Muttenz setzt einen weiteren wichtigen Schritt zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Nach den Erfahrungen von 2016, als der Dorfkern zweimal überschwemmt wurde, plant die Gemeinde nun den Bau eines grossen Rückhaltebeckens im Gebiet Weiermatt. Dieses Becken soll Muttenz künftig vor einem sogenannten Jahrhunderthochwasser schützen. Die Öffentlichkeit konnte sich kürzlich über die Pläne informieren.
Wichtigste Punkte
- Neues Rückhaltebecken in Weiermatt soll Muttenz schützen.
- Kapazität von 21'000 Kubikmetern Wasser geplant.
- Schutz vor Hochwassern der Grössenordnung eines Jahrhunderthochwassers.
- Öffentliche Mitwirkung bis zum 12. Dezember 2025.
- Ökologische Aufwertung des Eselhallenbächlis vorgesehen.
Hintergrund: Die Hochwasser von 2016
Das Jahr 2016 bleibt vielen Einwohnern von Muttenz in Erinnerung. Zweimal innerhalb kurzer Zeit stand der Dorfkern unter Wasser. Diese Ereignisse machten deutlich, dass die bestehende Infrastruktur nicht ausreichte, um grössere Wassermengen sicher abzuleiten. Die Gemeinde reagierte damals bereits und erweiterte die Kapazität ihrer Kanalisation. Dies war ein erster wichtiger Schritt, um mehr Wasser aus dem Dorfbach aufnehmen und abführen zu können.
Faktencheck
- 2016: Zwei schwere Hochwasser im Dorfkern von Muttenz.
- Danach: Kapazität der Kanalisation wurde erhöht.
- Ziel: Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser.
Das neue Rückhaltebecken im Weiermatt
Um einen umfassenderen Schutz zu gewährleisten, haben Kanton und Gemeinde gemeinsam ein Variantenstudium durchgeführt. Das Ergebnis ist klar: Ein Rückhaltebecken im Gebiet Weiermatt bietet die beste Lösung. Es wird auf Höhe des heutigen Feuerwehrweihers entstehen und eine natürliche Senke als Staubereich nutzen.
Dieses Becken ist darauf ausgelegt, bis zu 21'000 Kubikmeter Wasser aufzufangen. Das entspricht ungefähr dem Volumen von acht olympischen Schwimmbecken. Durch einen speziellen Durchlass im Damm wird sichergestellt, dass nur so viel Wasser in den Dorfbach gelangt, wie die Kanalisation im Dorf bewältigen kann. Dies verhindert, dass das Dorf bei starken Regenfällen erneut überflutet wird.
Was ist ein Jahrhunderthochwasser?
Ein Jahrhunderthochwasser bezeichnet ein Hochwasserereignis, das statistisch gesehen einmal in hundert Jahren oder seltener vorkommt. Es ist ein Mass für extrem seltene und intensive Überschwemmungen, die erhebliche Schäden verursachen können.
Funktionsweise und Notfallplan
Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Unwetter die Ausmasse eines Jahrhunderthochwassers übertrifft, ist vorgesorgt. In diesem Szenario würde das Wasser kontrolliert über eine spezielle Bresche im Damm abfliessen und in Richtung Dorf geleitet werden. So bleibt die Situation auch bei extremsten Wetterereignissen handhabbar und die Schäden werden minimiert.
Ökologische Aufwertung und Infrastrukturanpassungen
Das Projekt umfasst nicht nur den reinen Hochwasserschutz, sondern auch ökologische Massnahmen. Zwischen dem Damm und dem Weiher ist die Entstehung einer artenreichen Fettwiese geplant. Bachabwärts wird das Bauwerk mit Jurakalk-Steinblöcken befestigt, anschliessend mit Erde bedeckt und begrünt.
Ein kleiner Bereich ist zudem für einen Platz mit Bänken und Bäumen vorgesehen, der den Anwohnern zur Erholung dienen soll. Eine weitere ökologische Verbesserung stellt die Aufwertung und Freilegung des Eselhallenbächlis dar. Diese Massnahmen tragen dazu bei, die Biodiversität in der Region zu fördern und das Landschaftsbild zu integrieren.
Auch der Strassenverkehr wird angepasst. Zukünftig soll die Dammkrone für die Verkehrsführung genutzt werden. Dies optimiert die Infrastruktur und integriert das Bauwerk sinnvoll in die bestehenden Wege.
Bürgerbeteiligung und nächste Schritte
Die Pläne für das Rückhaltebecken wurden der Muttenzer Bevölkerung am 13. November 2025 an einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt. Die Gemeinde legt grossen Wert auf die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger.
"Es ist uns wichtig, die Bevölkerung frühzeitig zu informieren und ihre Anliegen in die Planung einfliessen zu lassen. Der Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe."
Die Phase der Mitwirkung läuft noch bis zum 12. Dezember 2025. In diesem Zeitraum können schriftliche Rückmeldungen zum Projekt eingereicht werden. Diese können per E-Mail an tiefbauamt@bl.ch oder per Post an das Tiefbauamt Basel-Landschaft, Rheinstrasse 29, 4410 Liestal gesendet werden. Wichtig ist dabei der Vermerk «Mitwirkung HWS Muttenz Dorf».
Die detaillierten Pläne und Projektunterlagen liegen im Gemeindehaus in Muttenz zur Einsicht auf. Sie sind auch online unter www.bl.ch/hws_muttenz verfügbar.
Der weitere Zeitplan
- Prüfung der Rückmeldungen: Alle eingegangenen Rückmeldungen werden sorgfältig geprüft und einzeln beantwortet.
- Berichtserstellung: Die Rückmeldungen werden anonymisiert und in einem öffentlichen Bericht zusammengefasst.
- Bauprojekt: Der nächste grosse Meilenstein ist die Ausarbeitung des Bauprojekts.
- Planauflage: Die Planauflage für das Bauprojekt wird voraussichtlich im Frühling 2026 erfolgen.
Dieses Projekt ist ein klares Bekenntnis der Gemeinde Muttenz und des Kantons zum Schutz der Bevölkerung und zur nachhaltigen Entwicklung der Region.





