Die Basler Festivallandschaft steht unter Druck. Absagen wie jene des BScene, Pärkli Jam und Gässli Film Festivals haben die finanzielle Fragilität der Szene deutlich gemacht. Nun fordert eine breit abgestützte Motion im Grossen Rat, die Vergabe der Swisslos-Gelder anzupassen, um etablierten Festivals mehr Stabilität zu ermöglichen. Das Ziel ist eine längerfristige Förderung über zwei Ausgaben hinweg und eine Senkung der Schwelle für intensivere Zusammenarbeit.
Wichtige Punkte
- Die Grüne Grossrätin Jo Vergeat fordert eine Anpassung der Swisslos-Verordnung.
- Festivals sollen künftig für zwei Ausgaben finanziell unterstützt werden können.
- Die Schwelle für eine engere Zusammenarbeit mit dem Kanton soll von 150'000 auf 30'000 Franken gesenkt werden.
- Veranstalter begrüssen den Vorstoss für mehr Planungssicherheit und weniger Verwaltungsaufwand.
- Die Motion zielt darauf ab, die Qualität der Basler Festivallandschaft zu sichern, ohne zusätzliche Gelder zu fordern.
Finanzielle Herausforderungen der Basler Festivals
Die kulturelle Vielfalt Basels wird massgeblich durch seine Festivalszene geprägt. Diese trägt erheblich zur Attraktivität der Stadt bei. Doch in den letzten Jahren sehen sich viele Veranstalter mit wachsenden finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Die allgemeine Teuerung im Kultursektor belastet die Budgets stark. Gleichzeitig verändert sich die Landschaft der Stiftungen und Sponsoren. Dies führt dazu, dass etablierte Festivals weniger Unterstützung erhalten.
Einige Festivals mussten bereits reagieren. Das BScene Festival, einst in vielen Clubs der Stadt präsent, konzentrierte sich zuletzt auf die Kaserne. Trotzdem reichten die Sparmassnahmen nicht aus. Auch das Pärkli Jam musste seine Finanzen neu ordnen, um nachhaltig zu bleiben. Das Gässli Film Festival sagte seine Ausgabe für 2025 sogar komplett ab, da eine Basisfinanzierung nicht gesichert werden konnte.
Faktencheck: Festival-Absagen
- BScene: Reduzierte Umfang, schliesslich Absage.
- Pärkli Jam: Musste Finanzierung neu ausrichten.
- Gässli Film Festival: Absage für 2025 wegen fehlender Basisfinanzierung.
Ruf nach mehr Planungssicherheit
Jo Vergeat, Grüne Grossrätin, hat diese Entwicklung genau beobachtet. In Gesprächen mit Festivalveranstaltern hörte sie immer wieder von der mangelnden Planbarkeit als grösster Herausforderung. Besonders bei Ausgaben für Miete oder Gehälter der Geschäftsleitung ist eine längerfristige Perspektive entscheidend. Die aktuelle Förderpraxis, die oft nur ein Jahr im Voraus Planungssicherheit bietet, erschwert die Arbeit erheblich.
«Ich beobachte, dass Stiftungen zunehmend lieber neue Projekte und Programme finanzieren und weniger gerne etablierte Festivals. Ausserdem wollen natürlich immer mehr Veranstalter*innen Geld – es sind aber nicht mehr finanzielle Mittel da.»
Jo Vergeat, Grüne Grossrätin
Vergeat betont, dass sich die Stiftungslandschaft gewandelt hat. Neue Projekte finden leichter Förderer als bewährte Formate. Gleichzeitig steigt die Zahl der Anträge, während die verfügbaren Mittel stagnieren. Dies verschärft den Wettbewerb um Gelder und erhöht den Druck auf bestehende Festivals.
Anpassung der Swisslos-Verordnung im Fokus
Die Motion von Jo Vergeat schlägt konkrete Änderungen vor. Sie fordert, dass Swisslos-Beiträge für Festivals künftig auch für zwei Ausgaben gesprochen werden können. Dies würde eine wesentlich bessere Planung ermöglichen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass der gesprochene Betrag einen bestimmten Wert übersteigt. So sollen vor allem jene Festivals profitieren, die aufgrund ihrer Grösse auf verlässliche Strukturen angewiesen sind.
Das neue Kulturleitbild sieht ebenfalls einen Förderschwerpunkt für Festivals vor. Allerdings ist dort eine Schwelle von 150'000 Franken pro Ausgabe vorgesehen. Vergeat kritisiert diese Höhe als zu hoch. Nur wenige Festivals in Basel erhalten derart hohe Beträge. Dazu gehören etwa das Jugendkulturfestival, die Architecture Week, Culturescapes, das Wildwuchsfestival, das Europäische Jugendchor Festival und das Theaterfestival.
Hintergrund: Swisslos-Gelder
Die Swisslos-Gelder stammen aus dem Lotteriefonds und werden zur Förderung von Kultur, Sport und sozialen Projekten eingesetzt. Ihre Vergabe erfolgt nach kantonalen Verordnungen und Richtlinien. In Basel sind sie eine wichtige Säule der Kulturfinanzierung.
