Die kurvenreiche Gempenstrasse, eine beliebte Route für Motorradfahrer und Autofahrer im Solothurner Jura, entwickelt sich zunehmend zu einem Brennpunkt für Lärm und gefährliche Raserei. Anwohner berichten von einer spürbaren Verschlechterung der Lebensqualität und ernsthaften Sicherheitsbedenken. Nun ergreifen die Dorfbewohner von Gempen selbst die Initiative, um die Situation zu entschärfen, da politische Massnahmen bisher nicht ausreichten.
Wichtige Punkte
- Die Gempenstrasse ist ein Hotspot für Raserei und schwere Unfälle.
- Politische Vorstösse für strengere Tempolimits scheiterten bisher.
- Anwohner organisieren sich und setzen auf "weiche" Ansätze zur Problemlösung.
- Die Polizei registrierte in den letzten zehn Jahren 7 bis 15 Unfälle jährlich.
- Geplante Signalisierungs- und Markierungsmassnahmen ab 2026 sind den Bewohnern zu langsam.
Gefährliche Zustände auf beliebter Strecke
Die Gempenstrasse, die Dornach im Kanton Solothurn mit Gempen verbindet und an der Grenze zum Baselbiet liegt, ist bekannt für ihre malerischen Kurven. Diese Attraktivität zieht jedoch nicht nur Ausflügler an, sondern auch eine wachsende Zahl von Rasern. Besonders an sonnigen Tagen häufen sich die Vorfälle.
Die Statistik der Kantonspolizei Solothurn unterstreicht die Dringlichkeit der Lage: In den letzten zehn Jahren ereigneten sich auf dieser Strecke zwischen sieben und fünfzehn Verkehrsunfälle pro Jahr. Diese Zahlen zeigen ein konstantes Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer.
Faktencheck Gempenstrasse
- Unfälle pro Jahr: 7 bis 15 (letzte 10 Jahre)
- Bekannteste Vorfälle: Schwerer Velounfall (2019), zwei tödliche Autounfälle (2021), Raserin mit 110 km/h in 50er-Zone (2024)
- Anwohner-Initiative: "Wir Gempener"
Politik ringt um wirksame Lösungen
Die Problematik der Raserei auf der Gempenstrasse ist im Solothurner Kantonsrat bereits mehrfach thematisiert worden. Ein Vorstoss, der eine Senkung des Tempolimits von 80 auf 60 km/h forderte, fand jedoch keine Mehrheit. Diese Entscheidung stiess bei vielen Anwohnern auf Unverständnis.
Jacqueline Ehrsam, SVP-Politikerin aus Gempen, und Dorfbewohner Lorenzo Vasella sind die Initiatoren der aktuellen Bürgerbewegung. Sie betonen, dass ein strengeres Tempolimit allein möglicherweise nicht die gewünschte Wirkung erzielt, da es auch jene einschränken würde, die sich an die Regeln halten.
"Man kann nicht mehr nur von eingeschränkter Lebensqualität sprechen, es geht um ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko", erklären Jacqueline Ehrsam und Lorenzo Vasella die Situation. "Wir Gempener wollen die Strasse nutzen können – ohne das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden."
Die Auswirkungen der Corona-Zeit
Die Initiatoren beobachten seit einigen Jahren eine deutliche Verschlechterung der Situation, die sich während der Corona-Pandemie noch verstärkte. Viele Menschen suchten in dieser Zeit nach Freizeitmöglichkeiten im Freien und entdeckten die kurvenreiche Gempenstrasse für sich. Heute verabreden sich dort Poser und Motorradfahrer, um die Strecke mehrmals hoch- und runterzufahren.
Dies führt nicht nur zu Lärmbelästigung, sondern auch zu gefährlichen Manövern. Einige Anwohner meiden die Strasse an bestimmten Tagen aus Angst vor Unfällen. Dies zeigt, wie stark die Raserei den Alltag der Menschen beeinflusst.
Bürgerinitiative setzt auf Dialog und Diplomatie
Aus der Frustration über die schleppende politische Reaktion entstand die Initiative "Wir Gempener". Jacqueline Ehrsam und Lorenzo Vasella luden kürzlich zu einer Versammlung ein, an der rund 50 Einwohner teilnahmen. Gemeinsam diskutierten sie mögliche Massnahmen, wobei der Fokus auf "weichen" und diplomatischen Ansätzen liegt.
Die Gruppe will gezielt das Gespräch mit den Verursachern der Probleme suchen. Es geht darum, ein Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen und zu einem verantwortungsvolleren Verhalten aufzurufen. Provokationen oder Streit sind dabei ausdrücklich nicht das Ziel der Initiative.
Hintergrund der Anwohnerfrustration
In der Vergangenheit kam es aus Verzweiflung zu gefährlichen Einzelaktionen. Einige Anwohner haben beispielsweise Motorräder bewusst ausgebremst und Raser zur Rede gestellt. Solche Aktionen bergen jedoch ein hohes Risiko für die Beteiligten. Die neue Initiative will stattdessen auf organisierte und sichere Wege setzen.
Ausblick auf künftige Massnahmen
Die Solothurner Behörden haben immerhin erste Schritte angekündigt. Für das Frühjahr 2026 sind gezielte Signalisierungs- und Markierungsmassnahmen geplant. Dazu gehören eine "klarere Führung" der Strasse und eine "punktuelle Anpassung der Signalisation".
Diese geplanten Massnahmen sind den Gempenern jedoch nicht genug und kommen aus ihrer Sicht zu spät. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, da der Gesetzgeber zu langsam agiere und bisher keine wirklich wirkungsvollen Massnahmen ergriffen habe. Die Initiative "Wir Gempener" wird daher ihre Bemühungen fortsetzen, um die Sicherheit und Lebensqualität in Gempen zu verbessern.
- Kurzfristige Ziele: Sensibilisierung, Dialog mit Rasern.
- Langfristige Forderungen: Effektivere Geschwindigkeitskontrollen, bauliche Massnahmen zur Verkehrsberuhigung.
Die Dorfbewohner hoffen, durch ihr Engagement eine schnellere und nachhaltigere Lösung für das Problem der Raserei herbeiführen zu können.





