Die Bank WIR, eine Genossenschaftsbank mit langer Geschichte, durchläuft eine tiefgreifende Transformation. Unter der Führung von CEO Matthias Pfeifer, der seit März 2025 im Amt ist, will sich die Bank von einer Zweit- oder Drittbank zur Hauptbank ihrer Kundinnen und Kunden entwickeln. Dies erfordert neue Strategien und einen stärkeren Fokus auf digitale Angebote.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Bank WIR will sich als Hauptbank für Privatkunden etablieren.
- VIAC ist ein zentraler Wachstumstreiber mit über 6 Milliarden CHF Assets under Management und 140'000 Kunden.
- Das WIR-System spielt eine geringere Rolle, bleibt aber Teil der Bankidentität.
- Künstliche Intelligenz wird in Prozessen und im Risikomanagement eingesetzt.
- Das Bankpaket top bietet Neobank-Konditionen bei Genossenschaftsbank-Stabilität.
Neuausrichtung unter Matthias Pfeifer
Matthias Pfeifer leitet die Bank WIR seit März 2025. Er blickt auf ein erfolgreiches erstes Geschäftsjahr zurück. Das Team hat in einem anspruchsvollen Umfeld gute Arbeit geleistet und die Grundlage für zukünftiges Wachstum geschaffen. Investitionen flossen in neue Produkte und optimierte Prozesse. Die Bank strebt eine stärkere öffentliche Wahrnehmung an.
Pfeifer, der bereits sechs Jahre im Kundengeschäft der Bank tätig war, setzte keine radikalen Kursänderungen um. Ihm ist es wichtig, die Bank geerdet und stabil im Mittelstand zu positionieren. Gleichzeitig lässt sich die Bank von Fintechs inspirieren. Das Bankpaket top ist ein Beispiel dafür. Es bietet ein Konto und eine Karte mit den Konditionen einer Neobank, aber der Stabilität einer grundsoliden Genossenschaftsbank. Dies ermöglicht es der Bank, Hauptbankbeziehungen aufzubauen.
Faktencheck
- Matthias Pfeifer ist seit März 2025 CEO der Bank WIR.
- Das Bankpaket top wurde 2024 für Privatkunden eingeführt.
- Die Bank WIR strebt eine Rolle als Hauptbank an.
Das WIR-System und seine Bedeutung
Das traditionelle WIR-System, die Komplementärwährung der Bank, spielt heute eine andere Rolle. Es ist nicht mehr der Hauptfaktor für das Wachstum der Bank, bleibt aber ein wichtiger Bestandteil ihrer Wurzeln. Die Stärke des WIR-Systems liegt vor allem in der Gewinnung neuer Geschäfte, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Auch WIR-Kredite sind attraktiv, wenn die Zinsdifferenz zu Schweizerfranken-Krediten gross ist.
Aktuell läuft die Konjunktur im Bauhauptgewerbe, einem wichtigen Kundensegment der Bank WIR, gut. Die tiefen Zinsen bieten zudem keinen Vorteil bei der Zinsdifferenz von WIR-Krediten. Deshalb wächst das WIR-Geschäft derzeit nicht stark. Für die Bank ist es entscheidend, dass sie nicht ausschliesslich über die Komplementärwährung wahrgenommen wird.
"Das WIR steht nicht für die Währung, sondern für das 'Wir-Gefühl'."
Dieses "Wir-Gefühl" bezieht sich auf die interne Zusammenarbeit sowie die Verbindung zum Schweizer Mittelstand, KMU und Partnern. Kunden sollen die Bank WIR wegen ihrer Solidität, Schweizer Wurzeln und Top-Konditionen wählen.
VIAC als digitaler Wachstumsmotor
Die digitale Transformation ist ein zentraler Pfeiler der Strategie. Die Bank WIR setzte früh auf die Anlageplattform VIAC. Im Jahr 2025 hatte VIAC einen starken Einfluss auf die Erträge im indifferenten Geschäft. Das Wachstum beschleunigte sich erheblich. Die Assets under Management stiegen auf über 6 Milliarden CHF. Dieses Wachstum resultiert aus Neugeldzuflüssen und der positiven Performance an den Börsen.
Über 140'000 Kundinnen und Kunden nutzen VIAC bereits. Auch VIAC Invest, das Produkt für freies Wertschriftensparen, entwickelt sich planmässig. Besonders erfreulich sind die VIAC-Hypotheken, die zu 100 Prozent von der Bank WIR abgewickelt werden. Die 3a-Vorsorge von VIAC ermöglicht eine indirekte Amortisation und bietet Steuervorteile.