Senkung der Förderschwelle auf 30'000 Franken
Vergeat schlägt vor, die Grenze für den Förderschwerpunkt auf 30'000 Franken zu senken. Dies hätte weitreichende Auswirkungen. Eine deutlich grössere Anzahl von Festivals würde in den Förderschwerpunkt fallen und von der verbesserten Planungssicherheit profitieren. Betroffen wären unter anderem das Tanzfest Region Basel, BScene, das Bildrausch Filmfest, Mizmorim, das Imagine, Im Fluss und Em Bebbi sy Jazz.
Die Schwelle von 30'000 Franken wurde bewusst gewählt. Sie soll jene Festivals berücksichtigen, die eine gewisse Grösse erreicht haben und für ihre Organisation eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre benötigen. Die Motion beauftragt den Regierungsrat, die Verordnung so anzupassen, dass Festivals, die über 30'000 CHF erhalten und mindestens drei Mal stattgefunden haben, Gelder für zwei Ausgaben erhalten können.
Positive Resonanz von Veranstaltern
Die Vorschläge stossen bei den Festivalveranstaltern auf grosse Zustimmung. Pascal Degen, Leiter von Em Bebbi sy Jazz, sieht vor allem administrative Vorteile. «Wenn wir die Anträge für den Swisslosfonds nur alle zwei Jahre stellen müssten, wäre das schon eine grosse Erleichterung für unser Team, da wir alle ehrenamtlich arbeiten», sagt er. Die Swisslos-Gelder machen 20 Prozent des Gesamtbudgets seines Festivals aus.
Auch das Jugendkulturfestival (JKF), das regelmässig über 150'000 Franken erhält, würde von mehr Planungssicherheit profitieren. Laurin Hoppler, Co-Vorstandspräsident des JKF, betont die Notwendigkeit, den administrativen Aufwand gering zu halten. «Wir hoffen, dass es nicht viel mehr Administration bedeutet und wir beispielsweise aufwändige Reportings machen müssen», so Hoppler. Die Kommunikation mit dem Kanton sei bisher offen und effizient gewesen, was er sich auch für die Zukunft wünscht.
«Wir stellen jeweils eine Geschäftsleitung für zwei Jahre ein, wissen aber immer erst ungefähr ein halbes Jahr vor dem Festival, ob es überhaupt stattfinden wird. Da wäre eine Absicherung für zwei Ausgaben sehr hilfreich.»
Laurin Hoppler, Co-Vorstandspräsident JKF
Selina Catania, Geschäftsführerin des BScene, sieht ebenfalls grosse Vorteile in einer mehrjährigen Finanzierung. Sie würde eine strategische Planung über mehrere Jahre ermöglichen und die finanzielle Unsicherheit vor jeder Ausgabe deutlich reduzieren. Die Konzeption des nächsten Festivals beginnt oft schon Wochen nach dem Ende des vorherigen und ist stark vom Budget abhängig. Daher ist Planungssicherheit entscheidend für die Grösse, Ausrichtung und Qualität des Programms.
Paloma Selma, Leiterin des Tanzfest Region Basel, unterstreicht die direkten Auswirkungen auf die Qualität des Programms, die Stabilität des Teams und einen verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Mitteln. Eine gesicherte Finanzierung ermöglicht es den Organisatoren, langfristige Visionen zu entwickeln und umzusetzen.
Wandel ermöglichen und kleinere Festivals nicht vergessen
Jo Vergeat ist überzeugt, dass eine Förderperiode von zwei Ausgaben das richtige Mass ist. Sie gibt den Festivals die nötige Sicherheit, bindet den Kanton aber nicht zu lange. «Die Festivallandschaft muss sich auch verändern dürfen», erklärt sie. Dies ermöglicht Flexibilität und Anpassung an neue Entwicklungen.
Was ist mit den kleineren Festivals, die weniger als 30'000 Franken erhalten? Vergeat betont, dass diese keinesfalls durchs Raster fallen dürfen. «Es ist wichtig, dass diese weiterhin gefördert werden, gehören doch gerade die Kleinen zu einer vielfältigen Kulturlandschaft», sagt sie. Die Schwelle von 30'000 Franken sei auch nicht in Stein gemeisselt, sondern ein Diskussionsvorschlag.
Die Motion ist ein Versuch, die Festivallandschaft zu unterstützen, ohne mehr Geld zu fordern. Sie fokussiert auf eine effizientere Verteilung und bessere Planbarkeit der bestehenden Mittel. Vergeat räumt ein, dass die Einnahmen, die durch ausbleibende Besucher verloren gehen, nicht durch diese Massnahme aufgefangen werden können. «Es braucht natürlich auch eine Nachfrage», sagt die Grossrätin. Sie bleibt jedoch zuversichtlich, dass die Baslerinnen und Basler weiterhin gerne ausgehen und ihre Festivals besuchen werden.





