In Reinach hat ein ehemaliges Bürogebäude aus den 1980er-Jahren eine neue Bestimmung gefunden. Anstatt es abzureissen, wurde das robuste Gebäude zu einer modernen Musikschule umgebaut. Dieses Projekt zeigt, wie bestehende Architektur nachhaltig und kreativ genutzt werden kann.
Wichtige Punkte
- Ein Bürogebäude aus den 1980er-Jahren wurde zur Musikschule umgebaut.
- Das Projekt setzte auf minimalen Rückbau und maximale Wiederverwendung von Materialien.
- Die Umbaukosten von 8,9 Millionen Franken liegen auf Neubau-Niveau.
- Der grosse Saal fasst bis zu 90 Personen und ist ein architektonisches Highlight.
- Die Musikschule schafft Synergien und zusätzliche Raumkapazitäten für die Gemeinde.
Nachhaltigkeit im Fokus der Transformation
Der Umbau des ehemaligen Bürogebäudes in Reinach zu einer Musikschule ist ein Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung. Das Architekturbüro Burckhardt Architektur entschied sich bewusst gegen einen Abriss. Stattdessen konzentrierten sich die Planer darauf, die vorhandene Struktur zu nutzen und zu transformieren.
Diese Entscheidung spart nicht nur Ressourcen, sondern bewahrt auch die sogenannte graue Energie. Graue Energie ist die Energie, die für die Herstellung, den Transport und die Entsorgung von Baumaterialien aufgewendet wird. Durch den Erhalt des Bestandsgebäudes konnte ein Grossteil dieser Energie gesichert werden.
Faktencheck
- Umbaukosten: 8,9 Millionen Franken
- Kubikmeterpreis: Knapp 1'500 Franken
- Kapazität grosser Saal: Bis zu 90 Personen
- Bauzeit: Umbau abgeschlossen, Unterricht kann beginnen
Architektonische Herausforderung und kreative Lösungen
Das ursprüngliche Bürogebäude aus den 1980er-Jahren war bekannt für seine nüchterne und rationelle Bauweise. Das klare Stützenraster des Tragwerks erwies sich jedoch als Vorteil. Es ermöglichte eine flexible Neueinteilung der Geschosse.
Christina Muchsel, Partnerin bei Burckhardt Architektur, betonte die Leitlinien des Projekts:
„Unsere Leitlinien waren: Minimaler, selektiver Rückbau und maximaler Einsatz von regenerativen und auch wiederverwendeten Bauteilen.“Diese Philosophie prägt das gesamte Gebäude, innen wie aussen.
Fassadenerhalt und Innenausbau
Die aluminiumverkleidete Fassade des Gebäudes blieb erhalten. Sie wurde sorgfältig gereinigt und neu beschichtet. Auch der Beton im Inneren wurde gereinigt und ausgebessert. Eine Lasur schützt ihn und betont die ursprüngliche Ästhetik.
Die originalen Fenster wurden beibehalten und durch eine zweite Ebene aus Holzfenstern ergänzt. Diese Massnahme dient dem zusätzlichen Schallschutz, der für eine Musikschule unerlässlich ist. Das Prinzip der Wiederverwendung zog sich durch den gesamten Umbau.
Hintergrund zur Wiederverwendung
Die Wiederverwendung von Baumaterialien, auch Re-Use genannt, gewinnt im Bauwesen an Bedeutung. Sie hilft, den Verbrauch neuer Ressourcen zu reduzieren und Abfall zu vermeiden. Dieses Projekt zeigt, dass Re-Use nicht nur ökologisch, sondern auch ästhetisch anspruchsvoll sein kann.
Klangvolle Räume und durchdachtes Konzept
Im Inneren des Gebäudes findet sich die Logik des Weiterbauens überall wieder. Abgehängte Decken aus dem Bestand wurden beispielsweise zu Akustikwandelementen in den Unterrichtsräumen. Verspiegelte Chromstahl-Deckenelemente, die früher funktionale Abhangdecken waren, erweitern heute optisch das Foyer und die Korridore im Erdgeschoss.
Das Herzstück der Musikschule ist der grosse Saal im Erdgeschoss. Er bietet Platz für bis zu 90 Personen und bildet einen starken Kontrast zur ursprünglichen Bürokultur. Eine Lehmsteinwand prägt den Raum und bildet eine gefasste Bühnenfläche. Der Holzpflasterboden und die vielen Deckenleuchten schaffen eine festliche und warme Atmosphäre.
Raum-im-Raum-Prinzip für optimale Akustik
Der grosse Saal ist nach dem Raum-im-Raum-Prinzip konstruiert. Dieses Prinzip sorgt für eine hervorragende Schalldämmung. Es kommt auch im ersten Obergeschoss zum Einsatz, um Musikräume mit starker Schallentwicklung von ruhigeren Bereichen zu trennen.
Auf vier oberirdischen Geschossen verteilen sich Übungsräume, Bandräume mit Regiebereichen und schallisolierte «Silent-Räume». Im zweiten Obergeschoss befinden sich die Räume für Lehrpersonal und Schulleitung. Jedes Geschoss hat eine eigene Farbgebung, während die linearen Gänge bewusst in neutralen Grautönen gehalten sind.
Integration ins Quartier und Synergien
Städtebaulich fügt sich die Musikschule neu ins Quartier ein. Der frühere Anschluss an Lagerhallen ist heute der Eingangsbereich. Eine hinterlüftete Holzfassade akzentuiert den Sockel. Eine lange Bank lädt zum Verweilen ein. Ein Bullauge erlaubt Einblicke ins Innere des Gebäudes.
Teile der Westfassade werden begrünt. Dies bindet das Gebäude in das Wohnquartier Hinterkirch ein, welches Burckhardt in den letzten Jahren aus einem Industrieareal entwickelt hat. Philipp Löffel, Projektleiter bei Burckhardt Entwicklungen, äusserte sich dazu:
„Uns war wichtig, eine sinnvolle und dem Quartier dienende Nachnutzung zu finden, statt das gut erhaltene Bürogebäude abzubrechen.“
Die Gesamtkosten für den Umbau belaufen sich auf 8,9 Millionen Franken. Der Kubikmeterpreis liegt damit bei knapp 1'500 Franken, was auf dem Niveau eines Neubaus ist. Der Wert des Projekts liegt jedoch nicht nur in der Wirtschaftlichkeit. Er liegt im Erhalt der grauen Energie und in der kulturellen Aufwertung des Bestands.
Stefan Haller, Geschäftsleiter Technische Verwaltung der Gemeinde Reinach, betonte die Vorteile:
„Der Zusammenzug der Musikschule schafft Synergien und Mehrwert und sorgt gleichzeitig für zusätzliche Raumkapazitäten in den Primarschulhäusern und Kindergärten.“Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat am Open House Basel 2026 die Gelegenheit, die Musikschule zu besichtigen. Der Klang ist gut. Zuhören lohnt sich.





