Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben die neuen Giruno-Züge auf der wichtigen Strecke Basel–Hamburg vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Grund sind technische Probleme bei tiefen Temperaturen. Stattdessen übernehmen nun ICE-Züge des deutschen Herstellers Siemens die Verbindung. Dies stellt eine unerwartete Entwicklung dar, insbesondere angesichts eines schwebenden Rechtsstreits zwischen Stadler, dem Hersteller der Giruno-Züge, und Siemens.
Wichtige Punkte
- Neue Giruno-Züge der SBB zeigen Probleme auf der Strecke Basel–Hamburg.
- Störungen treten bei tiefen Temperaturen und Raureif an den Fahrleitungen auf.
- Die SBB setzt vorübergehend ICE-Züge von Siemens als Ersatz ein.
- Software-Updates sollen die Empfindlichkeit der Störstromüberwachung beheben.
- Die Situation hat auch eine brisante Komponente aufgrund eines Rechtsstreits zwischen Stadler und Siemens.
Herausforderungen auf der Prestige-Strecke Basel–Hamburg
Seit Mitte Dezember betreiben die SBB erstmals den Eurocity-Express zwischen Basel und Hamburg. Diese direkte und schnelle Verbindung sollte ein stabiles Angebot darstellen. Der Start der neuen Linie, die die bisherigen Eurocity-Züge der Deutschen Bahn ersetzt, wurde von Bahnenthusiasten in den sozialen Medien gefeiert. Zum Einsatz kommen dabei die Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ RABe 501, besser bekannt als «Giruno».
Die ersten Wochen verliefen jedoch nicht reibungslos. Es gab Berichte über Störungen, Zugausfälle und erhebliche Verspätungen. Besonders problematisch zeigte sich der Betrieb bei kalten Wetterbedingungen.
Faktencheck Giruno
- Modell: RABe 501 «Giruno»
- Hersteller: Stadler Rail
- Einsatzgebiet: Ursprünglich für den Gotthard-Basistunnel konzipiert, nun auch international
- Problemursache: Störstromüberwachung bei Raureif und tiefen Temperaturen
- Betroffene Konfiguration: Doppeltraktion (zwei gekoppelte Giruno-Einheiten)
Technische Probleme bei Kälte
Die SBB hat die Zwischenfälle bestätigt und reagiert. Seit dem 28. Dezember 2025 werden die Giruno-Züge vorübergehend nicht mehr bis Hamburg eingesetzt. Die Verbindung wird stattdessen von ICE-Zügen bedient. Diese stammen vom deutschen Konkurrenten Siemens.
Als Ursache für die Schwierigkeiten nennen die SBB Probleme mit der Störstromüberwachung an den Stromabnehmern der Züge. Diese Überwachung ist in Deutschland aufgrund von Vorschriften bei allen Fahrzeugen aktiv. Bei tiefen Temperaturen kann sich Raureif an der Fahrleitung bilden. Wenn zwei Giruno-Einheiten in Doppeltraktion gekoppelt sind, reagiert das System offenbar zu empfindlich. Dies führt dazu, dass die Stromversorgung für den Fahrmotor automatisch abschaltet.
"Bei Raureif-Bedingungen sorgt die Störstromüberwachung der Giruno-Züge an den Stromabnehmern für Probleme beim Betrieb in Deutschland."
Obwohl Lokführer die Abschaltung zurücksetzen können, führt dies im laufenden Betrieb zu Unterbrechungen und Verspätungen. In Einfachtraktion, also wenn nur eine Giruno-Einheit unterwegs ist, tritt das Problem laut SBB nicht auf. Daher verkehren die Giruno-Züge weiterhin auf Strecken wie Mailand–Frankfurt via Basel.
Lösungsansatz und Ausblick
Die SBB arbeitet eng mit dem Hersteller Stadler an einer Lösung. Konkrete Massnahmen umfassen die Entwicklung von Software-Updates. Diese sollen die Empfindlichkeit der Störstromüberwachung in Doppeltraktion anpassen und Fehlermeldungen verhindern. Die SBB zeigt sich optimistisch, dass die Giruno-Züge ab Anfang Januar wieder ohne Einschränkungen bis Hamburg fahren können.
Hintergrund: Der Wettbewerb im Schienenverkehr
Der Eisenbahnsektor ist geprägt von intensivem Wettbewerb und komplexen technischen Anforderungen. Die Auswahl von Zügen für internationale Strecken erfordert nicht nur Leistungsfähigkeit, sondern auch die Kompatibilität mit den Infrastrukturen und Sicherheitsvorschriften verschiedener Länder. Hersteller wie Stadler und Siemens sind führend in der Entwicklung moderner Schienenfahrzeuge, stehen jedoch auch im ständigen Wettbewerb um grosse Aufträge.
Brisante Note durch Rechtsstreit
Die aktuelle Situation erhält eine zusätzliche brisante Note. Zwischen Stadler und Siemens läuft derzeit ein Rechtsstreit. Stadler-Chef Peter Spuhler hat Rekurs gegen einen Milliardenauftrag der SBB an Siemens eingereicht. Dass nun ausgerechnet Siemens-ICE-Züge einspringen müssen, um den Betrieb der SBB-Prestige-Verbindung zu sichern, wird von einigen Fachleuten als unangenehm für Stadler bewertet. Der Ausgang des Beschwerdeverfahrens bleibt abzuwarten.
Die Entwicklung zeigt die Komplexität des modernen Bahnverkehrs und die Herausforderungen, die bei der Einführung neuer Hochgeschwindigkeitszüge auf internationalen Strecken auftreten können. Die Zuverlässigkeit der Züge ist für die Fahrgäste von entscheidender Bedeutung.
Die Rolle der Infrastruktur
Die Probleme unterstreichen auch die Bedeutung einer robusten Infrastruktur und die Notwendigkeit, Züge für unterschiedliche Umweltbedingungen zu optimieren. Raureif an den Oberleitungen ist ein bekanntes Phänomen im Winter, das spezielle Anforderungen an die Technik stellt. Die Anpassung der Systeme, um solche Wettereinflüsse zu kompensieren, ist entscheidend für einen stabilen Bahnbetrieb.
- Technologische Anpassung: Software-Updates sind ein gängiges Mittel zur Behebung von Problemen in modernen Zügen.
- Internationale Zusammenarbeit: Die Kooperation zwischen SBB und Siemens zeigt die Notwendigkeit von Flexibilität und Zusammenarbeit im europäischen Bahnnetz.
- Kundenerwartung: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bleiben die wichtigsten Kriterien für Reisende.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die geplanten Software-Updates die Probleme der Giruno-Züge dauerhaft beheben können und die SBB ihre Prestige-Verbindung Basel–Hamburg wie geplant mit den eigenen Zügen betreiben kann.





