Ein ungewöhnliches rosarotes Licht über dem St. Jakob-Park sorgt seit einiger Zeit für Aufsehen und Unmut bei Anwohnern in Basel. Ursache ist eine spezielle Beleuchtungsanlage, die das Rasenwachstum im Stadion fördern soll. Nun sind beim kantonalen Amt für Umwelt und Energie (AUE) erste Beschwerden eingegangen.
Wer in den letzten Wochen nachts in Richtung Joggeli blickte, konnte ein seltsames Phänomen beobachten: Ein grossflächiger, rosafarbener Schimmer färbt den Nachthimmel. Was manche an Polarlichter erinnern mag, hat einen rein technischen Ursprung. Grosse, mobile Beleuchtungsgestelle werden nach Spielen und in den Nachtstunden über dem Spielfeld platziert, um den Rasen auch in der kalten Jahreszeit optimal mit Licht zu versorgen.
Moderne Technik für den perfekten Rasen
Die intensive Nutzung des Stadionrasens für Fussballspiele und andere Veranstaltungen stellt hohe Anforderungen an dessen Qualität. Besonders in den Wintermonaten, wenn das natürliche Sonnenlicht nicht ausreicht, kommen sogenannte Rasen-Wachstumslampen zum Einsatz. Diese Technologie ist in modernen Stadien weltweit Standard.
Die Lampen simulieren Sonnenlicht mit einem speziellen Lichtspektrum, das für die Photosynthese der Gräser ideal ist. Der rosarote Farbton entsteht durch eine Mischung aus roten und blauen LEDs, die das Pflanzenwachstum am effektivsten anregen. So wird sichergestellt, dass der Rasen dicht, widerstandsfähig und ganzjährig bespielbar bleibt – eine Voraussetzung für den professionellen Spielbetrieb.
Hintergrund: Warum braucht der Rasen Kunstlicht?
Fussballrasen in grossen Stadien leidet oft unter Lichtmangel. Die hohen Tribünen werfen lange Schatten, besonders im Winter, wenn die Sonne tief steht. Ohne zusätzliche Beleuchtung würden Teile des Rasens schnell kahle Stellen aufweisen und die Verletzungsgefahr für die Spieler steigen. Die LED-Systeme sind energieeffizienter als ältere Modelle und ermöglichen eine gezielte Behandlung geschwächter Rasenbereiche.
Beschwerden wegen Lichtverschmutzung
Während die Technik dem Rasen guttut, empfinden einige Anwohner das nächtliche Leuchten als störend. Das Licht ist weithin sichtbar und dringt je nach Wetterlage und Wolkendecke bis in die Wohnungen der umliegenden Quartiere. Beim Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt bestätigt man den Eingang von Beschwerden aus der Bevölkerung.
Die Klagen beziehen sich auf die sogenannte Lichtverschmutzung – die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Dies kann nicht nur den Schlaf von Menschen beeinträchtigen, sondern auch den Biorhythmus von Tieren stören. Insbesondere Vögel und Insekten können durch nächtliches Kunstlicht in ihrem Verhalten beeinflusst werden.
„Wir nehmen die Anliegen der Bevölkerung ernst und stehen bereits im Austausch mit den Stadionbetreibern, um die Situation zu prüfen und mögliche Lösungen zu erörtern“, erklärt ein Sprecher des AUE auf Anfrage.
Aktuell wird untersucht, ob die Lichtemissionen die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten. Die Eidgenössische Lichtemissions-Richtlinie gibt klare Vorgaben, um unnötige Lichtimmissionen zu vermeiden. Die Abklärungen dazu laufen derzeit.
Fakten zur Lichtverschmutzung
- Definition: Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht.
- Folgen für den Menschen: Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Unterdrückung der Melatonin-Produktion.
- Folgen für die Tierwelt: Desorientierung von Zugvögeln, Störung von nachtaktiven Insekten und deren Fortpflanzung.
- Energieverbrauch: Unnötig nach oben gerichtetes Licht stellt eine Energieverschwendung dar.
Suche nach einer gemeinsamen Lösung
Die Betreiber des St. Jakob-Parks sind sich der Problematik bewusst. In einer ersten Stellungnahme wird betont, dass man die hochmoderne Anlage nur dann einsetze, wenn es für die Erhaltung der Rasenqualität zwingend notwendig sei. Man sei jedoch offen für einen konstruktiven Dialog, um die Belastung für die Anwohnerschaft zu minimieren.
Mögliche technische Anpassungen
Experten sehen verschiedene Ansätze, um die Lichtemissionen zu reduzieren. Denkbar wären beispielsweise:
- Abschirmungen: An den Beleuchtungseinheiten könnten seitliche Blenden angebracht werden, die das Streulicht reduzieren und den Lichtkegel gezielt auf den Rasen lenken.
- Optimierte Betriebszeiten: Eine genaue Analyse könnte ergeben, ob die Beleuchtungsdauer in bestimmten Nächten verkürzt werden kann, ohne die Rasenqualität zu gefährden.
- Angepasste Lichtspektren: Neuere Technologien ermöglichen eventuell den Einsatz von Lichtspektren, die für das menschliche Auge weniger störend sind, aber für die Pflanzen weiterhin wirksam bleiben.
Die Herausforderung besteht darin, einen Kompromiss zu finden. Einerseits muss der Spielbetrieb auf höchstem Niveau gewährleistet werden, was einen perfekten Rasen erfordert. Andererseits haben die Anwohner ein berechtigtes Interesse an einer ungestörten Nachtruhe. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Massnahmen ergriffen werden, um den rosaroten Himmel über Basel wieder dunkler werden zu lassen.





