Seit Tagen sind Hunderte Schweizer Unternehmen von einem Totalausfall beim Hosting-Anbieter Webland betroffen. Webseiten und E-Mail-Konten bleiben unerreichbar. Für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bedeutet dies nicht nur einen erheblichen finanziellen Schaden, sondern bedroht ihre Existenz. Die Situation spitzt sich zu, während Unternehmen rechtliche Schritte prüfen.
Wichtige Punkte
- Webland-Totalausfall betrifft hunderte Schweizer KMU seit Tagen.
- Unternehmen verlieren Einnahmen und können wichtige Geschäftsabläufe nicht ausführen.
- Ein Basler Unternehmen schätzt seinen Schaden auf mindestens 80'000 Franken.
- Webland bestätigt den Eingang von Schadensersatzforderungen.
- Die Wiederherstellung der Dienste erfolgt nur schrittweise.
Finanzielle Einbussen und Existenzängste
Der Ausfall bei Webland hat weitreichende Konsequenzen. Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Geschäftsmodell stark von Online-Präsenz und E-Mail-Kommunikation abhängt. Ivica Vujcic, Geschäftsführer der Imova Swiss AG in Basel, berichtet von einem finanziellen Schaden von rund 80'000 Franken allein durch Personalkosten. Sein Unternehmen koordiniert den Innenausbau von Wohnobjekten. Die Unzugänglichkeit von E-Mails führte dazu, dass er den Überblick über rund hundert aktive Aufträge verlor und seine zwanzig Mitarbeitenden tagelang nicht effektiv einsetzen konnte.
Vujcic beschreibt die Situation als existenzbedrohend. Er befürchtete sogar, Konkurs anmelden zu müssen. Nur durch einen glücklichen Zufall und die schnelle Reaktion seines IT-Spezialisten konnte eine Teillösung gefunden werden. Die Domain war bei einem anderen Anbieter registriert, was die Umstellung auf einen neuen Host ermöglichte. Dennoch sind alte E-Mails weiterhin nicht zugänglich, und Vujcic hat bereits Anwälte eingeschaltet, um Schadensersatzforderungen zu prüfen.
Faktencheck
- 80'000 Franken: Geschätzter Schaden eines Basler KMU allein durch Personalkosten.
- Hunderte Unternehmen sind vom Ausfall betroffen.
- Der Ausfall dauert seit mehreren Tagen an.
Verpasste Geschäftschancen in der Hochsaison
Auch andere KMU erleben massive Schwierigkeiten. Andrea Sandra Sauter, Inhaberin eines Car-Unternehmens, konnte tagelang keine Offerten erstellen. Obwohl ihre Webseite inzwischen wieder funktioniert, weiss sie nicht, wie viele Anfragen in der wichtigen Vorweihnachtszeit verloren gingen. Viele Betriebe buchen in dieser Zeit Transporte für Weihnachtsessen. Die fehlende Erreichbarkeit hat das Geschäft stark beeinträchtigt.
Für Mike, der ein Hotel und Restaurant in Saas-Fee betreibt, kommt der Ausfall zur denkbar ungünstigsten Zeit. Das Skigebiet ist bereits geöffnet, und die Nachfrage wäre enorm. Doch ohne funktionierende Webseite und E-Mails kann er weder mit Gästen kommunizieren noch Reservationen annehmen, verwalten oder stornieren. Lediglich über externe Plattformen können Buchungen eingehen, aber die direkte Kommunikation fehlt. Dies führt zu erheblichen Einnahmeverlusten im Restaurantbereich.
"Wir stehen kurz vor der Hochsaison und können weder mit Gästen kommunizieren noch Reservationen annehmen, verwalten oder stornieren."
Mike, Hotelier aus Saas-Fee
Unsicherheit und drohende Langzeitfolgen
Die Unsicherheit über die vollständige Wiederherstellung der Daten belastet die Betroffenen zusätzlich. Prisca, Inhaberin von Reitsport Gerber in der Ostschweiz, erlebte eine Katastrophe während der sogenannten Black Week. Ihr gesamter Onlineshop war offline, was zu einem kompletten Ausfall der Online-Umsätze führte. Auch hier konnte nur eine provisorische Webseite ohne Shop aufgeschaltet werden, da die Domain nicht direkt über Webland lief.
Prisca äussert grosse Sorge: "Was, wenn sich am Ende nicht alles wiederherstellen lässt? Das würde für uns einen enormen Mehraufwand bedeuten." Diese Angst teilen viele andere Unternehmen. Der Verlust alter E-Mails und Daten könnte langfristige Folgen für die Geschäftsabläufe und Kundenbeziehungen haben. Selbst wenn die Dienste wiederhergestellt werden, bleibt der Aufwand für die Aufarbeitung der verlorenen Zeit und die Behebung der entstandenen Schäden enorm.
Hintergrund
Webland gehört zur schwedischen Miss Group, einem internationalen Hosting-Anbieter. Solche Totalausfälle sind für Kunden immer kritisch, besonders für KMU, die oft keine redundanten Systeme oder alternative Kommunikationskanäle haben.
Webland bestätigt Schadensersatzforderungen
Jimmie Eriksson, COO der Miss Group, zu der Webland gehört, bestätigt den Eingang von Schadensersatzforderungen. Er versichert, dass diese bearbeitet werden, sobald alle Dienste wieder vollständig funktionieren. Die Bearbeitung erfolgt gemäss den allgemeinen Geschäftsbedingungen von Webland. Eine genaue Prognose, wann alle Systeme wieder laufen, kann Eriksson jedoch nicht geben. Er spricht von schrittweisen Fortschritten, aber ein grosser Teil der Webseiten bleibt weiterhin unerreichbar.
Die genaue Anzahl der betroffenen Webseiten und E-Mail-Konten gibt Webland nicht bekannt. Dies trägt zur Frustration der Kunden bei, die sich im Unklaren über den Status ihrer Dienste fühlen.
Konsequenzen für die Zukunft
- Viele KMU prüfen rechtliche Schritte gegen Webland.
- Der Vorfall könnte das Vertrauen in Hosting-Anbieter nachhaltig schädigen.
- Unternehmen werden möglicherweise ihre Backup-Strategien überdenken und diversifizieren.
Der Ausfall zeigt deutlich, wie abhängig moderne Unternehmen von einer stabilen digitalen Infrastruktur sind. Die fehlende Kommunikation und die Ungewissheit über die Datenrettung sind für viele Kunden ebenso belastend wie der finanzielle Schaden. Die Situation bleibt angespannt, während die betroffenen Unternehmen auf eine baldige und vollständige Wiederherstellung ihrer Dienste hoffen.





