Die umfassenden Baupläne des Pharmakonzerns Roche in Basel sehen eine tiefgreifende Umgestaltung des Südareals am Rhein vor. Doch diese Entwicklung stösst auf neuen Widerstand. Ein Anwohner hat gegen den Bebauungsplan Rekurs eingereicht. Dies könnte die ehrgeizigen Projekte des Unternehmens für Jahre blockieren.
Wichtige Punkte
- Anwohner Michael D’Souza hat Rekurs gegen den Roche-Bebauungsplan eingereicht.
- Der Rekurs könnte die Bauprojekte um Jahre verzögern.
- Im Zentrum der Kritik steht ein möglicher dritter Hochhausturm, Bau 3.
- Roche betont, dass es noch kein konkretes Projekt für Bau 3 gibt und keine zusätzlichen Büroflächen geplant sind.
- Das Basler Parlament hatte den Bebauungsplan im Oktober 2025 genehmigt.
Neuer Widerstand gegen Roche-Pläne
Roche plant seit Jahren eine umfassende Entwicklung seines Areals in Basel. Dazu gehören der Abriss mehrerer bestehender Gebäude, die Schaffung eines Parks und der Bau eines neuen Besucherzentrums. Langfristig ist auch ein dritter, noch höherer Turm, der sogenannte Bau 3, vorgesehen. Das Basler Parlament gab diesen Plänen im Herbst 2025 grünes Licht, trotz anfänglicher Kritik aus verschiedenen Kreisen.
Nun droht den Plänen ein juristisches Nachspiel. Michael D’Souza, ein Anwohner des Roche-Areals, hat gegen den genehmigten Bebauungsplan Rekurs eingelegt. Er kritisiert, dass das Parlament Roche mit der Zustimmung eine Art Freipass für weitere Bauprojekte erteilt habe.
«Wir leiden wirklich unter diesen Bauprojekten und den ganzen Begleiterscheinungen», sagt Anwohner Michael D’Souza.
Er ist nicht allein mit dieser Meinung. Viele Anwohner in der Umgebung des Roche-Areals teilen seine Bedenken. Die ständigen Bauarbeiten und deren Auswirkungen belasten die Lebensqualität vor Ort.
Der umstrittene Bau 3 im Fokus
Ein zentraler Punkt des Rekurses ist der geplante Bau 3. D’Souza bezeichnet die Genehmigung des Bebauungsplans als «Carte Blanche» für diesen dritten Turm. Er bemängelt, dass die Diskussion über den Bau 3 während der Parlamentsdebatte zu kurz kam. Die Debatte konzentrierte sich hauptsächlich auf den Abriss des alten Industriegebäudes Bau 52 und die Zugänglichkeit des geplanten Parks für die Öffentlichkeit.
Faktencheck: Bau 3
- Der geplante Bau 3 wäre mit 221 Metern das höchste Hochhaus der Schweiz.
- Er würde die bestehenden Roche-Türme überragen.
- Aktuell gibt es kein konkretes Projekt für Bau 3, nur eine langfristige Vision.
Die Dimensionen des Bau 3 sind beachtlich. Mit einer geplanten Höhe von 221 Metern würde er die bisherigen Roche-Türme übertreffen und zum höchsten Gebäude der Schweiz werden. Ob dieser Turm jemals realisiert wird, ist jedoch noch offen. Roche hat hierzu noch kein konkretes Baugesuch eingereicht.
Kritik am Verfahren und mögliche Folgen
D’Souza kritisiert das gesamte Verfahren. Er argumentiert, ein Bebauungsplan solle «kurze und mittelfristige Bedürfnisse abdecken und nicht langfristige Visionen auf Vorrat». Der Bau 3 sei jedoch Teil einer langfristigen Vision, für die noch kein konkretes Projekt existiert. Die Genehmigung des Bebauungsplans schafft aus seiner Sicht bereits Tatsachen, die später schwer zu ändern sind.
Hintergrund: Parlamentsentscheid
Das Basler Parlament stimmte dem Bebauungsplan im Oktober 2025 zu. Dies geschah trotz Widerstands aus Architekturkreisen und einer Petition mit über 600 Unterschriften. Parteien wie SP, Grüne und Basta scheiterten mit Änderungsanträgen. Der Bebauungsplan bildet die juristische Grundlage für weitere Bautätigkeiten auf dem Areal.
Roche hat zu den Vorwürfen schriftlich Stellung genommen. Das Unternehmen bestätigt, dass Bau 3 Teil einer langfristigen Vision ist und derzeit kein konkretes Projekt existiert. Der Bedarf an zusätzlichen Arbeitsplätzen in Basel hänge von der globalen Entwicklung des Konzerns ab. Die Berichte des Basler Parlaments weisen zudem darauf hin, dass keine zusätzlichen Büroflächen geschaffen würden. Der neue Turm würde Ersatzflächen für Gebäude bieten, die im Zuge der Transformation abgerissen werden. Dadurch soll auch kein zusätzlicher Verkehr entstehen.
Droht eine jahrelange Blockade?
Der Rekurs von Michael D’Souza hat formal keine aufschiebende Wirkung. Roche könnte also theoretisch mit der Planung fortfahren. Doch mehrere Fachleute sehen die Situation anders. Sie gehen davon aus, dass Roche durch den Rekurs für Jahre blockiert sein könnte. D’Souza hat angekündigt, notfalls bis vor Bundesgericht zu ziehen. Ein solches Verfahren kann sich über Jahre hinziehen.
In dieser Zeit wird Roche kaum vollendete Tatsachen schaffen und mit dem Bau beginnen. Dies würde nicht nur ein schlechtes Bild abgeben, sondern auch die Diskussionen in der Politik weiter anheizen. In Basel wird bereits seit einiger Zeit kritisch hinterfragt, ob der Kanton den grossen Pharmafirmen zu sehr entgegenkommt.
Das Basler Baudepartement wollte sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äussern. Es teilte jedoch mit, dass es mit einem Rekurs gerechnet habe. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.





