Das Mädchenmagazin Kaleio feiert im Dezember 2025 sein fünfjähriges Bestehen. Die Publikation, die sich an Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren richtet, startete Ende 2020 nach einem erfolgreichen Crowdfunding. Trotz anfänglicher Hürden und kontroverser Reaktionen auf ihr geschlechterspezifisches Konzept hat sich Kaleio etabliert und zählt heute rund 3500 Abonnentinnen.
Wichtige Erkenntnisse
- Kaleio feiert im Dezember 2025 sein fünfjähriges Bestehen und hat 3500 Abonnentinnen.
- Das Magazin richtet sich ausschliesslich an Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren.
- Es basiert auf einem polnischen Konzept und übernimmt etwa die Hälfte der Inhalte.
- Kaleio stösst auf Widerstände, da es Angebote nur für Mädchen macht.
- Die Finanzierung ist eine ständige Herausforderung, trotz Idealismus.
Von Kosmos zu Kaleio: Eine Namensänderung
Die Idee für ein Mädchenmagazin entstand durch die Inspiration des polnischen Magazins Kosmos. Ursprünglich sollte die Schweizer Ausgabe ebenfalls diesen Namen tragen. Doch markenrechtliche Gründe machten eine Umbenennung nötig. So wurde aus Kosmos schliesslich Kaleio.
Die erste Ausgabe erschien im Dezember 2020. Dies wurde durch ein Crowdfunding im Herbst 2020 ermöglicht, das über 130'000 Franken einbrachte. Seitdem erscheinen jährlich sechs Ausgaben. Anfänglich gab es Kaleio in deutscher und französischer Sprache. Seit Sommer 2024 erscheint das Heft nur noch auf Deutsch. Etwa 500 der 3500 Abonnentinnen leben in Deutschland.
Faktencheck
- Gründung: Dezember 2020
- Abonnentinnen: Rund 3500 (davon 500 in Deutschland)
- Erscheinungsweise: Sechs Ausgaben pro Jahr
- Altersgruppe: 8 bis 13 Jahre
Das Leitbild: Mädchen stärken
Die Motivation hinter Kaleio ist klar: Mädchen sollen lernen, dass ihnen die Welt offen steht. Sie sollen sich nicht durch Geschlechterstereotype einschränken lassen. Dieses Ziel verfolgen die Macherinnen nicht nur mit dem Magazin, sondern auch mit Begleitmaterialien und Veranstaltungen.
Martina Polek, ausgebildete Geowissenschaftlerin und Journalistin, ist seit der Gründung Co-Geschäftsleiterin von Kaleio. Sie ist massgeblich am Aufbau dieses jungen Medienunternehmens beteiligt. Von ihrem Basler Redaktionssitz aus berichtet sie über die Herausforderungen und Erfolge.
"Ich war immer überzeugt, dass es Kaleio braucht. Aber manchmal hatte ich Zweifel, ob wir die Energie dafür haben, das Ganze durchzuziehen."
Herausforderungen in der Finanzierung und Akzeptanz
Die Energie und das Geld sind eng miteinander verbunden. Das kleine Team leistet enorme Arbeit. Die Effizienz pro Person ist sehr hoch. Ohne diesen Idealismus und die hohe Einsatzbereitschaft wäre Kaleio nicht realisierbar. Jeder Franken muss sorgfältig eingesetzt werden.
Kaleio bleibt werbefrei und richtet sich ausschliesslich an Mädchen. Diese Prinzipien führen zu negativen Kommentaren, besonders in sozialen Medien. Ein Angebot nur für Frauen oder Mädchen polarisiert stark. Das wirkt sich auch auf das Geschäft aus. Schulen zeigen sich oft zurückhaltend, geschlechterspezifische Materialien zu kaufen. Viele Stiftungen schliessen Kaleio von Förderungen aus, da sie den Bedarf an zusätzlicher Unterstützung für Mädchen bezweifeln. In den letzten fünf Jahren hat sich das Verständnis jedoch langsam verbessert.
Hintergrundinformationen
Das Konzept, ein Magazin speziell für Mädchen zu schaffen, basiert auf der Idee, traditionelle Geschlechterrollen aufzubrechen und junge Frauen zu ermutigen, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Dies umfasst Themen von Wissenschaft und Technik bis hin zu Selbstvertrauen und Körperakzeptanz, fern von Schönheitsidealen.
