Ein Kunstwerk im Herzen Basels sorgt für Diskussionen. Auf einer öffentlichen Sitzbank beim Unternehmen Mitte, die Namen von Persönlichkeiten ehrt, wurde kürzlich der Name Manuel Corchia eingraviert. Corchia ist ein bekanntes Mitglied der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat» und mehrfach vorbestraft. Diese Ergänzung wirft Fragen zur Auswahl der Namen und zur Rolle von Kunst im öffentlichen Raum auf.
Wichtige Punkte
- Der Name Manuel Corchia, ein rechtsextremes Mitglied der «Jungen Tat», ist auf einer Kunst-Sitzbank in Basel eingraviert.
- Die Bank ist Teil des Kunstwerks «Bank & Stapel» von Raphael Bottazzini, das Namen von lebenden Personen präsentiert.
- Die Auswahl der Namen erfolgt durch ein Komitee, das bewusst auch kontroverse Persönlichkeiten berücksichtigt.
- Weder das Unternehmen Mitte noch die Stiftung Edith Maryon haben Einfluss auf die Namenswahl.
- Das Projekt zielt darauf ab, Irritationen hervorzurufen und den Diskurs über die Vielfalt der Gesellschaft anzuregen.
Ein Kunstwerk, das zum Nachdenken anregen soll
Die Sitzbank, die sich an der Gerbergasse 30 befindet, ist Teil des Kunstwerks «Bank & Stapel». Raphael Bottazzini, der Künstler und Galerist, kuratiert dieses Projekt. Das Ziel ist, Namen von lebenden Personen zu zeigen, die die Welt repräsentieren. Die Namen werden regelmässig ausgetauscht, um unterschiedliche Menschen in der Stadt ins Gespräch zu bringen.
Im Dezember wurde der Name Manuel Corchia hinzugefügt. Er steht nun neben Persönlichkeiten wie der Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach und dem Bildhauer Roman Signer. Diese Nebeneinanderstellung hat in der Öffentlichkeit Irritationen ausgelöst.
Faktencheck
- Manuel Corchia ist Mitbegründer und aktives Mitglied der rechtsextremen Gruppierung «Junge Tat».
- Gegen Corchia laufen gerichtliche Ermittlungen, unter anderem wegen Rassendiskriminierung.
- Er ist bereits mehrfach vorbestraft.
Die Rolle des Komitees und die Absicht des Künstlers
Bottazzini erklärt, dass die Namen von einem Komitee an ihn herangetragen werden. Dieses Komitee besteht aus Personen, die das Konzept der Bank verstehen. Sie sollen bewusst auch kontroverse Namen vorschlagen, die ihnen aufgefallen sind. Dies können auch Menschen aus dem engeren Umfeld sein.
Der Künstler sieht die Bank als eine kleine Welt. Sie soll dazu anregen, darüber nachzudenken, wie man mit Menschen umgeht, mit denen man nicht einverstanden ist. Die Bevölkerung ist dabei ein Teil der Bank und ihrer Einordnung. Eine soziale Betrachtung ist Bottazzini wichtig. Er sagt, die Schwierigkeit liege im Gleichgewicht beim Kuratieren. Ein schwieriger Name stehe immer neben weiteren Namen, die ebenfalls wirken.
«Die Bank zeigt Namen von lebenden Personen, die die Welt repräsentieren.»
Raphael Bottazzini, Künstler
Ein Langzeitprojekt mit weitreichenden Zielen
Jeden Monat wird ein Brett mit Namen ausgewechselt. Diese Bretter werden danach im Ausstellungsraum «Artachment» in Kleinhüningen zu einem Stapel. Das Projekt ist als Langzeitprojekt angelegt. Es dauert an, bis der Stapel die Decke des Raums berührt. Erst dann gilt die Skulptur als abgeschlossen. Danach kann eine neue Skulptur entstehen.
Der Projektbeschrieb hält fest, dass Passantinnen und Passanten, die vorbeigehen oder auf der Bank Platz nehmen, über die Namen nachdenken sollen. Sie sollen in Interaktion mit den Menschen treten, die hier in den Vordergrund gehoben werden. Es soll an Namen und Ereignisse erinnert werden, «die zum gegebenen Zeitpunkt für Kollektiv und Individuum eine Relevanz hatten, bemerkens- oder einfach nur merkenswert waren.» Die Irritationen, die durch die scheinbar willkürliche und breit gestreute Namensauswahl entstehen, sind nicht nur beabsichtigt, sondern eine Zwangsläufigkeit.
Kein Mitspracherecht für Anrainer
Das Unternehmen Mitte, vor dessen Eingang die Bank steht, hat nach eigenen Angaben kein Mitspracherecht bei der Wahl der Namen. Daniel Häni, Mitbegründer und Gesellschafter vom Unternehmen Mitte, erklärte, er habe bis zur Anfrage keine Kenntnis von der neuen Namensgravur gehabt. Er betont, dass es vom Unternehmen Mitte aus keine Identifikation mit den genannten Personen gibt.
Hintergrund zum Unternehmen Mitte
Das Unternehmen Mitte ist ein bekannter Treffpunkt in Basel. Es beherbergt ein Café, eine Bar und verschiedene kulturelle Angebote. Der Ort ist bekannt für seine Offenheit und Vielfalt. Die Platzierung des Kunstwerks vor diesem Hintergrund verstärkt die Diskussion über die Namenswahl.
Auch die Stiftung Edith Maryon, die sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet, hat keinerlei Einfluss auf die Bank. Die genannten Personen werden weder über die Aufnahme ihres Namens informiert noch um ihre Zustimmung gebeten. Es bleibt abzuwarten, wie sie darauf reagieren, zusammen mit Manuel Corchia genannt zu werden.
Irritation als Kunstform
Wenn das Ziel des Kunstprojekts ist, Irritationen hervorzurufen, so ist dies mit der Aufnahme von Manuel Corchia gelungen. Die Frage, ob ein Mitglied einer rechtsextremen Gruppierung tatsächlich «die Welt repräsentiert», bleibt jedoch zumindest fragwürdig. Die Debatte um die Bank und ihre Namensauswahl zeigt die Herausforderungen auf, wenn Kunst im öffentlichen Raum bewusst provoziert und gesellschaftliche Grenzen auslotet. Die Bank zwingt Betrachter dazu, sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen, auch wenn diese kontrovers sind.





