Der Schweizer Hosting-Provider Webland, der über 75'000 Domains betreut, steht seit Wochen vor massiven technischen Herausforderungen. Kunden berichten von unterbrochenem Mailverkehr und nicht zustellbaren Online-Aufträgen. Diese anhaltenden Schwierigkeiten kulminierten kürzlich in einem Totalausfall, der viele Unternehmen in ihrer täglichen Arbeit stark beeinträchtigte.
Wichtige Punkte
- Webland-Kunden erleben seit Wochen technische Störungen, insbesondere im Mailverkehr.
- Die Kommunikation des Unternehmens während der Krise wird als unzureichend kritisiert.
- Ein Totalausfall am 10. Dezember legte zahlreiche Domains lahm.
- Einige Kunden erwägen den Wechsel zu Konkurrenzanbietern.
- Die Probleme sind laut Mutterkonzern Miss Group hardwarebedingt.
Anhaltende Störungen und ein Totalabsturz
Seit Mitte November berichten Webland-Kunden von wiederkehrenden technischen Problemen. Besonders der Mailverkehr war betroffen, was für viele Unternehmen existenzielle Folgen hatte. Christoph Probst, Inhaber eines KMU in der Eventbranche, schildert die Situation als dramatisch. «Uns wurde von einigen Lieferanten sogar das Kundenkonto gesperrt, weil wir nicht auf ihre Mails antworten konnten», sagt der 48-Jährige. Für seine Branche ist ein funktionierender Mailverkehr absolut entscheidend.
Die Schwierigkeiten erstreckten sich auch auf andere Bereiche. Online-Aufträge kamen nicht durch, und Rechnungen versandeten im digitalen Nirwana. Die Ursache für diese anhaltenden Probleme liegt laut Angaben des schwedischen Mutterkonzerns Miss Group in hardwarebedingten Umstellungen. Kundendaten wurden auf neue Systeme migriert, was zu den Störungen führte.
Faktencheck Webland
- Über 75'000 Domains: Webland ist einer der grössten Hosting-Provider der Schweiz.
- Kundenportfolio: Zu den Kunden gehören namhafte Institutionen wie die ZHAW und das Airportcasino Basel.
- Mutterkonzern: Webland gehört zur schwedischen Miss Group.
Mangelnde Kommunikation verschärft die Krise
Neben den technischen Ausfällen beklagen Kunden vor allem die schlechte Kommunikation seitens Webland. Telefonisch war das Unternehmen oft nicht erreichbar. E-Mail-Anfragen wurden häufig mit standardisierten Antworten abgetan, die keine konkreten Lösungen boten. «Die Kommunikation war so miserabel, das lässt sich gar nicht beschreiben», betont Christoph Probst. Er fühlte sich und sein Unternehmen im Stich gelassen.
«Webland hat null reagiert. Nicht auf E-Mails, nicht auf Anrufe, einfach auf gar nichts. Wir wurden total im Stich gelassen.»
Diese mangelnde Transparenz und Erreichbarkeit trug massgeblich zur Frustration der Kunden bei. Viele, die Webland über Jahre die Treue gehalten hatten, verloren schliesslich die Geduld. Ein kleineres IT-Unternehmen aus Lausen BL, das in direkter Konkurrenz zu Webland steht, bestätigt die wachsende Unzufriedenheit. David Buser, Inhaber des IT-Unternehmens, berichtet von vermehrten Anfragen seitens Webland-Kunden, die über einen Wechsel nachdenken.
Der Tag des Totalabsturzes
Nach einer kurzen Phase der scheinbaren Stabilisierung Anfang Dezember kam es am 10. Dezember zum schwerwiegendsten Vorfall: einem Totalausfall. Ein Stromausfall in einem Basler Rechenzentrum, in dem Webland eingemietet ist, legte die Systeme des Providers und damit auch die Websites und Dienste seiner Kunden für mehrere Stunden komplett lahm. Für Unternehmen, die auf eine durchgehende Online-Präsenz angewiesen sind, bedeutete dies erhebliche Umsatzeinbussen und Arbeitsausfälle.
Der Mutterkonzern Miss Group versichert, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um die Probleme schnellstmöglich zu beheben. Es wurden bereits neue Systeme und sogenannte Failover-Lösungen implementiert, um zukünftige Vorfälle dieser Art zu verhindern. Eine konkrete Aussage zur Entschädigung betroffener Unternehmen blieb jedoch aus.
Hintergrund: Hosting-Provider
Ein Hosting-Provider stellt Speicherplatz und Rechenleistung für Websites und E-Mail-Dienste zur Verfügung. Er sorgt dafür, dass Webseiten im Internet erreichbar sind und der digitale Datenverkehr reibungslos funktioniert. Für Unternehmen sind zuverlässige Hosting-Dienste entscheidend für ihre Online-Präsenz und Kommunikation.
Konkurrenz profitiert von der Situation
Die anhaltenden Probleme bei Webland führen dazu, dass sich einige Kunden nach Alternativen umsehen. David Buser, der mit seinem IT-Unternehmen in Lausen BL tätig ist, beobachtet dies direkt. Er geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere Kunden ihren Hosting-Provider wechseln werden. Trotz dieser Entwicklung sieht Buser die Situation nicht mit Schadenfreude. Er betont, dass in der Informatikbranche generell genug Arbeit vorhanden sei.
Für viele betroffene KMU ist der Wechsel des Providers jedoch mit Aufwand und potenziellen Risiken verbunden. Die Migration von Daten und Diensten erfordert sorgfältige Planung und technisches Know-how. Dies erhöht den Druck auf Webland, die Situation schnell und nachhaltig zu stabilisieren, um das Vertrauen seiner langjährigen Kunden zurückzugewinnen.
Die Vorfälle verdeutlichen die kritische Abhängigkeit vieler Unternehmen von stabilen und zuverlässigen IT-Dienstleistungen. Ein Ausfall kann weitreichende Folgen haben, von finanziellen Verlusten bis hin zu Reputationsschäden. Die Erwartung an Hosting-Provider ist daher hoch: Sie müssen nicht nur technische Stabilität gewährleisten, sondern auch eine transparente und effektive Krisenkommunikation bieten.
Ausblick für Webland und seine Kunden
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Webland die technischen Probleme dauerhaft in den Griff bekommt und das Vertrauen der Kunden wiederherstellen kann. Die Einführung neuer Systeme und Failover-Lösungen ist ein wichtiger Schritt, doch die Qualität des Supports und die Kommunikationsstrategie werden entscheidend sein. Für die über 75'000 Domains, die Webland betreut, ist eine schnelle und nachhaltige Lösung von grösster Bedeutung, um weitere Abwanderungen zu verhindern und die Geschäftskontinuität sicherzustellen.
- Kurzfristige Massnahmen: Stabilisierung der Systeme, Verbesserung des Supports.
- Langfristige Ziele: Wiederherstellung des Kundenvertrauens, Prävention zukünftiger Ausfälle.
- Kundenreaktion: Viele Kunden prüfen derzeit alternative Anbieter.





