liste würde nicht nur die nationale, sondern auch die internationale Aufmerksamkeit auf diese Schweizer Besonderheit lenken. Es würde helfen, das Wissen und die Fähigkeiten rund um das Jodeln zu bewahren und zu vermitteln.
Hintergrund: UNESCO-Kulturerbe
Die UNESCO hat zwei Hauptlisten für Kulturerbe: das Welterbe (für materielle Stätten wie Gebäude oder Landschaften) und das immaterielle Kulturerbe (für lebendige Traditionen). Die Liste des immateriellen Kulturerbes wurde 2003 ins Leben gerufen, um die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen weltweit zu schützen.
Auswirkungen einer möglichen Anerkennung
Eine offizielle Anerkennung als Weltkulturerbe könnte verschiedene positive Effekte haben. Sie könnte den Tourismus fördern, da viele Menschen Interesse an authentischen kulturellen Erlebnissen haben. Es könnte auch zu mehr Forschung und Dokumentation über die Geschichte und die verschiedenen Stile des Jodelns führen.
Darüber hinaus würde die Anerkennung die Identifikation der Schweizer Bevölkerung mit ihrer Kultur stärken. Es ist ein Zeichen dafür, dass Traditionen in einer modernen Welt weiterhin einen wichtigen Platz haben.
Zukunftsaussichten für das Jodeln
Die Entscheidung der UNESCO wird mit Spannung erwartet. Unabhängig vom Ausgang bleibt das Jodeln eine lebendige Tradition in der Schweiz. Die starke Gemeinschaft der Jodler und die kontinuierliche Weitergabe an neue Generationen sichern seinen Fortbestand.
Sollte das Jodeln den Status als Weltkulturerbe erhalten, wäre dies ein weiterer Meilenstein in seiner langen Geschichte. Es würde seine Bedeutung als kulturelles Erbe der Menschheit festigen und die Aufmerksamkeit auf seine einzigartige Schönheit lenken.





