Grossanlässe wie der Eurovision Song Contest haben Basel im Jahr 2025 eine Rekordauslastung beschert. Die Hotellerie verzeichnete nach dem ESC einen Zuwachs von 10 Prozent bei den Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr. Doch der Erfolg hat auch eine Kehrseite: Insbesondere während des Weihnachtsmarktes klagen Einheimische über Dichtestress. Basel Tourismus arbeitet nun an Strategien, um die Besucherströme besser zu lenken und die Auslastung über das ganze Jahr zu verteilen.
Das Wichtigste in Kürze
- Grossevents wie der ESC und die Women's Euro steigerten Basels internationale Bekanntheit erheblich.
- Die Hotelauslastung wird für das laufende Jahr auf über 65 Prozent geschätzt, ein wichtiger Schwellenwert für die Wirtschaftlichkeit.
- Der Basler Weihnachtsmarkt führt zu einem Gefühl der Überfüllung, dem mit neuen, ruhigeren Angeboten begegnet wird.
- Langfristiges Ziel ist es, die touristischen Spitzen abzubauen und die ruhigeren Monate zu Beginn des Jahres zu stärken.
- Kulturelle Leuchtturmprojekte wie grosse Kunstausstellungen sind ein zentraler Hebel, um gezielt Besucher anzuziehen.
Ein Jahr der Superlative für Basel
Das Jahr 2025 hat sich für den Basler Tourismus als ausserordentlich erfolgreich erwiesen. Angetrieben durch international beachtete Grossveranstaltungen wie den Eurovision Song Contest und die Fussball-Europameisterschaft der Frauen, konnte die Stadt ihre Bekanntheit massiv steigern. Allein die Berichterstattung rund um den ESC sorgte für rund 450 Millionen Medienkontakte weltweit.
Diese Aufmerksamkeit schlägt sich direkt in den Zahlen nieder. „Wir hatten nach dem ESC im August schon wieder 10 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr, das auch schon ein sehr starkes Jahr war“, erklärt Letizia Elia, Direktorin von Basel Tourismus. Die Gesamtauslastung der Hotels dürfte für das Jahr 2025 erstmals die Marke von 65 Prozent überschreiten – ein Wert, der für den wirtschaftlichen Betrieb eines Hotels als entscheidend gilt.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Dezember. Einst ein schwacher Monat für die Hotellerie, hat sich die Adventszeit dank des Weihnachtsmarktes zu einer der stärksten Perioden des Jahres entwickelt. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer konzertierten Anstrengung verschiedener Organisationen, Basel als führende Weihnachtsstadt zu positionieren.
Vom Geheimtipp zur Top-Destination
Lange galt Basel als „versteckte Perle“. Grossevents und gezieltes Marketing haben dieses Bild verändert. Die Stadt wird mittlerweile in Reiseführern wie Marco Polo unter den Top-36-Destinationen gelistet. Im Gegensatz zu typischen Schweizer Zielen wie Luzern oder Interlaken punktet Basel mit einem urbanen Profil, das stark von Kunst, Kultur und Architektur geprägt ist. Dies zieht auch vermehrt inländische Gäste an: Die Zahl der Schweizer Besucher liegt 20 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie.
Die Herausforderung des Dichtestresses
Der Erfolg bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Insbesondere der Weihnachtsmarkt, der von CNN erneut zu einem der schönsten weltweit gekürt wurde, zieht so viele Menschen an, dass sich viele Einheimische im Gedränge unwohl fühlen. Das Phänomen des „Dichtestresses“ ist zu einem vieldiskutierten Thema geworden.
Letizia Elia nimmt diese Bedenken ernst. „Das Gefühl von Dichtestress ist sehr individuell. Ich kann verstehen, dass es gewissen Leuten zu viel ist“, sagt sie. Basel Tourismus reagiert darauf mit gezielten Massnahmen, um die Menschenmengen zu entzerren. Ein Beispiel sind die neu geschaffenen „Zauberhöfe“, die als ruhigere Rückzugsorte ein weihnachtliches Erlebnis abseits der Hauptachsen bieten.
„Wir versuchen mit neuen Angeboten, den Weihnachtsmarkt zu entlasten. Dafür haben wir die Zauberhöfe initiiert.“
- Letizia Elia, Direktorin Basel Tourismus
Es geht jedoch nicht nur um die Entlastung an Spitzentagen, sondern um eine grundlegende strategische Neuausrichtung. Das langfristige Ziel ist es, die Auslastung gleichmässiger über das gesamte Jahr zu verteilen.
Auslastung im Jahresverlauf
Obwohl es an Spitzentagen zu Engpässen kommt, ist die durchschnittliche Jahresauslastung in Basel im Vergleich zu anderen Städten eher moderat. Der Schwellenwert von 60 Prozent für einen rentablen Hotelbetrieb wird zwar überschritten, aber es gibt noch erhebliches Potenzial in den schwächeren Monaten wie Januar und Februar. Diese sollen gezielt durch kulturelle Angebote gestärkt werden.
Gezieltes Marketing statt Massentourismus
Um Overtourismus zu vermeiden, setzt Basel Tourismus auf eine präzise Zielgruppenansprache anstelle von breit gestreuter Werbung. Ein wichtiges Werkzeug dafür ist die BaselCard, die Gästen kostenlose oder vergünstigte Eintritte ermöglicht. Die Nutzungsdaten zeigen deutlich, welche Angebote besonders gefragt sind.
Was Touristen in Basel am meisten interessiert:
- Museen: Kunstmuseen stehen an erster Stelle der Beliebtheitsskala.
- Zoo Basel: Der „Zolli“ ist ebenfalls ein starker Anziehungspunkt für Besucher.
- Kulturelle Grossausstellungen: Events wie die Kusama-Ausstellung ziehen gezielt kulturinteressiertes Publikum an, das oft eigens für die Schau anreist.
Die Strategie konzentriert sich auf sogenannte „Leuchttürme“ – also international bekannte Institutionen und Veranstaltungen. „Für Leute von ausserhalb sind meistens die Leuchttürme das Reisemotiv“, erklärt Elia. Sobald die Gäste in der Stadt sind, werden sie motiviert, auch die breitere, alternative Kulturszene zu entdecken.
Die Zukunft: Kongresse und Kontraste
Die erfolgreiche Durchführung von Grossanlässen hat Basel als kompetente Event-Destination positioniert. „Die erfolgreiche Organisation grosser Veranstaltungen spricht sich in der Veranstaltungsbranche schnell herum“, so Elia. Das eigens gestärkte Convention Bureau akquiriert bereits aktiv Kongresse für die Jahre 2028 bis 2030.
Auch der Veranstaltungskalender bleibt abwechslungsreich. Nach dem ESC und der Women's Euro steht 2026 mit dem Eidgenössischen Jodlerfest ein bewusstes Kontrastprogramm an. Elia sieht darin eine Stärke: „Ich finde es fantastisch an dieser Eventwelt, dass man sich als ganze Stadt immer wieder auf ein neues Thema einlässt.“
Ein weiterer Meilenstein ist der geplante Umzug von Basel Tourismus in die alte Hauptpost Anfang 2027. Dort soll ein neues Tourismus Center entstehen, das nicht nur als Anlaufstelle für Gäste dient, sondern auch für die Basler Bevölkerung ein attraktiver Ort sein soll.