Zielgruppe und Inhalte
Die Zielgruppe von Kaleio sind Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren. Diese Altersspanne umfasst eine Zeit grosser Entwicklung. Das Magazin berücksichtigt dies, indem es diverse Themen anbietet. Nicht jeder Beitrag spricht alle Leserinnen an, aber für jede Altersstufe gibt es passende Inhalte. Themen wie die erste Menstruation werden im Rahmen der Rubrik "Körperwunderland" behandelt, die den Körper funktional und nicht ästhetisch betrachtet. Sexualität wird im Heft nicht thematisiert, da Kaleio kein Teenagermagazin ist.
Die Ansprache der Zielgruppen erfolgt differenziert. Die Mädchen selbst werden nicht direkt durch Werbung angesprochen. Stattdessen richtet sich die Kommunikation an Eltern und Bezugspersonen, die die Abonnements bezahlen. In Schulen oder Bibliotheken entdecken Mädchen das Heft direkt. Die Abonnement-Erneuerungsrate liegt bei etwa 75 Prozent. Abos werden meist nur gekündigt, wenn die Mädchen älter werden. Die Zufriedenheit der Leserinnen und ihrer Eltern ist hoch.
Inhaltliche Schwerpunkte
- Vielfältige Themen für 8- bis 13-Jährige
- Fokus auf funktionale Körperbetrachtung ("Körperwunderland")
- Keine Themen zur Sexualität
- Werbefrei
Die polnische Verbindung
Das Konzept von Kaleio stammt aus Polen. Marta Kosińska, eine der vier Mitgründerinnen, brachte die Idee aus ihrer Heimat mit. Ihre Töchter waren begeisterte Leserinnen des polnischen Kosmos-Magazins. In der Schweiz fand sie kein vergleichbares Angebot und beschloss, mit Martina Polek ein deutsches Pendant zu gründen.
Etwa die Hälfte der Beiträge in Kaleio stammt von polnischen Autorinnen. Diese werden professionell übersetzt. Diese enge Zusammenarbeit ist finanziell notwendig. Ohne die Inhalte aus Polen könnte das Magazin in der Schweiz nicht kostendeckend produziert werden. Der Bezug zu Polen wird nicht verheimlicht; im Impressum jeder Ausgabe findet sich ein Hinweis auf die Gründungsgeschichte.
Der Austausch mit der Kosmos-Redaktion ist eng. Die Teams treffen sich einmal jährlich, abwechselnd in Polen und der Schweiz. Sie sehen sich als strategische Partner. Die polnische Redaktion hat drei Jahre mehr Erfahrung, während Kaleio eigene Projekte wie das Schulprojekt entwickelt hat.
Vielfältige Angebote und Zukunftsaussichten
Kaleio bietet nicht nur das Magazin an. Das Team vermittelt auch Brieffreundschaften, was auf grosse Resonanz stösst. Das Bedürfnis nach analogem Austausch ist gross. Auch die Vernetzung von Mädchen, die sich für ähnliche Themen engagieren, wird gefördert. Eine Mädchenkonferenz brachte bereits 52 Teilnehmerinnen zusammen.
Schulmaterialien und Angebote für Firmen sind weitere Standbeine. Schulen sind jedoch ein schwieriges Pflaster, da sie mit Angeboten überflutet werden. Hier ist lange Aufbauarbeit nötig. Firmen zeigen sich ebenfalls zurückhaltend bei geschlechterspezifischen Angeboten. Für den Zukunftstag wurden daher Workshops für alle Geschlechter entwickelt. Grossunternehmen wie Swiss Re, ABB und Roche haben bereits mit Kaleio zusammengearbeitet.
Diese zusätzlichen Angebote finanzieren das Heft nicht direkt. Sie sind separate Bausteine, die Kaleio insgesamt robuster machen. Auch die Finanzierung durch Stiftungen ist kein Selbstläufer. Nach anfänglicher Anschubfinanzierung ist es schwieriger geworden. Martina Polek und ihr Team müssen viel Überzeugungsarbeit leisten. Zunehmend werden auch Spenden von Privatpersonen, insbesondere von Frauen mit Lebenserfahrung, gesucht.
Kaleio befindet sich in der Übergangsphase von einem Startup zu einem regulären Betrieb. Die grösste Herausforderung ist der Aufbau von Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängig sind. Martina Polek, die den Schritt von der Journalistin zur Unternehmerin gewagt hat, beschreibt den ständigen Kampf um Finanzierung, bleibt aber überzeugt vom Sinn ihrer Arbeit.
Finanzierungsstrategie
Kaleio setzt auf ein Modell mit mehreren Säulen: Abonnemente, Spenden von Privatpersonen und Stiftungen, sowie Angebote für Schulen und Unternehmen. Keiner dieser Bereiche ist selbsttragend, aber zusammen sorgen sie für eine breitere finanzielle Basis und reduzieren die Anfälligkeit für Schwankungen bei einzelnen Einnahmequellen.





