Die Schweizer Personenschifffahrt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Zwei innovative Projekte auf dem Ägerisee und dem Vierwaldstättersee zeigen, wie die Flotte bis 2040 emissionsfrei werden kann. Elektro- und Wasserstoffantriebe sind die Schlüsseltechnologien für eine grüne Zukunft auf dem Wasser.
Wichtige Erkenntnisse
- Die MS Ägerisee spart jährlich 38 Tonnen CO₂ durch ihren reinen Elektroantrieb.
- Die MS Saphir auf dem Vierwaldstättersee wird als erstes Schweizer Wasserstoffschiff 130 Tonnen CO₂ jährlich einsparen.
- Experten prognostizieren, dass die gesamte Schweizer Personenschifffahrt bis 2040 klimaneutral sein könnte.
Elektroantrieb auf dem Ägerisee: Eine leise Revolution
Auf dem Ägerisee ist die Zukunft bereits angekommen. Die MS Ägerisee, ein 24 Meter langes Kursschiff mit 130 Plätzen, fährt seit Mai 2025 rein elektrisch. Das Schiff gleitet leise und ohne Abgase über das Wasser. Es wird mit regionaler Wasserkraft betrieben.
Im Winter 2024/2025 wurde das Schiff in einem achtwöchigen Umbau modernisiert. Die alten Dieselmotoren wichen zwei Batteriepaketen. Diese wiegen zusammen 2,5 Tonnen. Seitdem spart das Schiff rund 38 Tonnen CO₂ pro Jahr ein.
Faktencheck MS Ägerisee
- Länge: 24 Meter
- Kapazität: 130 Passagiere
- Batteriekapazität: ca. 280 Kilowattstunden
- Reichweite: ca. 70 Kilometer bei 11 km/h
- CO₂-Einsparung: ca. 38 Tonnen pro Jahr
Die Technik ist ausgereift und zuverlässig. Die Batteriepakete liefern genug Energie für etwa 70 Kilometer Reichweite. Dies entspricht drei täglichen Rundfahrten. Kurze Zwischenladungen am Steg genügen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Das Mehrgewicht der Batterien beträgt nur 700 Kilogramm. Dadurch erfüllt das Schiff weiterhin alle Sicherheitsvorschriften.
Wasserstoff auf dem Vierwaldstättersee: Ein grosser Schritt
Auf dem Vierwaldstättersee beschreitet die Schifffahrtsgesellschaft SGV einen anderen Weg. Die MS Saphir, ein 49 Meter langes Ausflugsschiff für 300 Passagiere, erhält einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb. Der Umbau begann im Oktober 2025.
Diese Technologie kombiniert eine Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom umwandelt, mit einer grossen Batterie von 737 Kilowattstunden. Ab Sommer 2026 soll die Saphir wieder Fahrgäste befördern. Sie wird jährlich rund 50.000 Liter Diesel einsparen. Dies entspricht einer CO₂-Reduktion von etwa 130 Tonnen.
„Die Umstellung auf Wasserstoff ist eine Investition in die Zukunft. Sie zeigt unser Engagement für nachhaltigen Tourismus auf dem Vierwaldstättersee.“
Die Investitionssumme für den Umbau ist beträchtlich. Sie liegt zwischen 4 und 5 Millionen Franken. Darin enthalten ist der Bau einer Wasserstofftankstelle. Der benötigte grüne Wasserstoff stammt aus Bürglen im Kanton Uri. Dort produziert eine 2-Megawatt-Elektrolyseanlage bis zu 260 Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Diese Anlage wird ebenfalls mit Wasserkraft betrieben.
Hintergrund: Grüner Wasserstoff
Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt. Dabei kommt Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser-, Wind- oder Solarkraft zum Einsatz. Dies macht ihn zu einem CO₂-neutralen Energieträger.
Schweizweite Entwicklung: Eine Branche im Wandel
Die Projekte auf dem Ägerisee und dem Vierwaldstättersee sind keine Einzelfälle. Sie sind Teil einer schweizweiten Bewegung hin zu einer klimaneutralen Schifffahrt. Auf dem Zürichsee fährt seit 2025 die EMS Uetliberg, das grösste Elektroschiff der Schweiz. Es spart jährlich 300 Tonnen CO₂ ein. Zwei weitere Schiffe der Zürichsee-Schifffahrt sollen bis 2027 folgen.
Auch auf anderen Seen gibt es Fortschritte. Auf dem Lago di Lugano verkehrt die 90-jährige MNE Ceresio seit 2021 vollelektrisch. Am Bodensee ist seit 2023 der Elektro-Katamaran MS Insel Mainau in Betrieb. Die BLS-Schiffe auf dem Brienzer- und Thunersee setzen auf Hybridantriebe.
Wichtige Projekte in der Schweiz
- Zürichsee: EMS Uetliberg (seit 2025, spart 300 Tonnen CO₂)
- Lago di Lugano: MNE Ceresio (seit 2021, vollelektrisch)
- Bodensee: MS Insel Mainau (seit 2023, Elektro-Katamaran)
- Brienzer- und Thunersee: BLS-Schiffe (Hybridantriebe)
Branchenexperten sind optimistisch. Sie schätzen, dass die gesamte Schweizer Personenschifffahrt bis 2040 klimaneutral sein könnte. Die technischen Lösungen sind vorhanden. Die Wahl der Technologie hängt von verschiedenen Faktoren ab: Schiffsgrösse, Streckenlänge und die verfügbare Ladeinfrastruktur spielen eine Rolle.
Zukünftige Herausforderungen und Chancen
Die Umstellung erfordert erhebliche Investitionen und eine gut ausgebaute Infrastruktur. Die Zusammenarbeit zwischen Schifffahrtsgesellschaften, Gemeinden und Banken ist entscheidend. Das Bundesamt für Verkehr unterstützt Projekte wie die MS Saphir im Rahmen des Programms «Energieeffizienter öffentlicher Verkehr 2050».
Kleinere Seen setzen eher auf Batterielösungen. Grössere Schiffe und längere Strecken erfordern Wasserstoff- oder Hybridkonzepte. Die Bewegung hin zu emissionsfreien Schiffen ist in vollem Gange. Was heute noch als Umstellung gilt, wird in wenigen Jahren selbstverständlich sein: Schiffe, die leise und sauber über das Wasser gleiten.
Diese Entwicklung zeigt, dass die Schweiz auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität auf dem Wasser ist. Sie trägt wesentlich zum Klimaschutz bei und bietet gleichzeitig ein modernes, angenehmes Reiseerlebnis für Passagiere.





