Eine neue Initiative schlägt eine radikale Umgestaltung des Klybeck-Hafenareals vor. Wo heute Industrie und Beton das Bild prägen, könnte in Zukunft eine grüne Rheininsel entstehen – eine Rückkehr zur historischen Landschaft des 19. Jahrhunderts. Das Projekt zielt darauf ab, einen neuen Natur- und Erholungsraum für die Basler Bevölkerung zu schaffen und die Stadt an den Rhein zurückzubringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Bürgerinitiative fordert die Renaturierung eines Teils des Klybeck-Hafenareals.
- Die Vision sieht die Wiederherstellung einer historischen Rheininsel vor, die einst an dieser Stelle existierte.
- Das Projekt soll einen neuen öffentlichen Grün- und Erholungsraum schaffen.
- Es steht im Kontext der grossen städtebaulichen Transformation des Hafen- und Klybeckquartiers.
Ein Blick zurück in die Geschichte
Wer heute vom St. Johann aus rheinabwärts blickt, sieht eine von Industrie und Hafenanlagen geprägte Uferlinie. Doch historische Karten und Gemälde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnen ein völlig anderes Bild. An der Stelle des heutigen Klybeckquais befand sich eine langgestreckte, bewaldete Insel, die das Ufer säumte und eine natürliche Auenlandschaft bildete.
Diese Insel war ein charakteristisches Merkmal der Basler Rheinlandschaft, bevor die Industrialisierung und der Ausbau des Hafens ab dem späten 19. Jahrhundert das Gesicht des Gebiets für immer veränderten. Das Ufer wurde begradigt, der Rheinarm zugeschüttet und die Insel verschwand, um Platz für Gleise, Lagerhallen und Fabriken zu schaffen.
Die industrielle Prägung des Klybeck
Das Klybeck-Areal ist seit über einem Jahrhundert ein zentraler Standort der chemischen Industrie und der Logistik. Die Entwicklung des Rheinhafens machte das Gebiet zu einem wichtigen Umschlagplatz für Waren. Diese intensive Nutzung führte zur vollständigen Überformung der ursprünglichen Naturlandschaft.
Die Vision einer „grünen Lunge“
Die Initiative „Klybeck-Insel zurück“ möchte diese historische Landschaft nun wiederbeleben. Die Initianten argumentieren, dass die bevorstehende Transformation des Hafenareals eine einmalige Chance bietet, nicht nur neuen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, sondern auch einen ökologischen und sozialen Mehrwert für die ganze Stadt zu generieren.
Ihre Vision sieht vor, einen Teil des heutigen Uferbereichs abzutragen und einen neuen Rheinarm zu fluten. Dadurch würde eine Insel entstehen, die als öffentlicher Park und Naturschutzgebiet dienen könnte. „Wir wollen der Stadt ein Stück ihrer Seele zurückgeben“, erklärt ein Sprecher der Initiative. „Eine zugängliche, grüne Insel wäre ein unschätzbarer Gewinn für die Lebensqualität in den dicht besiedelten Quartieren.“
Konkrete Ziele des Projekts
Die Pläne der Initiative sind mehr als nur eine romantische Idee. Sie verfolgen konkrete stadtplanerische und ökologische Ziele:
- Schaffung von Erholungsraum: Die Insel soll als Park mit Liegewiesen, Spazierwegen und Badezugängen gestaltet werden.
- Förderung der Biodiversität: Durch die Renaturierung sollen neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere im städtischen Raum entstehen.
- Verbesserung des Stadtklimas: Eine grosse Grünfläche mit Wasseranbindung würde als „grüne Lunge“ zur Kühlung der Umgebung beitragen.
- Stärkung der Identität: Die Wiederherstellung eines historischen Landschaftselements könnte die Verbindung der Basler zu ihrem Fluss stärken.
Historische Ansicht
Ein bekanntes Gemälde von J.J. Schneider aus dem Jahr 1855 zeigt den Blick von der Rheinschanze St. Johann rheinabwärts. Darauf ist die heute verschwundene Klybeck-Insel deutlich als grünes Band entlang des Ufers zu erkennen.
Herausforderungen und Chancen
Ein Projekt dieser Grössenordnung ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Die Kosten für den Landabtrag, die Flutung und die Gestaltung der Insel wären beträchtlich. Zudem müssten komplexe Fragen der Bodensanierung geklärt werden, da das Areal eine lange industrielle Vorgeschichte hat.
Auch die Abstimmung mit der laufenden Hafen- und Stadtentwicklung wäre eine grosse Aufgabe. Die Flächen werden derzeit für die Logistik benötigt und sind ein zentraler Bestandteil der kantonalen Entwicklungsstrategie „Hafen-Stadt“. Die Vision der Insel müsste in die bestehenden Planungen integriert werden.
„Es geht nicht darum, die Entwicklung zu blockieren, sondern sie um eine mutige, grüne Komponente zu erweitern. Eine Stadt wie Basel muss es sich leisten können, solche visionären Projekte zu denken und umzusetzen.“
Trotz der Hürden sehen die Befürworter enorme Chancen. Sie verweisen auf erfolgreiche Renaturierungsprojekte in anderen europäischen Städten, die zu einer deutlichen Aufwertung der Lebensqualität geführt haben. Ein solches Projekt könnte Basel als Vorreiterin einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung positionieren, die Industrie, Wohnen und Natur miteinander in Einklang bringt.
Wie geht es weiter?
Die Initiative befindet sich derzeit in der Phase der Ideenfindung und sammelt Unterstützung in der Bevölkerung und der Politik. Der Vorschlag, die Klybeck-Insel wiederzubeleben, wird nun in die öffentliche Debatte über die Zukunft des Hafenareals eingebracht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese grüne Vision eine realistische Chance hat, die Stadtlandschaft Basels im 21. Jahrhundert nachhaltig zu prägen.
Die Diskussion über das Projekt berührt grundlegende Fragen der Stadtentwicklung: Welchen Wert geben wir öffentlichen Grünflächen? Wie wollen wir die Beziehung unserer Stadt zum Rhein gestalten? Und wie viel Mut haben wir, grosse Visionen für die Zukunft Basels zu verfolgen?





