Die Basler Herbstmesse erlebt dieses Jahr eine besondere Wiederbelebung: Die über 90 Jahre alte Wiener-Prater-Geisterbahn steht wieder auf dem Petersplatz. Nach vierjähriger Einlagerung und dank der Initiative eines Fördervereins kehrt die historische Attraktion zurück und sorgt bei Jung und Alt für Gruselmomente.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Wiener-Prater-Geisterbahn ist nach vier Jahren zurück auf der Basler Herbstmesse.
- Ein Förderverein kaufte die Bahn dank Crowdfunding für einen mittleren fünfstelligen Betrag.
- Über 80 Freiwillige betreiben die Bahn, auch als lebende Erschrecker.
- Der Überraschungseffekt beim Übergang von Dunkelheit zu Licht ist entscheidend für den Schreckmoment.
Ein historisches Fahrgeschäft kehrt zurück
Die Wiener-Prater-Geisterbahn war jahrzehntelang ein fester Bestandteil der Basler Herbstmesse. Im Jahr 2019 wurde sie jedoch eingelagert, und ihre Zukunft schien ungewiss. Doch ein engagierter Förderverein, der sich eigens für den Erhalt dieser Kult-Bahn gründete, setzte sich für ihre Rückkehr ein.
Durch ein erfolgreiches Crowdfunding und weitere Spenden gelang es dem Verein, die Bahn für einen mittleren fünfstelligen Betrag zu erwerben. Diese Investition ermöglichte die Wiederinbetriebnahme und die Teilnahme an der diesjährigen Herbstmesse, wo sie nun wieder auf dem Petersplatz steht.
Faktencheck: Die Geisterbahn
- Alter: Über 90 Jahre
- Standort: Petersplatz, Basler Herbstmesse
- Betrieb: Durch einen Förderverein und über 80 Freiwillige
- Kaufpreis: Mittlerer fünfstelliger Betrag
Erschrecken als Freiwilligenarbeit
Der Betrieb der Geisterbahn wird ausschliesslich von Freiwilligen gestemmt. Über 80 Helfer sind während der Messezeit im Einsatz. Sie besetzen die Kasse, helfen beim Ein- und Ausstieg der Fahrgäste und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Eine besondere Aufgabe übernehmen jedoch die sogenannten «Erschrecker».
Diese lebenden Attraktionen verstecken sich in der Bahn und springen den Fahrgästen im richtigen Moment entgegen, um ihnen einen Schrecken einzujagen. Diese Tradition, so berichtet Patrick Bachmann, Präsident des Fördervereins, gab es bereits in früheren Jahren. Der Verein wollte sie unbedingt wieder aufleben lassen.
"Wir wissen, dass schon in früheren Jahren ein verkleideter Mitarbeiter auf der Bahn spukte. Diese Tradition wollten wir wieder aufnehmen."
Patrick Bachmann, Präsident des Fördervereins Geisterbahn Basel
Ein Selbstversuch als Erschreckerin
Als Journalistin habe ich mich selbst dieser Aufgabe gestellt und einen Tag als Erschreckerin in der Geisterbahn verbracht. Mein Arbeitsplatz befand sich hinter einer Tür, durch die die roten Karren aus der dunklen Bahn auf eine hellere Galerie fahren. Der Ratschlag von Patrick Bachmann war klar: Den Helligkeitswechsel für den Überraschungseffekt nutzen.
Mit einem dunklen Umhang und einer Totenkopfmaske aus dem Fundus der Fasnacht wartete ich auf die Karren. Mein Partner war "Buddy", ein in die Jahre gekommenes Plastikskelett. Mit einer Taschenlampe leuchtete ich Buddy an, um die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Der Moment, in dem sich die Türen öffnen und der Karren entgegenkommt, ist entscheidend.
Hintergrund: Der Überraschungseffekt
Der Schreck in einer Geisterbahn lebt vom Überraschungseffekt. Besonders effektiv ist dieser, wenn Fahrgäste vom Dunklen ins Helle fahren oder umgekehrt. Die menschliche Wahrnehmung wird kurz überfordert, was den idealen Moment für einen Schreckmoment schafft.
Die Kunst des Gruselns
Anfangs war es nicht einfach, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Manchmal verpasste ich den Moment, weil ich noch an meiner Kapuze nestelte oder Buddys altersschwacher Arm auskugelte. Doch mit der Zeit fand ich meinen Rhythmus und meine Position. Ich wurde mutiger, mein Geheul lauter, und Buddy suchte verstärkt Körperkontakt zu den vorbeifahrenden Gästen.
Die Reaktionen der Fahrgäste waren vielfältig. Kinder, Teenager und Erwachsene – alle Altersgruppen zeigten sich überrascht. Gestandene Männer zuckten zusammen, ältere Ehepaare klammerten sich aneinander. Es war faszinierend zu sehen, wie der Schreck selbst routinierte Messebesucher erfasste.
Handys in der Geisterbahn
Auffällig war, dass viele Fahrgäste ihre Fahrt mit dem Handy filmten. Das passt eigentlich nicht zu dieser historischen Bahn mit ihren knarrenden Holzdielen und dem sichtbaren Alter des Inventars. Doch die Digitalisierung macht auch vor der Geisterbahn nicht halt. Ich bemerkte mit einer gewissen Schadenfreude, wie einigen Handyfilmern das Gerät vor Schreck fast aus den Händen fiel.
Mein eingeschränktes Gesichtsfeld durch die Maske führte dazu, dass ich manchmal erst nach dem Schreckmoment sah, wer im Karren sass. Wenn es ein kleines Kind war, das sich im Schoss der Eltern versteckte, wurde mein Geisterherz weich. Doch lange Zeit für Mitleid blieb nicht. Die Sirene im Inneren der Geisterbahn kündigte bereits den nächsten Karren an. Dann hiess es wieder: Stellung beziehen und den nächsten Schreck vorbereiten.
Ein Publikum quer durch alle Generationen
Die Beliebtheit der Wiener-Prater-Geisterbahn zeigt sich im durchmischten Publikum. Viele Kinder wagen eine Fahrt, aber auch Teenager und ältere Erwachsene. Letztere besuchen die Bahn oft aus Nostalgie. Sie erinnern sich an vergangene Herbstmessen und freuen sich, ein Stück Basler Tradition wiederzuentdecken.
Die zweiwöchige Aufbauphase hat sich gelohnt. Die Bahn läuft gut und sorgt für viele lachende, aber auch erschrockene Gesichter. Die Freiwilligen leisten dabei einen unschätzbaren Beitrag, um dieses Stück Kulturgeschichte am Leben zu erhalten und den Messebesuchern ein einzigartiges Erlebnis zu bieten.





