Ein 83-jähriger Senior aus Riehen wurde Opfer eines Online-Betrugs. Unbekannte bestellten in seinem Namen bei mehreren Onlineshops. Während die meisten Händler schnell reagierten und die Forderungen einstellten, beharrte Zalando zunächst auf dem Inkassoverfahren. Erst nach öffentlichem Druck und einer internen Prüfung wurde der Fall zugunsten des Betroffenen gelöst.
Wichtige Punkte
- Ein 83-jähriger Basler Senior wurde Opfer eines Identitätsdiebstahls bei Online-Einkäufen.
- Fünf verschiedene Onlineshops waren betroffen; alle bis auf Zalando stellten die Forderungen rasch ein.
- Zalando übergab den Fall an ein Inkassobüro, trotz eingereichter Strafanzeige.
- Die Familie musste die Unschuld des Seniors beweisen, was als Umkehr der Beweislast empfunden wurde.
- Zalando begründete die Verzögerung mit einem internen Prozessfehler und hat das Inkasso nun gestoppt.
Online-Betrug trifft Basler Senior
Der Vorfall ereignete sich in Riehen, einem Vorort von Basel. Ein 83-jähriger Mann erhielt unerwartet Mahnungen für Waren, die er nie bestellt hatte. Unbekannte Täter nutzten seine Identität, um bei insgesamt fünf verschiedenen Onlinehändlern auf Rechnung einzukaufen. Der Senior bemerkte den Betrug erst, als die ersten Zahlungsaufforderungen in seinem Briefkasten landeten.
Die Familie handelte umgehend. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn erstattete der Betroffene eine Anzeige bei der Polizei. Das Aktenzeichen der Strafanzeige wurde daraufhin an alle betroffenen Unternehmen weitergeleitet. Dies sollte die Händler über den Betrug informieren und die Forderungen stoppen.
Faktencheck: Identitätsdiebstahl
- Jährlich werden Tausende von Personen Opfer von Identitätsdiebstahl im Onlinehandel.
- Täter nutzen oft gestohlene Daten, um Waren auf Rechnung zu bestellen.
- Betroffene sollten umgehend Anzeige erstatten und alle Händler informieren.
Unterschiedliche Reaktionen der Händler
Die Reaktionen der verschiedenen Onlineshops fielen unterschiedlich aus. Vier der fünf betroffenen Anbieter zeigten sich kulant. Sie stellten die Inkassoverfahren ein, nachdem sie das Aktenzeichen der Strafanzeige erhalten hatten. Dies war ein wichtiger Schritt zur Entlastung des Seniors und seiner Familie.
Ein Sprecher der Familie erklärte, dass die meisten Unternehmen verständnisvoll reagierten. Sie erkannten die Situation als Betrug an und verzichteten auf weitere Zahlungsforderungen. Dies ist die übliche Vorgehensweise in solchen Fällen, um unschuldige Opfer zu schützen.
Zalando beharrt auf Forderung
Anders verhielt es sich mit einem der grössten Onlinehändler, Zalando. Trotz der vorliegenden Strafanzeige und eines eingeschriebenen Einspruchs seitens der Familie übergab Zalando die Forderung an ein Zürcher Inkassobüro. Dieser Schritt führte zu zusätzlichem Stress und Aufwand für den 83-Jährigen und seine Angehörigen.
"Ab diesem Zeitpunkt wurde es obermühsam", schilderte der Schwiegersohn die Situation. "Man spielte auf Zeit und hoffte offenbar, dass wir irgendwann einknicken und die Rechnungen bezahlen."
Die Familie fühlte sich unter Druck gesetzt. Das Inkassobüro verlangte zudem eine Kopie der Strafanzeige. Das Aktenzeichen allein reichte dem Büro nicht aus. Dies wurde von den Betroffenen als eine Umkehr der Beweislast empfunden. Der Senior, der nie Kunde bei Zalando war, musste seine Nicht-Bestellung beweisen.
Hintergrund: Inkassoverfahren
Ein Inkassoverfahren dient der Beitreibung offener Forderungen. Wenn ein Kunde eine Rechnung nicht bezahlt, kann der Gläubiger ein Inkassobüro beauftragen. Dieses versucht dann, die ausstehenden Beträge einzufordern. Im Falle eines Betrugs ist die Situation komplex, da der vermeintliche Schuldner die Bestellung nicht getätigt hat.
Zalando räumt Fehler ein
Nachdem der Fall öffentlich wurde und Anfragen an Zalando gerichtet wurden, änderte das Unternehmen seine Haltung. Zalando erklärte, dass die Meldung eines Betrugsfalls mit Aktenzeichen normalerweise ausreichend sei. In diesem spezifischen Fall habe es jedoch einen "internen Prozessfehler" gegeben. Dieser Fehler sei identifiziert und behoben worden, um zukünftige Verzögerungen zu verhindern.
Das Inkassoverfahren gegen den Senior wurde daraufhin gestoppt. Die Forderungen erklärte Zalando als nichtig und stornierte sie vollständig. Das Unternehmen betonte, Betrug "sehr ernst" zu nehmen und eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Für die Familie des Seniors bedeutet dies eine grosse Erleichterung und das Ende einer belastenden Zeit.
Konsequenzen für Betrugsopfer
Dieser Fall zeigt die Herausforderungen, denen Betrugsopfer im Onlinehandel gegenüberstehen können. Es ist wichtig, bei solchen Vorfällen schnell zu handeln. Eine sofortige Anzeige bei der Polizei und die Information aller betroffenen Händler sind entscheidend. Obwohl die meisten Unternehmen kooperativ sind, kann es, wie im Fall von Zalando, zu Komplikationen kommen.
Verbraucherschützer raten dazu, alle Kommunikationen schriftlich festzuhalten und Fristen genau zu beachten. Im Zweifelsfall kann rechtlicher Beistand oder die Unterstützung von Konsumentenorganisationen hilfreich sein. Der Schutz vor Identitätsdiebstahl erfordert Wachsamkeit und schnelle Reaktion der Betroffenen.





