Die Basler Männerclique Schnurebegge feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Mit einem Jubelapéro am 10. Januar startete die traditionsreiche Kleinbasler Clique in ein ereignisreiches Jubiläumsjahr. Dieses Jubiläum ehrt nicht nur die reiche Geschichte, sondern blickt auch auf die Zukunft einer fest verankerten Fasnachtsinstitution.
Wichtige Punkte
- Die Schnurebegge feiern 100 Jahre Bestehen als Basler Männerclique.
- Das Jubiläumsmotto lautet: «Mir sinn alli im glyyche Boot!».
- Die Clique ist bekannt für ihre unkonventionellen und humorvollen Sujets.
- Trotz Diskussionen bleibt die Schnurebegge eine reine Männerclique.
- Ein umfangreiches Jahresprogramm beinhaltet eine Kreuzfahrt und ein grosses Jubelfest.
Ein Jahrhundert Fasnacht im Kleinbasel
Die Gründung der Schnurebegge erfolgte im Jahr 1926. Vierzehn Mitglieder verliessen damals die Clique «Sans-Gêne» nach einer turbulenten Generalversammlung. Am 13. August 1926 gründeten sie im Restaurant Turnhalle im Kleinbasel einen neuen Fasnachtsverein. Im Oktober desselben Jahres erhielt die Clique ihren charakteristischen Namen «Schnurebegge».
Der Name leitet sich vom Sohn des letzten Stadttambours Jakob Friedrich Beck ab, der für sein loses Mundwerk bekannt war. Zehn Jahre später entstand das Buebeziigli, die Junge Garde. Im Jahr 1964 folgte die Alte Garde «D Schlurbbi vo de Schnurebegge». Seit einem Jahrhundert besteht diese Clique nun als Männerclique, die sich selbst als familienfreundlich und unkompliziert beschreibt.
Faktencheck
- Gründungsjahr: 1926
- Gründungsort: Restaurant Turnhalle, Kleinbasel
- Namensherkunft: Sohn des Stadttambours Jakob Friedrich Beck
- Sektionen: Stammclique, Junge Garde (seit 1936), Alte Garde «D Schlurbbi» (seit 1964)
Die Rolle der Männerclique in der heutigen Zeit
Die Schnurebegge sind eine von nur noch sechs reinen Männercliquen in Basel. Diese Exklusivität führt regelmässig zu Diskussionen über ihre Zeitgemässheit. Markus Geissmann, Obmann des Jubiläums-OK, betont den historischen Ursprung dieser Struktur. Im Jahr 1926 war es schlicht unüblich, dass Frauen aktiv an der Fasnacht teilnahmen.
Yves A. Thiriet, Obmann der Stammclique, erklärt, dass das Thema immer wieder intern diskutiert wird. Umfragen unter den Mitgliedern zeigen jedoch stets den Wunsch, eine reine Männerclique zu bleiben. Thiriet argumentiert, dass die Qualität der Instruktion, das Cliquenleben und die sozialen Beziehungen wichtiger für den Nachwuchs seien als eine Öffnung für Frauen.
«Wir fühlen uns wohl als Männerclique. Das Argument, dass wir weniger Nachwuchssorgen hätten, wenn wir uns für Frauen öffnen, zieht heute nicht mehr.» – Yves A. Thiriet, Obmann der Schnurebegge.
Der Slogan der Jungen Garde «Deert wo Buebe no Buebe deerfe syy…» unterstreicht diese Haltung. Die Clique steht zu ihrer Tradition und sieht darin eine Stärke, die das Zusammengehörigkeitsgefühl fördert.
Kreativität und unvergessliche Sujets
Die Schnurebegge sind bekannt für ihre aussergewöhnlichen und oft schrägen Sujets, die am Cortège für Aufsehen sorgen. Yves Thiriet, der zehn Jahre lang Sujet-Obmann war, erklärt die Philosophie dahinter: Ein Sujet soll weltpolitisch oder lokal relevant sein, vor allem aber lustig und originell umgesetzt werden. Die Schnurebegge gehen dabei gerne einen Schritt weiter.
Ein Beispiel dafür war die Fasnacht 2023, als die Pfeifer als Queen Elisabeth verkleidet waren und anstatt zu pfeifen, königlich ins Publikum winkten. Noch drastischer war ein Sekten-Sujet, bei dem über die Hälfte der Aktiven sich die Köpfe kahl rasieren liessen und barfuss in Sandalen marschierten. Nur aus beruflichen Gründen Hinderte trugen Plastikglatzen. Dieses Engagement zeigt die Leidenschaft und den Zusammenhalt der Mitglieder.
