Nach der Fusion der beiden Versicherungskonzerne Helvetia und Baloise steht ein grosser Umbau bevor. Das neu formierte Unternehmen Helvetia Baloise hat einen Abbau von bis zu 2600 Stellen in den nächsten drei Jahren angekündigt. Ein Grossteil davon, bis zu 1800 Arbeitsplätze, wird in der Schweiz wegfallen. Die Massnahme betrifft auch den Hauptsitz in Basel.
Das Wichtigste in Kürze
- Helvetia Baloise wird in den nächsten drei Jahren konzernweit 2000 bis 2600 Stellen abbauen.
- In der Schweiz sind davon 1400 bis 1800 Arbeitsplätze betroffen.
- Der Abbau soll primär über natürliche Fluktuation, Pensionierungen und interne Wechsel erfolgen.
- Der neue Hauptsitz des fusionierten Konzerns ist Basel, wo über 4000 Mitarbeitende beschäftigt sind.
Massiver Umbau nach der Grossfusion
Die Mitarbeitenden der neu fusionierten Versicherungsgruppe Helvetia Baloise wurden am Dienstag über die weitreichenden Pläne informiert. Die Konzernleitung plant, die Belegschaft in den kommenden drei Jahren deutlich zu reduzieren. Von den aktuell rund 22'000 Angestellten in acht europäischen Märkten soll ein erheblicher Teil betroffen sein.
Martin Jara, der Schweiz-CEO des fusionierten Unternehmens, bestätigte die Zahlen. „Über den ganzen Konzern verteilt werden voraussichtlich 2000 bis 2600 Stellen abgebaut“, erklärte er. Der Schwerpunkt des Abbaus liegt klar in der Schweiz, wo etwa ein Drittel der gesamten Belegschaft arbeitet. Hier sollen zwischen 1400 und 1800 Stellen gestrichen werden.
Hintergrund der Fusion
Die Fusion von Baloise und Helvetia wurde am 22. April 2024 angekündigt und Anfang Dezember offiziell vollzogen. Der Zusammenschluss wurde unter anderem durch den Einstieg der schwedischen Investmentgesellschaft Cevian bei Baloise vorangetrieben, die auf eine höhere Rentabilität drängte. Die Wettbewerbskommission (Weko) und die Finanzmarktaufsicht (Finma) gaben grünes Licht für die Transaktion, die Helvetia Baloise zum zweitgrössten Versicherer der Schweiz macht.
Sozialverträglicher Abbau als Ziel
Die Unternehmensführung betont, dass sie Kündigungen möglichst vermeiden will. Der Stellenabbau soll schrittweise über die nächsten drei Jahre umgesetzt werden. Dabei setzt man auf natürliche Personalabgänge und die demografische Entwicklung.
„Wir hoffen, den Abbau dank Pensionierungen, interner Mobilität und natürlicher Abgänge möglichst gering zu halten“, so Jara. Dieser Ansatz soll die sozialen Auswirkungen für die Belegschaft abfedern. Ein Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitervertretungen soll Anfang Januar starten und bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Erst danach wird es konkretere Informationen zur Umsetzung geben.
Der Abbau soll sich über alle Unternehmensbereiche erstrecken, mit einer wichtigen Ausnahme: Der Aussendienst ist von den Kürzungen explizit ausgenommen. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung des direkten Kundenkontakts für den neuen Versicherungsgiganten.
Unsicherheit für die Standorte Basel und St. Gallen
Mit der Fusion wurde Basel zum alleinigen Hauptsitz des neuen Konzerns bestimmt. Zuvor war St. Gallen der Hauptsitz der Helvetia. Diese Entscheidung sorgt nun für Unsicherheit, wie sich der Stellenabbau auf die beiden wichtigen Standorte verteilen wird. In Basel arbeiten nach der Fusion gut 4000 Mitarbeitende.
Helvetia Baloise in Zahlen
- Geschäftsvolumen: Über 20 Milliarden Franken
- Marktanteil Schweiz: Rund 20 Prozent (zweitgrösster Versicherer)
- Mitarbeitende total: 22'000 in acht europäischen Ländern
- Mitarbeitende Schweiz: ca. 7'300
- Angestrebtes Synergiepotenzial: 350 Millionen Franken
Die genaue Verteilung der abzubauenden Stellen ist laut Martin Jara noch offen. „Dann wissen wir, wie der Abbau auf die beiden Standorte verteilt sein wird“, sagte er mit Blick auf das Ende des Konsultationsverfahrens. Die tatsächliche Zahl der Entlassungen könnte sich durch natürliche Abgänge an einem Standort dynamisch verändern und so eine Stelle am anderen Standort erhalten.
Immobilienstrategie in Basel angepasst
Die Immobilien der beiden ehemaligen Unternehmen in Basel sollen grösstenteils weiter genutzt werden. Sowohl der Helvetia-Campus als auch der bekannte Baloise-Park bleiben als zentrale Arbeitsorte bestehen. Eine Entscheidung wurde jedoch bereits getroffen: „Beschlossen ist hingegen, dass das Verwaltungsgebäude 2 zwischen Engelgasse und Lange Gasse nicht bezogen wird“, bestätigte Jara. Was mit diesem Gebäude nun geschehen soll, liess er offen.
Synergien und steigende Prämien
Ein Hauptziel der Fusion ist die Realisierung von Synergien in Höhe von 350 Millionen Franken. Durch die Zusammenlegung sollen Skaleneffekte genutzt und die Verwaltungskosten gesenkt werden. Martin Jara erklärte, dass diese Effizienzsteigerung mittelfristig auch den Kunden zugutekommen werde.
„Durch die Fusion können wir Verwaltungskosten reduzieren, und das wird auch unsere Kundinnen und Kunden mittelfristig zugutekommen.“
Kurzfristig sieht die Realität für die Versicherten jedoch anders aus. Wie kürzlich bekannt wurde, werden die Prämien für viele Sachversicherungen im kommenden Jahr steigen. Als Gründe werden die allgemeine Teuerung und höhere Reparaturkosten genannt – eine Entwicklung, die die gesamte Branche betrifft.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Integration der beiden traditionsreichen Versicherer voranschreitet und wie die Balance zwischen Kostensenkungen und der Sicherung von Arbeitsplätzen in einer der wichtigsten Branchen der Schweiz gelingt.





