Die Schweizer Gesundheitslandschaft erlebt einen Wandel: Immer mehr Spitäler im Land führen sogenannte «Hospital at Home»-Angebote ein. Dieses Modell ermöglicht Patienten, medizinisch versorgt zu werden, während sie in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben. Es entlastet die stationäre Versorgung und verspricht eine patientenzentriertere Betreuung.
Wichtige Punkte
- Mehrere Kantonsspitäler etablieren «Hospital at Home»-Angebote.
- Das Kantonsspital Baselland erweitert sein radarbasiertes Überwachungssystem.
- Lindenhofgruppe fokussiert stationäre Angebote und erhöht Löhne.
- Temporäre Pflegefachkräfte werden seltener eingesetzt, um Kosten zu senken.
Das Konzept «Hospital at Home» gewinnt an Bedeutung
Das Modell «Hospital at Home», auch bekannt als «Spital zuhause», ist in der Schweiz auf dem Vormarsch. Es erlaubt Patienten, notwendige Spitalleistungen in ihrem eigenen Heim zu erhalten. Dies umfasst Überwachung, Medikamentenverabreichung und therapeutische Massnahmen. Ziel ist es, den Komfort für Patienten zu erhöhen und gleichzeitig die Belastung der Spitäler zu reduzieren.
Das Kantonsspital Baselland (KSBL) hat sein Pilotprojekt im Laufental bereits in ein festes Angebot umgewandelt. Severin Pöchtrager hat die medizinische Leitung übernommen. Auch das See-Spital Horgen bietet diesen Dienst in Zusammenarbeit mit der Hospital at Home AG und der Spitex Horgen-Oberrieden an. Patienten am linken Zürichseeufer können somit von dieser flexiblen Versorgungsform profitieren.
Faktencheck
- KSBL: Erweitert «Hospital at Home» zu einem festen Angebot.
- See-Spital Horgen: Startet «Hospital at Home» am linken Zürichseeufer.
- Basel: Beginnt mit dem pädiatrischen «Kidz»-Modell für Kinder.
Technologische Unterstützung und Personalanpassungen
Moderne Technologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von «Hospital at Home». Das Kantonsspital Baselland setzt beispielsweise ein radarbasiertes Überwachungssystem ein. Dieses System warnt das Pflegepersonal vor gefährlichen Situationen, noch bevor sie eintreten. Der Einsatz dieser Technologie wird nun auf weitere Patientenzimmer ausgeweitet. Dies unterstreicht das Engagement des KSBL für innovative Pflegelösungen.
Gleichzeitig reagieren Schweizer Spitäler auf den Fachkräftemangel und wirtschaftliche Herausforderungen. Mehrere Zürcher Spitäler haben den Einsatz temporärer Pflegekräfte reduziert. Am Spital Zollikerberg sanken die Kosten für temporäres Personal innerhalb von zwei Jahren von 4,2 Millionen Franken auf knapp eine Million Franken. Dies zeigt eine klare Strategie zur Effizienzsteigerung und zur Stärkung des Stammpersonals.
"Die Verlagerung der Pflege nach Hause ist ein wichtiger Schritt, um die Spitäler zu entlasten und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen", so ein Sprecher des KSBL. "Die Technologie hilft uns dabei, die Sicherheit der Patienten auch ausserhalb des Spitals zu gewährleisten."
Lohnanpassungen und Leistungsfokussierung
Die Lindenhofgruppe in Bern hat Lohnmassnahmen für 2026 beschlossen. Die Lohnsumme wird um insgesamt 1 Prozent erhöht. Damit will die Gruppe ihre Position als attraktive Arbeitgeberin im Gesundheitswesen weiter ausbauen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Diese Massnahme ist auch eine Anerkennung der Leistungen des Personals.
Ein weiterer Trend ist die Fokussierung des stationären Leistungsangebots. Die Lindenhofgruppe verlagert beispielsweise stationäre Angebote und Physiotherapie vom Engeriedspital an die Standorte Lindenhof und Sonnenhof. Dies soll bis Dezember 2025 abgeschlossen sein. Ambulante radiologische Leistungen bleiben am Standort Engeried erhalten. Solche Massnahmen sind Reaktionen auf den Fachkräftemangel, die Wirtschaftlichkeit und neue regulatorische Vorgaben.
Hintergrundinformationen
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist eine anhaltende Herausforderung in der Schweiz. Spitäler suchen nach Wegen, um Personal zu halten und neue Mitarbeitende zu gewinnen. Gleichzeitig stehen sie unter Druck, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. "Hospital at Home"-Modelle und die Reduzierung von Temporärpersonal sind Antworten auf diese komplexen Anforderungen.
Spezielle Angebote für Kinder: Das Basler "Kidz"-Modell
Basel wagt mit "Kidz" einen innovativen Schritt im Bereich der pädiatrischen "Hospital at Home"-Modelle. Dieses Pilotprojekt konzentriert sich auf die Betreuung kranker Kinder zu Hause. Während diese Art der Versorgung in einigen Ländern bereits etabliert ist, ist es für Basel ein neues Terrain. Das "Kidz"-Modell verspricht, Familien zu entlasten und Kindern eine Genesung in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen, was oft positive Auswirkungen auf den Heilungsprozess hat.
Die Entwicklung solcher spezialisierten Angebote zeigt die breite Anwendungsmöglichkeit des "Hospital at Home"-Konzepts. Es geht nicht nur um die Entlastung von Erwachsenenspitälern, sondern auch um die Verbesserung der Lebensqualität junger Patienten und ihrer Familien.
Finanzielle Entwicklungen und Zukunftsaussichten
Die Insel Gruppe kehrt nach 2021 erstmals wieder in die Gewinnzone zurück. Für 2025 wird ein Konzerngewinn von 134,8 Millionen Franken bei einer Ebitda-Marge von 14 Prozent erwartet. Diese positiven Zahlen sind ein Zeichen für eine stabilere finanzielle Lage im Schweizer Spitalwesen. Auch das Kantonsspital Baselland erhöht seine Lohnsumme um 1,6 Prozent, um Inflationsverluste der Vorjahre zu kompensieren und die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.
Das Spital Oberengadin stellt ebenfalls die Weichen für die Zukunft. Sacha Geier wird CEO, und Markus Furrer übernimmt das Verwaltungsratspräsidium. Diese neue Führung soll die Weiterführung des Spitals ab April 2026 sichern. All diese Entwicklungen zeigen, dass die Schweizer Spitäler aktiv auf die Herausforderungen reagieren und ihre Strukturen anpassen, um auch in Zukunft eine hochwertige Patientenversorgung zu gewährleisten.
- Insel Gruppe: Erwartet Konzerngewinn von 134,8 Millionen Franken für 2025.
- KSBL: Erhöht Lohnsumme um 1,6 Prozent.
- Spital Oberengadin: Neue Führung sichert Weiterführung ab 2026.
Die Einführung von "Hospital at Home"-Programmen ist ein zentraler Bestandteil dieser Strategie. Sie ermöglichen eine effizientere Nutzung der Ressourcen und bieten den Patienten eine flexible Alternative zur traditionellen Spitalpflege. Der Fokus liegt klar auf einer patientenorientierten und zugleich wirtschaftlichen Versorgung.





