Professorin Fiona Doetsch vom Biozentrum der Universität Basel erhält den renommierten Louis-Jeantet-Preis für Medizin 2026. Sie wird für ihre bahnbrechenden Entdeckungen im Bereich der neuronalen Stammzellen im erwachsenen Säugetiergehirn ausgezeichnet. Diese Forschung zeigt, wie das Gehirn lebenslang anpassungsfähig bleibt.
Wichtige Erkenntnisse
- Fiona Doetsch erhält den Louis-Jeantet-Preis für Medizin 2026.
- Sie forscht an neuronalen Stammzellen im erwachsenen Gehirn.
- Ihre Arbeit zeigt die lebenslange Anpassungsfähigkeit des Gehirns.
- Der Preis ist mit 500'000 Schweizer Franken dotiert.
- Die Forschung eröffnet neue Wege für Gehirnreparatur und Regeneration.
Einblick in die Gehirnplastizität
Die Forschung von Professorin Doetsch hat unser Verständnis des Gehirns grundlegend verändert. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Bildung neuer Neuronen bei Säugetieren kurz nach der Geburt endet. Doetsch identifizierte jedoch neuronale Stammzellen, die auch im erwachsenen Gehirn aktiv sind und sich an unterschiedliche physiologische Zustände anpassen können.
Diese Stammzellen tragen entscheidend zur Plastizität des adulten Gehirns bei. Sie ermöglichen es dem Gehirn, flexibel auf innere und äussere Signale zu reagieren. Dies ist ein Hinweis auf eine bisher unterschätzte Fähigkeit zur Anpassung.
Faktencheck: Louis-Jeantet-Preis
- Jährlich werden zwei Preise vergeben: Louis-Jeantet-Preis für biomedizinische Forschung und Collen-Jeantet-Preis für translationale Medizin.
- Jeder Preis ist mit 500'000 Schweizer Franken dotiert.
- Die Stiftung wurde 1986 gegründet.
- Mehr als 100 Wissenschaftler wurden bisher ausgezeichnet, darunter mehrere spätere Nobelpreisträger.
Die Rolle der Stammzellen im adulten Gehirn
Die meisten neuronalen Stammzellen im erwachsenen Gehirn befinden sich in einem Ruhezustand. Sie sind jedoch äusserst sensibel für Signale aus ihrer Umgebung. Doetschs Forschungsgruppe hat ein komplexes Netzwerk von Kontrollmechanismen entschlüsselt.
Diese Mechanismen reichen von molekularen Signalwegen innerhalb der Zellen bis hin zu externen Einflüssen. Dazu gehören Signale von Blutgefässen, der Gehirnflüssigkeit und sogar von weit entfernten neuronalen Schaltkreisen. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für das Verständnis der Gehirnfunktion.
„Die Entdeckungen von Doetsch haben grundlegend das Verständnis über die Plastizität des adulten Gehirns verändert und eröffnen neue Perspektiven für die Biologie und Medizin.“
Dynamische Anpassung an Lebensphasen
Ein bemerkenswerter Aspekt der Forschung ist, dass verschiedene Stammzellpools je nach Situation selektiv aktiviert werden können. Dies geschieht zum Beispiel während der Schwangerschaft, bei Hunger oder Sättigung oder als Reaktion auf Gewebsschäden. Jeder Pool erzeugt dabei ein spezifisches Set an Neuronen oder Gliazellen.
Diese kontextspezifische Anpassung ermöglicht es dem Gehirn, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen zu reagieren. Es ist ein Beweis für die erstaunliche Fähigkeit des Gehirns, sich im Laufe des Lebens immer wieder neu zu organisieren und zu lernen.
Hintergrund: Fiona Doetschs Werdegang
Fiona Doetsch erwarb ihren Bachelor an der McGill University in Montreal, Kanada. Ihre Promotion absolvierte sie an der Rockefeller University in New York, USA. Sie war Junior Fellow an der Harvard University und Fellow am Radcliffe Institute.
Im Jahr 2003 wechselte sie als Professorin an die Columbia University. Seit 2014 ist sie Professorin für Molekulare Stammzellbiologie am Biozentrum der Universität Basel. Ihr Weg zeigt eine beeindruckende internationale Karriere in der Spitzenforschung.
Bedeutung für die Medizin der Zukunft
Die Entdeckungen von Fiona Doetsch haben weitreichende Implikationen für die Medizin. Sie eröffnen neue Wege für die Behandlung neurologischer Erkrankungen und Verletzungen. Insbesondere könnten sie die Entwicklung von Therapien zur Gehirnreparatur und Regeneration vorantreiben.
Die Möglichkeit, die Bildung spezifischer Neuronen und Gliazellen gezielt zu steuern, könnte in Zukunft dazu beitragen, geschädigtes Hirngewebe zu ersetzen oder dessen Funktion wiederherzustellen. Dies ist ein grosser Schritt in Richtung personalisierter Medizin im Bereich der Neurowissenschaften.
Die Louis-Jeantet-Stiftung und ihre Mission
Die Louis-Jeantet-Stiftung mit Sitz in Genf hat sich der Förderung der biomedizinischen Forschung in Europa verschrieben. Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 hat sie über 100 herausragende Wissenschaftler ausgezeichnet.
Die Stiftung trägt massgeblich dazu bei, dass wichtige Forschungsarbeiten finanziert und anerkannt werden. Viele der Preisträger haben später den Nobelpreis erhalten, was die Bedeutung dieser Auszeichnung unterstreicht. Die Preisverleihung für 2026 findet am Mittwoch, 22. April, in Genf statt.
Ausblick auf weitere Forschung
Mit dem Preisgeld von 500'000 Schweizer Franken kann Professorin Doetsch ihre Forschung weiter vertiefen. Dies ermöglicht es ihr, neue Fragestellungen zu verfolgen und die komplexen Mechanismen der Gehirnplastizität noch genauer zu entschlüsseln. Die Forschung an neuronalen Stammzellen ist ein Feld mit enormem Potenzial.
Die Erkenntnisse aus Basel werden voraussichtlich weitere Impulse für die internationale Neurowissenschaft geben. Sie könnten dazu beitragen, die Geheimnisse des menschlichen Gehirns weiter zu lüften und neue Therapien für bisher unheilbare Krankheiten zu entwickeln.





