Die renommierte Art Basel erweitert ihre globale Präsenz mit der Eröffnung ihres vierten Ablegers in Katar. Diese Expansion markiert einen bedeutenden Schritt für die MCH Group, die hinter der Messe steht. Sie zielt darauf ab, den Markt für zeitgenössische Kunst zu vergrössern und neue Sammlerkreise zu erschliessen. Gleichzeitig wirft der neue Standort in Doha Fragen bezüglich Menschenrechten und kultureller Anpassung auf.
Wichtige Punkte
- Die Art Basel Qatar ist der vierte internationale Ableger der Kunstmesse.
- Mehr als die Hälfte der Ausstellungen stammt aus dem Nahen Osten und Südasien.
- Die Expansion zielt auf die Erschliessung neuer, finanzstarker Märkte ab.
- Kritiker äussern Bedenken wegen Katars Menschenrechtslage.
- Katar positioniert sich als globaler Kulturplayer.
Ein neuer Standort im Herzen des Nahen Ostens
Nach Miami, Paris und Hongkong ist Doha, Katar, die jüngste Ergänzung im globalen Netzwerk der Art Basel. Die erste Ausgabe steht unter dem Motto «Becoming», was Transformation und Wachstum bedeutet. Die Wahl dieses Standortes unterstreicht die Strategie der MCH Group, in aufstrebende Regionen zu expandieren.
Über 87 Verkaufsausstellungen präsentieren sich in Katar. Auffällig ist, dass mehr als die Hälfte der teilnehmenden Galerien aus dem Nahen Osten und Südasien stammen. Dies zeigt eine bewusste Ausrichtung auf die regionale Kunstszene und deren Integration in den internationalen Kunstmarkt.
Faktencheck: Art Basel Qatar
- Anzahl Aussteller: 87
- Regionale Herkunft: Mehr als 50% aus Nahem Osten und Südasien
- Motto der ersten Ausgabe: «Becoming»
- Standort: Doha, Katar
Wirtschaftliche Motive der Expansion
Für die MCH Group ist die Expansion nach Katar ein klares Bekenntnis zu einer globalen Wachstumsstrategie. Andrea Zappia, CEO der MCH Group, erklärte, dass die Art Basel von einem traditionellen zu einem aktiven Marktplatz transformiert werden soll. Dies bedeutet, dorthin zu gehen, wo das grosse Geld ist.
Die Region des Nahen Ostens und Indien gelten als lukrative Märkte. Sie verfügen über eine wachsende Zahl reicher und superreicher Sammler. Die MCH Group möchte das Sammeln von Kunst für Menschen weltweit attraktiver machen. Katar, mit seinen enormen Erdgasvorkommen und dem daraus resultierenden Reichtum, bietet hierfür eine ideale Plattform.
«In neue Regionen zu gehen, bringt neue Sammlerinnen und Sammler und stärkt damit auch junge Galerien – und genau das lässt den gesamten zeitgenössischen Kunstmarkt wachsen.»
Andrea Zappia, CEO der MCH Group
Katar als Kulturplayer auf der Weltbühne
Katar verfolgt mit der Ansiedlung der Art Basel eine umfassendere Strategie. Das Land möchte sich nicht nur als Wirtschaftsmacht, sondern auch als globaler Kulturplayer etablieren. Investitionen in spektakuläre Architektur, Shoppingmalls und Sportstadien sind bereits sichtbar. Die Kunstmesse ist ein weiterer Baustein in diesem Plan.
Schon lange investiert Katar in Kunst und Kultur. Es gibt bereits mehrere Biennalen und grosse Museen, die sich islamischer, einheimischer und westlicher Kunst widmen. Diese Entwicklung ist vergleichbar mit europäischen Herrscherhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts, die Kunst zur Imagepflege und als Grundstock für Museen nutzten.
Hintergrund: Katars Kulturstrategie
Katar hat in den letzten Jahrzehnten massiv in Infrastruktur und kulturelle Einrichtungen investiert. Das Land beherbergt bereits mehrere international anerkannte Museen und ist Gastgeber von Kunst-Biennalen, wie der 1993 gegründeten Sharjah Biennale. Diese Initiativen dienen dazu, das Image des Landes zu modernisieren und Kulturtourismus anzuziehen.
Die Schattenseiten: Menschenrechte und Kritik
Die Wahl Katars als Standort ist nicht unumstritten. Aus westlicher Sicht gibt es erhebliche Bedenken hinsichtlich der Menschenrechtslage. Das Land wendet die Scharia an. Frauen und Homosexuelle erfahren Diskriminierung. Menschenrechtsorganisationen berichten zudem von systematischer Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte aus Ländern wie Indien, Bangladesch und Nepal.
Die Frage, ob eine renommierte Kunstmesse wie die Art Basel mit solchen Missständen in Verbindung gebracht werden sollte, bleibt bestehen. James Murdock, der führende Aktionär der MCH Group, sieht die Art Basel primär als Marke und 'Geldmaschine'. Ethische Überlegungen scheinen für ihn weniger Priorität zu haben.
Selbstzensur und kommerzielles Verhalten
Kunstexperte Dirk Boll vom Auktionshaus Christie’s äusserte sich zur Kunst im Nahen Osten. Er betonte, dass der Kunstmarkt vielfältig sei und sich an verschiedene Käufergruppen anpasse. Eine Messe in Hongkong sehe anders aus als eine in New York oder Paris. Die Nachfrage bestimme das Angebot. Dies führe dazu, dass Kunst heute globaler gesehen werde.
Boll sprach auch das Thema Selbstzensur an. Er sieht dies als rein kommerzielles Verhalten und Respekt gegenüber dem Gastgeberland. Galerien würden reflektieren, was gut ankomme und was nicht. Unerwünschtes werde vermieden. Die Art Basel selbst gebe keine Vorgaben, was mitgebracht werden dürfe. Eine Kunstmesse sei eine kommerzielle Plattform, keine Erziehungsanstalt.
Menschenrechtsbedenken in Katar
- Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen.
- Ausbeutung von Arbeitskräften aus Südasien.
- Anwendung der Scharia.
Politische und kulturelle Debatte in Basel
In Basel gab es politische Stimmen, die sich kritisch zur Expansion äusserten. Michela Seggiani, SP-Politikerin in Basel, ist besorgt. Sie sieht, dass Wirtschaft vor Menschlichkeit gestellt wird. Galerien würden Kunst präsentieren, die nicht aneckt, keine Kritik übt und wahrscheinlich keine homosexuellen Menschen darstellt.
Seggiani forderte eine Debatte im Stadtparlament, da der Kanton Basel-Stadt mit 37 Prozent der zweitgrösste Aktionär der MCH Group ist. Ihr Antrag wurde jedoch abgelehnt. Der Basler Galerist Klaus Littmann zeigte sich ebenfalls empört über die Gleichgültigkeit der Kulturszene gegenüber dieser Entwicklung.
Die Art Basel Qatar startet somit ohne nennenswerten Widerstand. Ob Katar langfristig ein spannender Kunststandort wird oder nur ein lukrativer Umschlagplatz mit ethisch zweifelhaftem Image, wird die Zukunft zeigen. Andrea Zappia bleibt jedenfalls zuversichtlich, dass die Kritiker langfristig falsch liegen.





