Die geplante S-Bahn-Haltestelle «Basel Neuallschwil» am Morgartenring soll ab Ende 2030 in Betrieb gehen. Sie verspricht eine verbesserte Anbindung für Allschwil und das Entwicklungsgebiet Bachgraben. Doch das Vorhaben birgt auch Konfliktpotenzial. Die Basler Parteien sehen darin grosse Chancen für die Stadtentwicklung, äussern aber auch Bedenken hinsichtlich bezahlbaren Wohnraums und der Verkehrsführung.
Wichtige Punkte
- Neue S-Bahn-Haltestelle «Basel Neuallschwil» soll 2030 starten.
- SP und Grüne fordern mehr bezahlbaren Wohnraum und gemeinnützigen Bau.
- FDP und LDP warnen vor Reduzierung der Autospuren am Morgartenring.
- Anbindung des Bachgrabens und Kompensation von Trockenwiesen sind zentrale Anliegen.
- Die Haltestelle soll Basel-West und Allschwil direkt an das Bahnnetz anbinden.
Die Vision: Bessere Anbindung für Basel-West und Allschwil
Die neue S-Bahn-Haltestelle am Morgartenring, die den Namen «Basel Neuallschwil» tragen wird, ist ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Region. Sie soll die Bahnverbindung zwischen St. Johann und Basel SBB stärken. Ab Ende 2030 sollen Züge dort halten, wodurch Allschwil einen direkten Anschluss an das Bahnnetz erhält.
Auch das Entwicklungsgebiet Bachgraben rückt durch die neue Haltestelle näher an die Schiene. Die Erschliessung des Gebiets über die Allschwilerstrasse ist vorgesehen. Das Entwicklungskonzept «Stadtraum Morgartenring» befasste sich mit der Integration der Haltestelle in das bestehende Siedlungsgebiet.
Faktencheck
- Inbetriebnahme: Geplant für Ende 2030.
- Standort: Am Morgartenring, zwischen St. Johann und Basel SBB.
- Kostenbeteiligung: Basel-Landschaft und Basel-Stadt teilen sich die Projektierungskosten von 750'000 Franken.
Soziale Gerechtigkeit und Wohnraum: Die Anliegen der Linken
Die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Grünen sehen in der Entwicklung rund um die neue Haltestelle Chancen, warnen aber gleichzeitig vor negativen sozialen Auswirkungen. Die SP befürchtet eine Gentrifizierung des Gebiets.
Die SP warnt vor den zu erwartenden negativen Folgen von Aufwertungs- und Verdichtungsprozessen: steigende Mieten, Bodenspekulation und Verdrängung der bestehenden Bevölkerung.
Deshalb fordert die SP verbindliche Vorgaben zur Sicherung von preisgünstigem Wohnraum. Ein deutlich höherer Anteil an gemeinnützigem Wohnungsbau in den Entwicklungsgebieten sei notwendig. Die Grünen teilen diese Sorge und betonen ebenfalls die Wichtigkeit sozialer Aspekte bei der Stadtentwicklung.
Fehlende Pläne für den Bachgraben
Sowohl die Grünen als auch die SP bemängeln, dass konkrete Pläne für den Anschluss des Entwicklungsgebietes Bachgraben an die neue Haltestelle fehlen. Sie fordern, dass diese Erschliessung prioritär behandelt wird. Eine mit Baselland abgestimmte Verkehrserschliessung mit Bus, Tram und Velowegen sei für diesen Entwicklungsschwerpunkt nicht ausreichend berücksichtigt.
Hintergrund: Das Entwicklungsgebiet Bachgraben
Das Bachgraben-Gebiet ist ein wichtiger Wirtschafts- und Forschungsstandort an der Grenze zu Allschwil. Es beherbergt zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Eine direkte und effiziente Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist entscheidend für seine weitere Entwicklung und Erreichbarkeit für Arbeitnehmer und Besucher.
Verkehrsfluss und Wirtschaft: Die Perspektive der Bürgerlichen
Die bürgerlichen Parteien, insbesondere die FDP und die LDP, legen ihren Fokus auf den Wirtschaftsverkehr und die Leistungsfähigkeit der bestehenden Infrastruktur. Sie fordern deutliche Nachbesserungen am Konzept.
Die FDP kritisiert, dass das Entwicklungskonzept den Wirtschaftsverkehr im Vergleich zu Aufenthaltsqualität und Freiraum zu wenig berücksichtige. Besonders kritisch sehen sie geplante Verkehrsflächenreduktionen am Morgartenring.
Die FDP fordert eine verbindliche Garantie, dass die heutige Leistungsfähigkeit des Morgartenrings mindestens erhalten bleibt. Eine Reduktion von Fahrspuren kommt nur infrage, wenn ein nachgewiesener Kapazitätsausgleich vorliegt.
Die LDP zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit der Stossrichtung der Vorlage, fordert aber Pragmatismus bei der Kompensation von Naturflächen. Sie teilen die Bedenken der FDP bezüglich des Verkehrsflusses.
Priorität für den Euro-Airport
Beide bürgerlichen Parteien betonen die Wichtigkeit der Bahnanbindung des Euro-Airports Basel-Mulhouse-Freiburg. Die FDP fordert, dass diese in der Gesamtverkehrsplanung weiterhin priorisiert wird und durch die neue Haltestelle «in keiner Weise» verzögert werden dürfe. Die Anbindung des Flughafens ist ein strategisches Projekt für die gesamte Region.
Naturschutz und Kompensation: Ein ökologisches Anliegen
Die Grünen fordern, dass die Trockenwiesen und Weiden entlang der Bahngleise, welche vom Bund als national bedeutsame Flächen eingestuft wurden, mindestens gleichwertig kompensiert werden. Dies ist ein wichtiger Punkt für den Erhalt der Biodiversität in der Region.
Die LDP fordert in diesem Punkt Pragmatismus, was auf unterschiedliche Ansichten über die Umsetzung von Umweltauflagen hindeutet. Der Ausgleich von Naturflächen ist oft ein schwieriger Balanceakt zwischen Entwicklung und Ökologie.
Fazit: Ein Projekt mit vielen Facetten
Die neue S-Bahn-Haltestelle «Basel Neuallschwil» ist ein Projekt von grosser Bedeutung für die Entwicklung der Region Basel. Sie verspricht eine bessere Anbindung und neue Möglichkeiten für Pendler und Unternehmen. Die öffentliche Vernehmlassung hat jedoch gezeigt, dass unterschiedliche Interessen und Prioritäten berücksichtigt werden müssen.
Die Sicherung von bezahlbarem Wohnraum, eine effektive Anbindung des Bachgrabens, der Erhalt der Verkehrsleistung am Morgartenring und der Schutz wertvoller Naturflächen sind zentrale Herausforderungen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie diese verschiedenen Anliegen in die endgültige Umsetzung des Projekts einfliessen.





