In Frenkendorf, am Bienenberg, soll ein innovatives Demenzdorf entstehen. Das Projekt verspricht bis zu 200 spezialisierte Pflegeplätze und zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz deutlich zu verbessern. Es bietet den Bewohnern mehr Bewegungsfreiheit und ein Umfeld, das einem normalen Dorf ähnelt.
Wichtige Punkte
- Geplantes Demenzdorf am Bienenberg in Frenkendorf.
- Bis zu 200 spezialisierte Pflegeplätze.
- Konzept fördert Bewegungsfreiheit und Selbstbestimmung.
- Internationale Erfahrungen zeigen verbesserte Lebensqualität.
- Investitionsvolumen von 90 Millionen Franken.
Einzigartiges Betreuungskonzept für Demenzpatienten
Das geplante Demenzdorf in Frenkendorf stellt einen neuen Ansatz in der Betreuung von Menschen mit Demenz dar. Im Gegensatz zu herkömmlichen Pflegeheimen, wo Bewohner oft aus Sicherheitsgründen eingeschränkt sind, ermöglicht dieses Konzept volle Bewegungsfreiheit innerhalb des Wohnbereichs und des gesamten Areals. Dies soll Frustration und Aggressionen reduzieren, die durch eingeschränkte Mobilität entstehen können.
Co-Projektleiter Hartmut Vetter betont die Dorfstruktur. Es entstehen mehrere Wohnhäuser. Jedes Haus beherbergt zwei Wohngemeinschaften mit sechs bis acht Bewohnern und einer Pflegeperson. Die Zusammensetzung der Wohngruppen erfolgt nach gemeinsamen Interessen und ähnlichen Lebensstilen. Ziel ist es, den Bewohnern ein Gefühl von "früherem Daheim" zu vermitteln.
Fakten zum Projekt
- 200 Pflegeplätze im Endausbau.
- Erste Etappe umfasst 120 Betten.
- Rund 250 Mitarbeitende für Vollbetrieb.
- Investitionskosten pro Bett: ca. 400.000 Franken (im Vergleich zu 550.000 Franken in herkömmlichen Demenzabteilungen).
Verbesserung der Lebensqualität durch Bewegung und Gemeinschaft
Erfahrungen aus ähnlichen Einrichtungen im Ausland zeigen positive Effekte. Die Lebensqualität von Demenzkranken erhöht sich und stabilisiert sich. Dies liegt an der gesteigerten Bewegung, dem gemeinschaftlichen Leben und den vielfältigen Aktivierungsprogrammen. Hartmut Vetter berichtet von diesen Beobachtungen.
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern diesen Ansatz. Sie legen nahe, dass der Bedarf an Physiotherapie und Medikamenten in solchen Umgebungen sinken kann. Das Konzept des Demenzdorfs Nordwestschweiz basiert auf diesen modernen Erkenntnissen. Es soll wissenschaftlich begleitet werden, um die Betreuung kontinuierlich zu optimieren.
"Die Menschen sollen sich möglichst so fühlen wie in ihrem früheren Daheim."
Infrastruktur und Angebote im Demenzdorf
Im Demenzdorf sind nicht nur Wohnbereiche geplant. Es soll auch ein Einkaufsladen entstehen, der den Bewohnern die Möglichkeit gibt, selbstständig einzukaufen. Zusätzlich sind mehrere Aktivierungsorte vorgesehen. Diese Orte bieten Raum für verschiedene Freizeitaktivitäten und fördern die soziale Interaktion der Bewohner.
Die Stiftung Eben Ezer, Betreiberin des heutigen Pflegeheims "dahay" mit 59 Betten und 90 Mitarbeitern, initiierte das Projekt. Der Betrieb des "dahay" wird zugunsten des Demenzdorfs eingestellt. Das ältere der bestehenden Gebäude wird abgerissen, das neuere Gebäude umgenutzt.
Internationale Vorbilder und Schweizer Entwicklungen
Das weltweit erste Demenzdorf entstand 2009 nahe Amsterdam. Seitdem folgten weitere Projekte in Ländern wie Kanada und Frankreich. In der Schweiz gibt es bereits zwei solche Einrichtungen: das "Juradorf" in Wiedlisbach (SO) mit rund 130 Plätzen und der "Lindenpark" in Balsthal mit zwölf Wohngruppen.
Das Frenkendörfer Projekt strebt an, das "modernste Demenzdorf der Welt" zu werden. Es integriert neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in seine Planung und wird den Bauprozess wissenschaftlich begleiten. Dies sichert eine fortschrittliche und evidenzbasierte Betreuung.
Hintergrund zur Demenzpflege
Demenz ist eine fortschreitende Krankheit, die Gedächtnis, Denken und Verhalten beeinträchtigt. Weltweit leben Millionen Menschen mit Demenz. Eine angepasste Umgebung, die Sicherheit und gleichzeitig Autonomie bietet, ist entscheidend für das Wohlbefinden der Betroffenen. Konzepte wie Demenzdörfer sind eine Antwort auf die steigende Zahl von Demenzerkrankungen und den Wunsch nach menschenwürdiger Pflege.
Finanzierung und Herausforderungen
Das ambitionierte Vorhaben erfordert ein Investitionsvolumen von 90 Millionen Franken für den Vollausbau. Die Finanzierung soll primär durch Stiftungen und Mäzene erfolgen. Erste Gespräche wurden bereits geführt. Hartmut Vetter bezeichnet die Ergebnisse als "verhalten positiv".
Parallel zur Finanzierung treibt das Projektteam die Planung voran. Ein Varianzverfahren mit Architekten soll ein konkretes Bauprojekt hervorbringen. Auch die Zustimmung der Frenkendörfer Bevölkerung ist entscheidend. Der Gemeinderat unterstützt die Stossrichtung, sieht den Standort am Bienenberg jedoch als "anspruchsvoll" an.
Verkehr und Infrastruktur
Die exponierte Lage ausserhalb des Siedlungsgebiets und die Zufahrt durch ein Wohnquartier erfordern eine sorgfältige Planung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Verkehrserschliessung. Ziel ist es, die zusätzliche Verkehrsbelastung gering zu halten. Die Initianten planen daher die Einrichtung einer Bushaltestelle beim Demenzdorf.
Gemeinde, Kanton und wichtige Institutionen der Alterspflege sind über das Projekt informiert. Sie unterstützen das Vorhaben. Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) stellt jedoch klar, dass der Kanton das Projekt nicht finanziell unterstützt. Dies sei Sache der Trägerschaft. Die VGD steht dem Vorhaben interessiert gegenüber und betont die Rolle der Versorgungsregionen und Gemeinden bei der Demenzplanung.





