Die geplante Buchlesung des Psychiaters Frank Urbaniok in der Basler Orell Füssli-Filiale wurde kurzfristig abgesagt. Grund dafür ist ein im Internet veröffentlichter Aufruf zu einer Störaktion, der Sicherheitsbedenken auslöste. Die Veranstaltung sollte am 20. November 2025 stattfinden und Urbanioks migrationskritisches Buch vorstellen.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmenden Spannungen im öffentlichen Diskurs und die Herausforderungen für Veranstalter, die Sicherheit von Autoren und Publikum zu gewährleisten, wenn kontroverse Themen behandelt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Absage aus Sicherheitsgründen: Orell Füssli hat die Lesung mit Frank Urbaniok abgesagt, nachdem online zu Protesten und Störungen aufgerufen wurde.
- Kontroverses Thema: Urbanioks Buch behandelt das Thema Migration aus einer kritischen Perspektive, was zu polarisierten Reaktionen führt.
- Debatte um Meinungsfreiheit: Der Vorfall entfacht eine Diskussion über die Grenzen der Meinungsfreiheit und den Umgang mit kontroversen Standpunkten im öffentlichen Raum.
- Keine Stellungnahme der Organisatoren: Bislang hat sich Orell Füssli nicht detailliert zu den Hintergründen des Aufrufs oder den spezifischen Sicherheitsmassnahmen geäussert.
Sicherheitsbedenken führen zur Absage
Die Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen, fiel, nachdem die Organisatoren von einem Aufruf Kenntnis erlangten, der in sozialen Netzwerken und auf einschlägigen Plattformen verbreitet wurde. In diesem Aufruf wurde dazu mobilisiert, die Lesung in der Filiale an der Freien Strasse aktiv zu stören. Angesichts der unklaren Lage und der potenziellen Gefahr für Mitarbeiter, den Autor und die Besucher sah sich die Buchhandlung gezwungen, die Veranstaltung präventiv abzusagen.
Ein Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt bestätigte auf Anfrage, dass man über die Situation informiert sei, wollte sich jedoch nicht zu laufenden Bewertungen oder spezifischen Drohungen äussern. Es ist gängige Praxis, dass bei öffentlichen Veranstaltungen mit Konfliktpotenzial eine Sicherheitsanalyse durchgeführt wird.
Der Autor und sein Werk
Frank Urbaniok ist ein bekannter forensischer Psychiater in der Schweiz. Er leitete lange Zeit den Psychiatrisch-Psychologischen Dienst im Zürcher Justizvollzug und hat sich einen Namen durch seine Arbeit mit Straftätern gemacht. Seine öffentlichen Äusserungen und Publikationen zu Themen wie Kriminalität, Migration und Gesellschaftspolitik sind oft Gegenstand heftiger Debatten.
Sein neuestes Buch, das in Basel vorgestellt werden sollte, analysiert gesellschaftliche Entwicklungen im Zusammenhang mit Migration und äussert dabei Thesen, die von Kritikern als provokativ und polarisierend eingestuft werden. Befürworter hingegen sehen in seinen Analysen einen wichtigen Beitrag zu einer Debatte, die ihrer Meinung nach oft zu einseitig geführt wird.
Kontext: Polarisierung im öffentlichen Diskurs
Die Absage der Lesung in Basel ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren kam es in der Schweiz und im Ausland immer wieder zu ähnlichen Vorfällen, bei denen Veranstaltungen mit kontroversen Persönlichkeiten nach Protestandrohungen oder Sicherheitsbedenken abgesagt wurden. Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Debattenkultur und zur Rolle des öffentlichen Raums als Ort des Austauschs unterschiedlicher Meinungen auf.
Die Rolle der Meinungsfreiheit
Die Absage hat umgehend eine Debatte über die Meinungsfreiheit ausgelöst. Verschiedene Akteure aus Politik und Gesellschaft äusserten sich zu dem Vorfall. Während die einen die Entscheidung von Orell Füssli als verantwortungsvoll zum Schutz aller Beteiligten loben, sehen andere darin ein besorgniserregendes Zeichen.
Kritiker der Absage argumentieren, dass dem Druck von Aktivisten nachgegeben wurde. Sie befürchten einen sogenannten „Heckler's Veto“, bei dem eine lautstarke Minderheit durch die Androhung von Störungen unliebsame Meinungen aus dem öffentlichen Diskurs verdrängen kann. Dies untergrabe die Grundlagen einer offenen und pluralistischen Gesellschaft, in der auch unbequeme Positionen diskutiert werden müssen.
„Wenn wir zulassen, dass die Androhung von Krawall darüber entscheidet, welche Bücher vorgestellt werden dürfen und welche nicht, überlassen wir den öffentlichen Raum denjenigen, die am lautesten schreien“, kommentierte ein lokaler Politiker die Ereignisse.
Auf der anderen Seite betonen Stimmen, dass die Sicherheit oberste Priorität haben müsse. Ein Veranstalter trage die Verantwortung für das Wohlergehen seiner Gäste und Mitarbeiter. Wenn diese nicht mehr gewährleistet werden könne, sei eine Absage die einzig logische Konsequenz. Es gehe nicht primär um die Unterdrückung einer Meinung, sondern um die Abwendung einer konkreten Gefahr.
Reaktionen und Ausblick
Die Reaktionen auf die Absage fallen gespalten aus. In den sozialen Medien reicht die Bandbreite von Zustimmung und Verständnis für die Sicherheitsmassnahme bis hin zu scharfer Kritik und Vorwürfen der Zensur. Viele Nutzer bedauern, dass ein sachlicher Dialog über ein wichtiges Thema auf diese Weise verhindert wird.
Frank Urbaniok selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu der Absage in Basel geäussert. Es bleibt abzuwarten, ob die Lesung an einem anderen Ort oder in einem anderen Format nachgeholt wird. Der Vorfall wird jedoch mit Sicherheit die Diskussion darüber weiter befeuern, wie die Gesellschaft mit kontroversen Themen umgehen und gleichzeitig die freie Meinungsäusserung und die öffentliche Sicherheit schützen kann.
Veranstaltungsabsagen in der Schweiz
Obwohl genaue Statistiken fehlen, berichten Medien in den letzten fünf Jahren vermehrt über die Absage oder Verschiebung von Podiumsdiskussionen, Lesungen und Vorträgen aufgrund von Sicherheitsbedenken. Betroffen sind Veranstaltungen aus dem gesamten politischen Spektrum. Oftmals sind es nicht die Inhalte selbst, sondern die befürchteten Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern, die zu einer Absage führen.
Für Buchhandlungen und Kulturveranstalter stellt diese Entwicklung eine wachsende Herausforderung dar. Sie müssen abwägen zwischen ihrem Auftrag, eine Plattform für den gesellschaftlichen Diskurs zu bieten, und ihrer Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Ohne klare Strategien und die Unterstützung der Behörden könnte es in Zukunft noch schwieriger werden, Räume für kontroverse, aber notwendige Debatten zu schaffen.