Wettbewerb im digitalen Sparen
Der Markt für digitales Wertschriftensparen ist wettbewerbsintensiv. Es gibt Anbieter wie Frankly. Die Bank WIR spürt eine Sättigung im Markt, was es für neue Plattformen schwierig macht. Einige Angebote von Wettbewerbern wurden bereits eingestellt. Es wird erwartet, dass drei bis fünf Anbieter auf dem Schweizer Markt für ETF-Sparen bestehen bleiben. Im Vergleich zum Ausland hat der Schweizer Markt noch erhebliches Wachstumspotenzial. VIAC hebt sich durch beste Konditionen und Performance-Zahlen ab und plant, schneller als der Markt zu wachsen.
Weitere Fintech-Beteiligungen und KI-Einsatz
Neben VIAC ist die Bank WIR auch an anderen Fintechs beteiligt. Eine Beteiligung besteht an Amnis Treasury Services. Dieses Unternehmen ergänzt das Angebot für KMU im internationalen Geschäft. Amnis bietet günstige Konditionen für Fremdwährungstransaktionen und eine internationale Kartenlösung mit automatischer Spesenverwaltung. Der Erfolg von Amnis wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigen. Amnis dient als Produktpartner und Kapitalbeteiligung, um von neuen Ideen zu lernen. Das Team von Amnis denkt Bankgeschäft anders als klassische Banken und ist im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) weit fortgeschritten.
Künstliche Intelligenz wird das Bankgeschäft stark beeinflussen. Die Bank WIR setzt KI gezielt ein, um Mehrwert für Kunden zu schaffen, interne Prozesse zu optimieren und das Risikomanagement zu verbessern. Es ist wichtig, die Mitarbeiter in diesen Prozess einzubeziehen und sie mit KI-Tools vertraut zu machen. KI soll ein zusätzliches Arbeitsinstrument sein, das die Qualität der Arbeit verbessert, aber den Menschen nicht ersetzt.
KI in der Praxis
- Einsatz von Microsoft Copilot in vielen Bereichen.
- Selbst trainierte Agenten übernehmen Bilanzanalysen für Kundenberater.
- Umstellung auf ein KI-basiertes CRM bis 2027 geplant.
Geschäftsergebnisse 2025 und Zukunftsaussichten
Das Geschäftsjahr 2025 verlief für die Bank WIR zufriedenstellend. Die Zinssenkungen der SNB beeinflussten das Zinsengeschäft, aber dank VIAC wuchsen die Erträge im indifferenten Geschäft stark. Dieser positive Einfluss von VIAC wird auch in Zukunft erwartet.
Der Abbau des Handelsbestands zur Glättung von Schwankungen im Finanzertrag ist abgeschlossen. Dies wird die zukünftigen Ergebnisse nicht mehr beeinflussen. Im Hypothekargeschäft ist die Bank auf der Aktivseite weniger stark betroffen, da 80 Prozent der Hypotheken an Firmenkunden für Mehrfamilienhäuser vergeben werden. Diese sind von der möglichen Abschaffung des Eigenmietwerts nicht betroffen. Bei privaten Hypotheken ist das Portfolio noch jung, der Renovationsbedarf gering.
Für KMU-Kunden im Baugewerbe werden bis 2028 mehr Aufträge im Aus- und Umbau erwartet. Ein Einbruch danach ist nicht wahrscheinlich, da Renovationen in der Schweiz nicht aufgeschoben werden. Eine vorzeitige Amortisation von Hypotheken ist angesichts tiefer Zinsen ebenfalls nicht zu erwarten.
Nachhaltigkeit und Beteiligungsscheine
Das Thema Nachhaltigkeit rückt trotz geopolitischer Verwerfungen nicht in den Hintergrund. Das Hypothekarportfolio der Bank ist jung und enthält viele Neubauten nach Minergie-Standard. Als Genossenschaftsbank ist die Bank WIR ausschliesslich in der Schweiz tätig, hat keine Auslandsaktivitäten und finanziert hauptsächlich Mehrfamilienhäuser für den Mittelstand. Dies minimiert Governance-Risiken.
Die Bank WIR lehnt Greenwashing ab und konzentriert sich auf die konsequente Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und die Unterstützung sinnvoller Nachhaltigkeitsbestrebungen. Die Beteiligungsscheine der WIR Bank sind 2025 leicht zurückgegangen. Zuletzt lag der Kurs bei 482 CHF pro Schein. Bei einer gleichbleibenden Dividende von 11 CHF entspricht dies einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent.





