Für den 21-jährigen Torhüter Tim Spycher schloss sich vor wenigen Wochen ein Kreis. Mit seinem neuen Verein, dem FC Thun, feierte er ausgerechnet im St. Jakob-Park gegen seinen Jugendklub FC Basel sein Debüt in der Super League – ein hochemotionaler Moment auf einem Karriereweg, der von bewussten Umwegen und dem unbedingten Willen zur Weiterentwicklung geprägt ist.
Die wichtigsten Stationen
- Spycher durchlief ab dem elften Lebensjahr alle Nachwuchsstufen beim FC Basel.
- Wichtige Spielpraxis sammelte er durch Leihen in der Challenge League bei Yverdon Sport und dem FC Baden.
- Ein entscheidender Karriereschritt war der feste Wechsel zum FC Thun, um sich als Stammtorhüter zu etablieren.
- Sein Super-League-Debüt für Thun gab er bei einem 2:1-Sieg gegen den FC Basel.
Die prägende Zeit beim FC Basel
Tim Spychers Verbindung zum FC Basel ist tief. Bereits im Alter von elf Jahren wechselte der talentierte Torhüter vom FC Wohlen in die renommierte Nachwuchsabteilung am Rheinknie. Dieser Schritt erforderte auch von seiner Familie grosse Opfer; seine Mutter zog mit ihm von Meisterschwanden erst nach Rheinfelden und später nach Reinach, um den Traum vom Profifussball zu unterstützen.
Spycher durchlief sämtliche Juniorenteams des FCB. Sein Weg war jedoch nicht immer geradlinig. Parallel zum Sport besuchte er die Sportschule in Muttenz, musste diese aber nach einem Jahr wieder verlassen und auf eine reguläre Schule zurückkehren. Trotzdem ermöglichte ihm der Verein, weiterhin am Morgentraining teilzunehmen. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine KV-Ausbildung bei Novartis in Basel.
Ein unvergesslicher Titel
Obwohl er mit seinem Jahrgang kaum Titel gewann, bleibt ein Erfolg besonders in Erinnerung: Der Sieg beim Blue Stars/FIFA Youth Cup in Zürich. Im Final kam es zum Penaltyschiessen, bei dem Spycher den entscheidenden Elfmeter hielt – ein riesiges Highlight vor seinem Schritt in die U21.
Der erste Profivertrag
In der Saison 2021/22 rückte Spycher als Torhüter der U21 näher an die erste Mannschaft heran. Unter der Anleitung von Torhütertrainer Massimo Colomba trainierte er regelmässig mit den Profis und reiste sogar zu Spielen der Conference League mit. Diese Entwicklung mündete im Mai 2022 in der Unterzeichnung seines ersten Profivertrags beim FC Basel.
Lehrjahre in der Challenge League
Kurz nach der Vertragsunterzeichnung wurde klar, dass Spychers Entwicklung vor allem eines benötigte: Spielpraxis auf hohem Niveau. Der FCB hatte einen klaren Plan für sein junges Talent. "Das Ziel war es, mich möglichst schnell ins Profigeschäft einzubringen, um Spielpraxis zu sammeln", erklärt Spycher die damalige Strategie.
Im Alter von 18 Jahren folgte der erste Schritt: eine Leihe zum Yverdon Sport FC in die Challenge League. Der Wechsel in die Westschweiz war eine vielseitige Herausforderung, insbesondere die Kommunikation auf Französisch. In Yverdon traf er auf Trainer Marco Schällibaum, den er bereits aus seiner Zeit in Basel kannte. Die Beziehung war von Vertrauen geprägt, was dem jungen Torhüter half, sich zurechtzufinden. Am Ende der Saison stieg Yverdon in die Super League auf, und Spycher hatte seine ersten drei Profieinsätze absolviert.
Ein Jahr als Nummer Eins
Nach der erfolgreichen Zeit in Yverdon kehrte Spycher mit einer weiteren Leihe zum FC Baden in seine Heimatregion zurück. Obwohl der Verein am Ende abstieg, war die Saison für ihn persönlich ein grosser Erfolg. Als 19-Jähriger bestritt er seine erste komplette Saison als unumstrittene Nummer eins in der Challenge League.
"Ich habe die ganze Saison durchgespielt auf einem Niveau, das in dem Alter für mich super war. Ich durfte mit Fehlern umgehen, auch mit Fehlern, die ich mehrmals machte, und auch mit dem Erfolg, den wir hatten. Das hat mich extrem entwickelt", so Spycher über die wichtige Zeit in Baden.
Der bewusste Schritt nach Thun
Nach weiteren Stationen, darunter eine kurze Leihe zum FC Stade Nyonnais und eine Rückkehr nach Basel, stand Spycher vor einer wichtigen Entscheidung. Beim FC Basel war die Konkurrenz auf der Torhüterposition gross. "Beim FC Basel hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mehr weiterkomme. Es gab wie keinen Platz mehr für mich, wir waren vier Torhüter", erläutert er seine Beweggründe.
Als der FC Thun aufgrund einer Verletzung von Torhüter Nino Ziswiler anklopfte, zögerte Spycher nicht. Er sah die Chance, sich bei einem ambitionierten Verein langfristig zu etablieren. "Sie haben einen Torhüter gesucht, um ihn aufzubauen und langfristig mit ihm zusammenzuarbeiten. Das hat für sie und mich super gestimmt", sagt der Winterneuzugang.
Emotionale Rückkehr und klare Zukunftspläne
Das Schicksal wollte es, dass Spychers Debüt für Thun ausgerechnet im St. Jakob-Park stattfand. Beim Stand von 1:1 wurde er in der Schlussphase eingewechselt – direkt vor der Muttenzerkurve, wo er jahrelang als Balljunge gestanden hatte. Thun gewann das Spiel mit 2:1. "Dass es direkt vor der Muttenzerkurve war, macht es umso spezieller. Und dann haben wir auch noch gewonnen - besser hätte ich es selbst nicht schreiben können", beschreibt er den für ihn perfekten Einstand.
Aktuell ist die Hierarchie beim Tabellenführer der Challenge League klar: Spycher ist die Nummer zwei hinter Niklas Steffen. Doch seine Ambitionen sind deutlich. Die Erfahrungen, die er in der Challenge League gesammelt hat, sollen ihm helfen, sich schnellstmöglich einen Stammplatz zu erkämpfen. Sein Weg vom FC Meisterschwanden über Basel und diverse Leihstationen bis nach Thun zeigt einen jungen Profi, der weiss, was er will – und bereit ist, dafür die notwendigen Schritte zu gehen.





