In Birsfelden BL zeigt das neue Verkehrssystem Wirkung. Seit der Einführung im September 2025 hat sich der Durchgangsverkehr in den Quartierstrassen um durchschnittlich 25 Prozent reduziert. Dies bestätigte Gemeinderätin Desirée Jaun kürzlich und legte damit erstmals konkrete Zahlen vor.
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Verkehr in Birsfelder Quartieren sank um 25 Prozent.
- 29'000 Bussen wurden seit September 2025 ausgestellt.
- Die täglichen Bussen sind von 1000 auf 70 gesunken.
- Die Gemeindeverwaltung war durch den Ansturm überfordert.
- Zehn Fälle liegen nun bei der Staatsanwaltschaft.
Erfolg des neuen Verkehrssystems
Die Automatische Durchfahrtskontrolle (ADK) in Birsfelden hat zu einer deutlichen Entlastung der Quartierstrassen geführt. Anwohner und die Gemeinde hatten sich lange über den hohen Durchgangsverkehr beschwert. Das System wurde eingeführt, um Autofahrer davon abzuhalten, die Wohngebiete als Abkürzung zu nutzen.
Gemeinderätin Desirée Jaun zeigte sich zufrieden mit den ersten Resultaten. Die Reduktion des Verkehrs um ein Viertel sei ein wichtiger Schritt. Die Gemeinde hatte von Beginn an betont, dass es ihr Ziel sei, die Lebensqualität in den Quartieren zu verbessern, nicht Einnahmen zu generieren.
Faktencheck: Bussenentwicklung
- Start (September 2025): Rund 1000 Bussen täglich.
- Anfang Oktober: Etwa 450 Bussen täglich.
- Ende Oktober: 167 Bussen täglich.
- Aktuell: Rund 70 Bussen täglich.
Funktionsweise der Automatischen Durchfahrtskontrolle
Das ADK-System nutzt Kameras, um Kontrollschilder von Fahrzeugen zu erfassen, die in die überwachten Quartierstrassen einfahren und diese wieder verlassen. Wenn ein Fahrzeug das Gebiet innerhalb von weniger als 15 Minuten durchquert, wird dies als verbotene Durchfahrt gewertet. Ausnahmen gelten für Anwohner und Personen, die beruflich in den Quartieren unterwegs sind.
Die Technologie ermöglicht eine präzise Überwachung. Sie unterscheidet zwischen berechtigten Fahrten und unerlaubten Abkürzungen. Dies war entscheidend für die Akzeptanz des Systems, da es die lokale Bevölkerung nicht beeinträchtigt.
Hintergrund der Massnahme
Birsfelden litt seit Jahren unter hohem Durchgangsverkehr. Viele Autofahrer nutzten die Quartierstrassen, um Staus auf Hauptverkehrsachsen zu umfahren. Dies führte zu Lärm, Abgasen und einer erhöhten Gefahr für Fussgänger und Velofahrer in den Wohngebieten. Die Gemeinde suchte nach einer effektiven Lösung, um die Sicherheit und Lebensqualität zu verbessern.
Herausforderungen für die Verwaltung
Die Einführung des Systems war nicht ohne Schwierigkeiten. Seit dem 1. September 2025 wurden insgesamt 29'000 Durchfahrtsbussen ausgestellt. Davon sind bereits 62 Prozent bezahlt worden. Die schiere Menge an Bussen überforderte die Gemeindeverwaltung. Gemeindeverwalter Martin Schürmann beschrieb die Situation als "nacktes Chaos".
"Es herrschte das nackte Chaos auf der Verwaltung", so Martin Schürmann. "Wir mussten Zusatzpersonal anstellen."
Die Gemeinde hatte ursprünglich mit nur 20 bis 25 Bussen pro Tag gerechnet. In den Spitzenzeiten wurden jedoch bis zu 2000 Bussen täglich ausgestellt. Zahlreiche gebüsste Personen suchten persönlich die Verwaltung auf, um Erklärungen abzugeben und Einspruch einzulegen. In den meisten Fällen blieben die Bussen bestehen.
Rechtliche Prüfung und Ausblick
Zehn Personen haben ihre Busse nicht akzeptiert. Ihre Fälle liegen nun bei der Staatsanwaltschaft. Gemeinderätin Desirée Jaun blickt dem gelassen entgegen. Sie betont, dass das System vor der Einführung umfassend rechtlich geprüft wurde. Dies soll die Rechtmässigkeit der Massnahme sicherstellen.
Trotz der anfänglichen Herausforderungen ist Birsfelden mit dem Ergebnis zufrieden. Die Anzahl der täglichen Bussen ist von anfangs 1000 auf aktuell etwa 70 gesunken. Dies deutet darauf hin, dass sich die Autofahrer zunehmend an die neuen Regeln halten. Das System hat sich als effektiv erwiesen, um den unerwünschten Durchgangsverkehr zu reduzieren und die Quartiere zu entlasten.
Die Gemeinde plant, die Situation weiterhin genau zu beobachten. Ziel bleibt es, die Quartiere nachhaltig vom Verkehr zu befreien und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Die Erfahrungen in Birsfelden könnten auch für andere Gemeinden in der Schweiz von Interesse sein, die ähnliche Verkehrsprobleme haben.





