Die lang erwartete Sanierung des stark mit Arsen belasteten Areals Rheinlehne in Pratteln BL startet. Erste Rodungsarbeiten sind bereits im Gange, gefolgt vom Rückbau alter Gebäude und einem umfangreichen Aushub. Ziel ist es, das Schadstoffpotenzial um rund 98 Prozent zu reduzieren.
Wichtige Punkte
- Sanierung des Arsen-Areals Rheinlehne in Pratteln beginnt.
- Über 170 Tonnen Arsen belasten den Untergrund.
- Rodungsarbeiten bis Februar 2026, Rückbau ab April 2026.
- Rheinwanderweg wird für sieben Monate umgeleitet.
- Kosten von 179 Millionen Franken, Bund beteiligt sich mit 70 Millionen.
Ein historisches Problem: Fuchsin-Produktion und Arsen-Belastung
Das Areal Rheinlehne in Pratteln trägt die Spuren einer industriellen Vergangenheit. Zwischen 1862 und 1908 produzierte hier die Firma F. Petersen & Sichler den roten Textil-Farbstoff Fuchsin. Diese Produktion hinterliess jedoch ein schwerwiegendes Erbe: Der Untergrund ist heute massiv mit Arsen belastet.
Die Verunreinigungen stammen aus abgelagerten Produktionsabfällen und undichten Abwasserleitungen. Insgesamt sind über 170 Tonnen Arsen im Boden des Areals nachgewiesen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat festgestellt, dass diese Schadstoffe teilweise bis zu zehn Meter tief reichen und somit auch das Grundwasser beeinflussen.
Historischer Hintergrund
Fuchsin, ein synthetischer Anilinfarbstoff, war im 19. Jahrhundert sehr beliebt. Seine Herstellung war jedoch oft mit giftigen Nebenprodukten verbunden. Die damaligen Umweltstandards waren weit weniger streng als heute, was zu grossflächigen Bodenkontaminationen führte, die erst Jahrzehnte später entdeckt und angegangen wurden.
Der Sanierungsplan: Aushub und Rückbau
Das bewilligte Sanierungsprojekt sieht eine umfassende Reinigung des Areals vor. Zunächst werden die am stärksten belasteten Bereiche konventionell ausgehoben. Zusätzlich sind Austauschbohrungen geplant, um auch tiefere Schichten zu erreichen.
Die Arbeiten starten mit Rodungsarbeiten von Büschen und Einzelbäumen, die bis Ende Februar 2026 andauern sollen. Ab April 2026 beginnt dann der Rückbau der oberirdischen Gebäudeteile. Diese Phase wird voraussichtlich drei bis vier Monate in Anspruch nehmen.
Umfang der Arbeiten
- 120'000 Kubikmeter Material werden ausgehoben.
- Das Schadstoffpotenzial soll um rund 98 Prozent verringert werden.
- Die Sanierung ist auf eine Dauer von etwa drei Jahren angelegt.
Auswirkungen auf den Rheinwanderweg
Die Bauarbeiten haben auch Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur. Der beliebte Rheinwanderweg im Abschnitt Rheinlehne muss für einen längeren Zeitraum gesperrt werden. Diese Sperrung gilt vom 20. Januar 2026 bis zum 31. August 2026.
Für Wanderer und Spaziergänger wird eine Umleitung eingerichtet. Der Weg führt während dieser Zeit entlang der Rheinstrasse. Verkehrsschilder und Absperrungen werden die genaue Route anzeigen und auf die temporäre Situation hinweisen.
Kosten und Finanzierung der Sanierung
Die Sanierung des Areals Rheinlehne ist ein kostspieliges Unterfangen. Gemäss Kantonsangaben aus dem Jahr 2023 belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 179 Millionen Franken. Die Finanzierung wird von mehreren Seiten getragen.
Der Bund hat im Juni 2023 zugesagt, im Zeitraum von 2024 bis 2029 insgesamt 265 Millionen Franken für die Sanierung von Altlasten in der Schweiz bereitzustellen. Davon sind allein 70 Millionen Franken für das Projekt Rheinlehne vorgesehen. Der aktuelle Arealbesitzer wird ebenfalls einen Beitrag leisten, indem er 3 Millionen Franken der Kosten übernimmt.
„Die Sanierung der Rheinlehne ist ein entscheidender Schritt für den Umweltschutz in unserer Region. Die hohen Arsenwerte stellen eine ernsthafte Gefahr dar, die wir nun mit vereinten Kräften beseitigen.“
Zukunftspläne für das Areal
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist eine Neuentwicklung des Areals Rheinlehne geplant. Der derzeitige Besitzer hat konkrete Vorstellungen für die zukünftige Nutzung. Es sollen fünf grössere, mehrgeschossige Gewerbegebäude entstehen.
Diese Gebäude werden in den obersten Etagen auch Wohnungen umfassen. Damit soll das Areal nicht nur von seiner historischen Last befreit, sondern auch zu einem lebendigen Ort mit Mischnutzung entwickelt werden, der sowohl Arbeits- als auch Wohnraum bietet.
- Geplante Nutzung: Fünf mehrgeschossige Gewerbegebäude.
- Wohnraum: Wohnungen in den obersten Etagen der Gebäude.
- Ziel: Schaffung eines modernen, funktionalen Areals.
Die Sanierung der Rheinlehne ist ein Mammutprojekt, das nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch die Weichen für eine neue Zukunft in Pratteln stellt. Die nächsten Jahre werden von intensiven Arbeiten geprägt sein, um das historische Erbe zu bewältigen und Platz für Neues zu schaffen.