Hintergrund: Die Basler Fasnacht
Die Basler Fasnacht ist die grösste Fasnacht der Schweiz und gehört seit 2017 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4 Uhr morgens mit dem «Morgestraich» und endet am Donnerstagmorgen um 4 Uhr. Cliquen, Guggenmusiken und Wagenformationen ziehen durch die Stadt und präsentieren ihre Sujets zu aktuellen Themen.
Das Jubiläumsjahr: «Mir sinn alli im glyyche Boot!»
Das gesamte Jubiläumsjahr steht unter dem Motto «Mir sinn alli im glyyche Boot!». Dieses Motto bezieht alle drei Sektionen der Schnurebegge sowie die Partnerwagen der Sürkrütt-Waggis mit ein. Ziel ist es, nicht nur die Vergangenheit zu feiern, sondern die Gegenwart und die Zukunft der Clique gemeinsam zu gestalten. Das Fasnachtssujet lautet dementsprechend «MS 100 – Syt 100 Joor uff allne Wältmeer underwäggs».
Die Feierlichkeiten begannen offiziell am 10. Januar mit einem Jubelapéro. Dabei wurde ein spezielles «Schnure-Bogg»-Bier der Stammbeiz Fischerstube präsentiert. Die Schnurebegge werden auch das Drummeli mit einem passenden Outfit eröffnen und am Cortège ein sektionsübergreifendes Sujet präsentieren.
Höhepunkte des Jubiläumsjahres
- 10. Januar: Offizieller Jubiläums-Apéro mit eigenem Bier.
- Drummeli: Eröffnung mit speziellem Outfit.
- Fasnacht: Sektionsübergreifendes Sujet am Cortège.
- Zweitägiger Bummel: Ziel bleibt geheim.
- Auffahrt: Über 70 Schnurebegge auf einer Rheinschiff-Kreuzfahrt von Basel nach Mainz und zurück.
- 13. August: Offizieller Anlass am Gründungstag mit Comité und Obleuten anderer Cliquen.
- 5. September: Grosses Jubelfest mit allen drei Sektionen, Sürkrütt-Waggis und Passiven.
Nach dem Jubiläumsfest soll das «normale Cliquenleben» wieder aufgenommen werden.
Familie, Toleranz und Zukunft
Was die Schnurebegge auszeichnet, ist nach Aussage der Obmänner der starke Zusammenhalt und der familiäre Charakter. Yves Thiriet betont, dass jeder seinen Platz in der Clique finde, sei es als aktiver Macher oder als ruhiger Geniesser. Die Clique ist im wahrsten Sinne des Wortes familiär: Thiriet selbst ist im Stamm, sein Sohn in der Jungen Garde und sein Vater bei den «Schlurbbi».
Markus Geissmann hebt die Toleranz hervor: Es spielt keine Rolle, welchen beruflichen Hintergrund ein Mitglied hat. Vom CEO bis zum Fensterputzer sind alle gleichgestellt. Diese Bodenständigkeit und das Nicht-Abgehobensein sind zentrale Werte der Schnurebegge.
Die Clique steht jedoch auch vor Herausforderungen. Die Überalterung der Mitglieder ist ein Thema, das permanent angegangen werden muss. Yves Thiriet betont die Notwendigkeit, attraktiv für neue Mitglieder zu bleiben. Dies beinhaltet die Arbeit an der musikalischen Qualität, die Pflege des Cliquenlebens und die aktive Akquisition neuer Mitglieder. Sein Mantra lautet: «…jede kennt öpper…».
Markus Geissmann sieht die Alte Garde, die «Schlurbbi», als wichtiges Sammelbecken für jene, die es gemütlicher nehmen wollen. Er wünscht sich eine Annäherung der Sektionen für ein gemeinsames Trommeln und Pfeifen. Die Schnurebegge möchten ein unkomplizierter, familiärer und lustiger Haufen bleiben, der sowohl den gesellschaftlichen Teil als auch das musikalische Können pflegt. Die Beibehaltung der Toleranz und Bodenständigkeit sind dabei zentrale Wünsche für die Zukunft.





