Ein ehrgeiziges Seilbahnprojekt mit dem Namen «Jurasteg» könnte die Verbindung zwischen Liestal und Aesch im Baselbiet revolutionieren. Die Pläne sehen eine moderne Dreiseilbahn vor, die nicht nur Pendlern zugutekommt, sondern auch das touristische Potenzial des Gempens erschliesst. Das Projekt wird auf bis zu 415 Millionen Franken geschätzt und bietet eine kostengünstigere Alternative zu einer diskutierten Strassenverbindung.
Wichtige Eckpunkte
- FDP-Landrat Balz Stückelberger präsentierte das «Jurasteg»-Seilbahnprojekt.
- Die geplante Dreiseilbahn soll Liestal und Aesch über den Gempen verbinden.
- Transportkapazität von 4200 Personen pro Stunde und Richtung.
- Reisezeit von 20 bis 23 Minuten zwischen den Endstationen.
- Geschätzte Kosten liegen zwischen 340 und 415 Millionen Franken.
- Deutlich günstiger als eine mögliche Strassen-Tunnelverbindung.
Neue Verbindung für das Baselbiet
Das Baselbiet sucht seit Jahrzehnten nach besseren Verkehrsverbindungen zwischen seinen Kantonsteilen. Nun hat FDP-Landrat Balz Stückelberger das Projekt «Jurasteg» vorgestellt. Dies geschah im Rahmen seiner letzten Landratssitzung. Der Basler Architekt Rolf Stalder hat das Konzept für diese innovative Seilbahn erarbeitet.
Die Vision ist klar: Eine Luftseilbahn soll Liestal im Kanton Basel-Landschaft mit Aesch im Kanton Basel-Landschaft verbinden. Die Strecke würde dabei über den Berg Gempen führen, der im Kanton Solothurn liegt. Dies würde eine direkte und schnelle Verbindung schaffen, die bisher fehlt.
Fakten zum «Jurasteg»
- Typ der Seilbahn: Dreiseilbahn
- Gondelkapazität: 30 bis 35 Personen
- Anzahl Kabinen: 95 bis 105
- Transportkapazität: 4200 Personen pro Stunde und Richtung
- Streckenlänge: circa 10 Kilometer
- Reisezeit: 20 bis 23 Minuten
Technologie einer Dreiseilbahn
Für den «Jurasteg» ist eine sogenannte Dreiseilbahn vorgesehen. Bei diesem System rollt eine Gondel auf zwei Tragseilen. Ein drittes Seil zieht die Gondel vorwärts. Diese Technologie ist bereits in der Schweiz im Einsatz, beispielsweise in Saas-Fee, Zermatt und der Jungfrauregion. Solche Bahnen sind für grössere Kabinen ausgelegt und können auch bei stärkerem Wind sicher betrieben werden.
Die geplanten Gondeln bieten Platz für 30 bis 35 Personen. Dies ist ausreichend für Pendler, aber auch für Familien mit Kinderwagen oder Velofahrer. Die hohe Kapazität von 4200 Personen pro Stunde und Richtung zeigt das Potenzial dieser Lösung für den öffentlichen Nahverkehr.
Kosten und Reisezeit
Die geschätzten Investitionskosten für den «Jurasteg» liegen zwischen 340 und 415 Millionen Franken. Eine langsamere Einseilumlaufbahn mit geringerer Kapazität wäre mit 190 bis 240 Millionen Franken günstiger, würde aber auch weniger Personen befördern können.
Die Fahrzeit für die rund 10 Kilometer lange Strecke zwischen Liestal und Aesch würde nur 20 bis 23 Minuten betragen. Heute dauert die gleiche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oft über Basel, mehr als doppelt so lange. Dies würde eine erhebliche Zeitersparnis für Pendler bedeuten und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs steigern.
«Dann könnte man das touristische Potenzial des Basler Hausbergs gleich mit dem Nutzen für Pendlerinnen und Pendler verbinden.»
Tourismus und Umweltaspekte
Ein wichtiger Aspekt des «Jurasteg»-Projekts ist die Möglichkeit einer Mittelstation auf dem Gempen. Dies würde es ermöglichen, den Berg als touristisches Ziel besser zu erschliessen. Wanderer und Ausflügler könnten die Seilbahn nutzen, um den Gempen zu erreichen. Dies verbindet den Nutzen für Pendler direkt mit dem touristischen Potenzial der Region.
Seilbahnen gelten zudem als umweltfreundliches Verkehrsmittel. Sie verursachen keine direkten Emissionen und benötigen im Vergleich zu Strassenverbindungen weniger Fläche. Dies ist ein wichtiger Faktor in Zeiten wachsenden Umweltbewusstseins.
Hintergrund: Die Verkehrsdebatte im Baselbiet
Die Diskussion über bessere Verkehrsverbindungen im Baselbiet läuft schon seit vielen Jahren. Eine aktuelle Initiative fordert eine direkte Strassenverbindung, oft in Form eines Tunnels unter dem Gempen. Architekt Stalder weist darauf hin, dass eine solche Strassenverbindung Kosten von 2 bis 3 Milliarden Franken verursachen könnte. Die Seilbahn stellt somit eine deutlich günstigere Alternative dar, die dennoch eine hohe Transportkapazität bietet.
Herausforderungen für Seilbahnprojekte
Obwohl Seilbahnen im Trend liegen und viele Vorteile bieten, stossen solche Projekte oft auf Widerstand. Ein Hauptproblem sind Einsprachen von Anwohnern und Grundeigentümern. Seilbahnen überqueren oft zahlreiche Grundstücke, und die Zustimmung vieler Eigentümer ist erforderlich. Viele Anwohner befürchten eine Beeinträchtigung ihrer Privatsphäre.
In der Schweiz sind bereits einige Seilbahnprojekte gescheitert. Im Jahr 2023 wurde ein Gondelbahn-Projekt in Solothurn abgelehnt. Auch die Idee einer Seilbahn über den Zürichsee, die als Geschenk der Zürcher Kantonalbank geplant war, wurde 2022 endgültig aufgegeben. Diese Beispiele zeigen, dass der Weg von der Vision zur Realisierung oft steinig ist.
Weitere Seilbahnprojekte in der Schweiz
- Luzern: Eine geplante Stadt-Seilbahn vom Autobahnanschluss Emmen Süd in die Altstadt hat eine Machbarkeitsstudie erfolgreich durchlaufen. Das Projekt ist auf 190 Millionen Franken veranschlagt und beinhaltet einen über einen Kilometer langen Tunnel.
- Gotthard: Private Investoren planen ein neues Seilbahnnetz rund um den Gotthardpass. Es soll Airolo mit der Passhöhe und dem Gemsstock verbinden, inklusive Anschluss an das Skigebiet Andermatt. Eine zweite Linie Richtung Realp ist ebenfalls vorgesehen.
- Paris: Mitte Dezember eröffnete in Paris die längste urbane Seilbahn Europas, was den internationalen Trend zu diesem Verkehrsmittel unterstreicht.





