Das Sinfonieorchester Basel lädt zu seinem fünften Abonnementkonzert der Saison ein, einem Abend, der zwei Giganten der Spätromantik vereint. Unter der Leitung von Chefdirigent Markus Poschner erklingen im Stadtcasino Basel eine Auswahl aus Gustav Mahlers Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ sowie die monumentale Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss.
Für die Interpretation der Mahler-Lieder konnte mit dem deutschen Bariton Christian Gerhaher einer der international gefragtesten Sänger seiner Generation gewonnen werden. Die Konzerte finden am 28. und 29. Januar statt und versprechen eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen von Natur, Menschsein und Transzendenz.
Das Wichtigste in Kürze
- Veranstaltung: Fünftes Abonnementkonzert des Sinfonieorchesters Basel.
- Programm: Lieder aus Gustav Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“ und Richard Strauss' „Also sprach Zarathustra“.
- Mitwirkende: Chefdirigent Markus Poschner und der Bariton Christian Gerhaher.
- Ort & Datum: 28. und 29. Januar, jeweils 19:30 Uhr im Stadtcasino Basel.
- Tickets: Erhältlich ab 35 Schweizer Franken.
Ein Abend der Kontraste und philosophischen Tiefe
Das Programm des Abends stellt zwei Werke gegenüber, die auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, bei genauerer Betrachtung jedoch thematische Parallelen aufweisen. Beide Komponisten, Gustav Mahler und Richard Strauss, waren Meister der Orchesterfarben und schöpften aus der reichen Tradition der deutschen Romantik, um die grossen Fragen des Lebens musikalisch zu ergründen.
Während Mahler in seinen Liedern die menschliche Seele in all ihren Facetten – von kindlicher Naivität über bitteren Humor bis hin zu tiefer Tragik – auslotet, entwirft Strauss ein gewaltiges klangliches Panorama, das von Friedrich Nietzsches philosophischem Epos inspiriert ist. Der Abend verspricht somit eine Reise von der intimen Miniatur zur orchestralen Grösse.
Christian Gerhaher interpretiert Mahlers Wunderhorn-Lieder
Ein besonderer Höhepunkt des Konzerts ist der Auftritt von Christian Gerhaher. Der deutsche Bariton gilt als einer der führenden Liedinterpreten unserer Zeit, dessen analytischer Scharfsinn und stimmliche Ausdruckskraft ihn zu einem idealen Interpreten für Mahlers komplexe Vokalwerke machen.
Die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ basiert auf einer Sammlung deutscher Volksdichtung von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Mahler war fasziniert von der Direktheit und dem oft surrealen Charakter dieser Texte. Er vertonte sie nicht einfach, sondern schuf eigenständige musikalische Erzählungen, die zwischen Ironie, Militärparodie und existenzieller Not schwanken.
Hintergrund: „Des Knaben Wunderhorn“
Die Texte aus „Des Knaben Wunderhorn“ zogen sich wie ein roter Faden durch Mahlers frühes Schaffen. Sie lieferten nicht nur die Grundlage für seine Lieder, sondern auch thematisches Material für seine ersten vier Sinfonien. Die Sammlung umfasst Themen wie Natur, Soldatenleben, kindliche Fantasie und den Tod, die Mahler mit einer für seine Zeit revolutionären Instrumentation umsetzte.
Gerhahers Fähigkeit, Text und Musik bis ins kleinste Detail zu durchdringen, verspricht eine Interpretation, die die Zuhörer direkt in die emotionale Welt dieser scharfsinnigen Miniaturen entführt. Seine Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester Basel unter Poschner lässt eine nuancierte und zugleich kraftvolle Darbietung erwarten.
Die Klanggewalt von „Also sprach Zarathustra“
Nach der Pause folgt mit Richard Strauss' Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ ein Werk, das Musikgeschichte geschrieben hat. Komponiert im Jahr 1896, ist es eine freie musikalische Auseinandersetzung mit Nietzsches gleichnamigem philosophischem Werk. Weltberühmt wurde vor allem die Einleitung des Stücks, die durch ihre Verwendung in Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“ zu einem Symbol für kosmische Grösse wurde.
Die berühmte Fanfare mit Orgel, Kontrafagott und Pauken, die den Sonnenaufgang darstellt, ist jedoch nur der Beginn einer komplexen musikalischen Reise. Strauss gliederte das Werk in neun Abschnitte, die sich auf Kapitel aus Nietzsches Buch beziehen, darunter „Von den Hinterweltlern“, „Von der grossen Sehnsucht“ und „Von der Wissenschaft“.
Ein Orchester am Limit
„Also sprach Zarathustra“ stellt extreme Anforderungen an das Orchester. Strauss nutzt einen riesigen Apparat, der neben einem grossen Streicher- und Bläserensemble auch eine Orgel, zwei Harfen und ein umfangreiches Schlagwerk umfasst. Die Komposition ist bekannt für ihre klangliche Opulenz und ihre dynamischen Extreme, von kaum hörbaren Passagen bis zu ohrenbetäubenden Höhepunkten.
Markus Poschner am Pult
Die Leitung dieses monumentalen Werks liegt in den Händen von Markus Poschner. Der Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel ist bekannt für seine energiegeladenen und strukturell klaren Interpretationen. Seine Herangehensweise an das spätromantische Repertoire ist darauf ausgerichtet, sowohl die emotionale Wucht als auch die filigrane Architektur der Partituren offenzulegen.
Unter seiner Führung wird das Orchester die philosophische Erzählung von Strauss nachzeichnen – den Konflikt zwischen Natur und Geist, die Entwicklung des Menschen und die Suche nach einem höheren Sinn. Es ist ein Werk, das wie kaum ein anderes die Möglichkeiten des Sinfonieorchesters an seine Grenzen treibt und dem Publikum ein unvergessliches Klangerlebnis bietet.
Die Musik von Mahler und Strauss fordert uns heraus, über uns selbst und unseren Platz in der Welt nachzudenken. Sie verbindet tief persönliche Empfindungen mit universellen Fragen.
Informationen zu den Konzertabenden
Das fünfte Abonnementkonzert des Sinfonieorchesters Basel ist eine seltene Gelegenheit, zwei Schlüsselwerke der Musik um 1900 in einer erstklassigen Besetzung zu erleben. Die Kombination aus Christian Gerhahers Liedkunst und der orchestralen Pracht unter Markus Poschner verspricht einen Abend von aussergewöhnlicher musikalischer und intellektueller Dichte.
- Was: 5. Abokonzert „Also sprach Zarathustra“
- Wer: Sinfonieorchester Basel, Markus Poschner (Dirigent), Christian Gerhaher (Bariton)
- Wann: Mittwoch, 28. Januar, und Donnerstag, 29. Januar, jeweils 19:30 Uhr
- Wo: Stadtcasino Basel, Musiksaal
- Tickets: Erhältlich ab 35 CHF an den üblichen Vorverkaufsstellen und online.
Musikliebhaber sollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, in die klanglichen Welten von Gustav Mahler und Richard Strauss einzutauchen, die bis heute nichts von ihrer Faszination und Relevanz verloren haben.





