In Basel fordert ein breites Bündnis von Umweltverbänden, Quartierorganisationen und politischen Parteien eine systematische Untersuchung des Bodens im Klybeck-Areal. Sie verlangen Klarheit über mögliche Chemieabfälle im Untergrund, insbesondere im Bereich Altrheinweg und Ackermätteli. Die Behörden seien bisher zu zögerlich, obwohl seit Jahrzehnten Hinweise auf Altlasten bestehen.
Wichtige Punkte
- Breites Bündnis fordert systematische Bodenuntersuchung im Basler Klybeck.
- Seit Jahrzehnten bestehen Hinweise auf Chemieabfälle im Untergrund.
- Ehemaliger Gewässerschutz-Verantwortlicher bestätigt frühere Funde.
- Behörden reagieren zurückhaltend und widersprechen historischen Berichten.
- Die Petition verlangt Transparenz und Schutz der öffentlichen Gesundheit.
Forderung nach Transparenz im Klybeck
Die Situation im Klybeck-Quartier sorgt für wachsende Besorgnis. Ein Zusammenschluss von Akteuren, darunter die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), Pro Natura Basel, der WWF Basel und mehrere Quartiervereine sowie Parteien wie Basta! und Grüne Basel-Stadt, hat eine Petition lanciert. Ihr Ziel ist es, eine umfassende Untersuchung des Bodens zu erwirken. Es geht um die Frage, welche chemischen Rückstände sich unter den Füssen der Anwohner befinden.
Die Petitionäre betonen, dass gerade in einem dicht besiedelten Stadtteil mit vielen Familien, Spielplätzen und Schulwegen die Kenntnis über den Untergrund entscheidend ist. Sie sehen die öffentliche Sicherheit und das Vertrauen in die Behörden als gefährdet an, wenn diese Fragen unbeantwortet bleiben.
Historischer Fund
Um 1980 wurden bei Aushubarbeiten am Altrheinweg farbige Klumpen und Filtrationsrückstände aus der damaligen Farbenproduktion der Ciba entdeckt. Diese Chemieabfälle stammten aus einer Zeit, in der Material zur Landgewinnung genutzt wurde.
Lang bekannte Problematik
Das Problem der möglichen Altlasten im Klybeck ist nicht neu. Bereits vor Jahrzehnten gab es Hinweise auf chemische Verunreinigungen. Ein aktueller Bericht im «Oekoskop» 3/25 der AefU erinnert an frühere Ereignisse und Funde. Dieser Bericht war der Auslöser für die jetzige Petition.
Um 1980 wurden bei Aushubarbeiten für ein Abwasserrohr am Altrheinweg Chemieabfälle freigelegt. Dabei handelte es sich um farbige Klumpen und Rückstände aus der Farbenproduktion der ehemaligen Ciba. Diese wurden damals zur Landgewinnung eingesetzt. Der damalige Verantwortliche des Gewässerschutzamtes, Kurt Schoch, bezeugte die Funde persönlich. Er veranlasste die Entsorgung und bestätigt diese Ereignisse auch heute noch.
"Das Areal ist nicht gründlich untersucht. Historische Hinweise sind klar vorhanden."
Ein weiterer Beleg ist ein Bericht des Ingenieurbüros CSD aus dem Jahr 1990. Dieser Bericht, im Auftrag der Ciba-Geigy AG erstellt, dokumentiert das wiederholte Auffinden von chemisch verschmutzten Auffüllungen oder Depots im Klybeck-Gebiet. Die genaue Lage dieser Ablagerungen sei jedoch "nicht bekannt" gewesen. Besonders hervorgehoben wird in diesem Bericht auch die Belastung des Grundwassers im Bereich Unterer Rheinweg – Altrheinweg.
Das Klybeck-Areal
Das Klybeck ist ein traditionsreiches Industriegebiet in Basel, das sich im Wandel befindet. Es soll zu einem modernen Stadtquartier mit Wohn- und Arbeitsflächen entwickelt werden. Die Geschichte als Chemiestandort wirft jedoch Fragen bezüglich des Untergrunds auf.
Behördliche Zurückhaltung und Widersprüche
Trotz dieser historischen Dokumente und Augenzeugenberichte reagieren die Basler Behörden bisher zurückhaltend. Bereits 2021 informierten Kurt Schoch und die AefU das zuständige Departement von Regierungsrat Kaspar Sutter (WSU) sowie das Amt für Umwelt und Energie (AUE) über die Problematik. Ein erneuter Bericht folgte 2024, blieb jedoch ohne Konsequenzen.
Die Petitionäre kritisieren insbesondere Aussagen der Behörden auf ihrer Website. Dort heisst es, das Ackermätteli sei "gut untersucht" und es gäbe "keine Dokumentation" für die Ablagerung von Chemiemüll. Diese Behauptungen werden von Schoch vehement zurückgewiesen. Er betont, dass das Areal nicht ausreichend untersucht wurde und die historischen Hinweise eindeutig sind.
Eine Karte aus der CSD-Untersuchung von 1990 zeigt zudem eine Deponie mit Sondermüll beim heutigen Spielplatz Ackermätteli. Diesen Hinweis erachten die Initianten der Petition als zentral. Die Diskrepanz zwischen den historischen Dokumenten und den aktuellen behördlichen Aussagen verstärkt die Forderung nach umfassender Transparenz.
Was die Petition fordert
Die Forderung der Petition ist klar und präzise: Eine umfassende und systematische Untersuchung des gesamten Gebiets zwischen Dreirosenbrücke und Wiese. Erst wenn Art und Ausmass der Ablagerungen bekannt sind, können verlässliche Aussagen über Risiken für das Grundwasser und die Gesundheit der Bevölkerung getroffen werden.
Für ein dicht bewohntes Stadtquartier wie Klybeck ist dies von grosser Bedeutung. Es geht um die Sicherheit von Kindern auf Spielplätzen, die Unbedenklichkeit von Grünflächen und die Gesundheit der Menschen, die täglich durch dieses Quartier gehen. Die Petition zielt darauf ab, das Vertrauen in die Behörden wiederherzustellen, indem sie Transparenz erzwingt. Die Bewohner des Klybeck-Quartiers haben ein Recht darauf, zu wissen, was sich unter ihren Füssen befindet.
Die Petition kann online unterzeichnet werden. Sie soll den Druck auf die Behörden erhöhen, endlich die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Situation im Klybeck-Areal umfassend zu klären und die Bevölkerung zu informieren.





