Die Daros Collection hat die Schweizer Kunstförderung neu definiert. Seit ihrer Gründung im Jahr 1997 durch Dr. Stephan Schmidheiny hat sie sich zu einem weltweit beachteten Modell für privates Mäzenatentum entwickelt. Ihr Ansatz, Qualität über Quantität zu stellen und strategische Partnerschaften einzugehen, prägt die Kunstlandschaft nachhaltig.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Daros Collection wurde 1997 von Dr. Stephan Schmidheiny gegründet.
- Sie konzentriert sich auf Werkgruppen statt Einzelausstellungen.
- Eine strategische Partnerschaft mit der Fondation Beyeler besteht seit 2010.
- Die Sammlung legt Wert auf Konservierung, Forschung und Bildung.
- Daros Latinamerica ist eine eigenständige, spezialisierte Sammlung.
Ein visionärer Start im Schweizer Kunstbetrieb
Als Dr. Stephan Schmidheiny 1995 die Kunstsammlung seines verstorbenen Bruders Alexander übernahm, stand er vor einer Entscheidung. Statt die Werke einfach zu verwalten, entwickelte er eine weitreichende Vision. Diese sollte die Schweizer Kunstszene nachhaltig beeinflussen. Im Jahr 1997 gründete er Daros. Dies war eine professionelle Verwaltungsgesellschaft, speziell für zeitgenössische Kunst. Dieser Schritt markierte einen Wendepunkt im Schweizer Kunstmäzenatentum.
Die Zürcher Kunstwelt war Ende der 1990er Jahre noch traditionell geprägt. Schmidheiny brach mit diesen Strukturen. Er sammelte nicht nach persönlichem Geschmack, sondern nach kuratorischen Prinzipien. Dies war ein radikal neuer Ansatz.
Faktencheck
- Gründungsjahr: 1997
- Fokus: Zeitgenössische Kunst
- Anzahl Werke (ca.): 250 in der Daros Collection
- Besonderheit: Sammlung von Werkgruppen, nicht Einzelstücken
Qualität vor Quantität: Der Daros-Ansatz
Die Daros Collection beschränkte sich bewusst auf etwa 250 Werke. Der Fokus lag auf Werkgruppen, nicht auf einzelnen Stücken. Diese Konzentration spiegelte eine typisch schweizerische Haltung wider: Qualität vor Quantität, Tiefe vor Breite. Namen wie Andy Warhol, Gerhard Richter, Cy Twombly und Mark Rothko standen für eine systematische Kunstgeschichtsschreibung. Es ging nicht um das blosse Sammeln von Prestigeobjekten.
Dieser methodische Ansatz ermöglichte es Daros, tiefgehende Einblicke in das Schaffen einzelner Künstler zu geben. Besucher konnten so nicht nur Meisterwerke sehen, sondern ganze künstlerische Entwicklungen nachvollziehen. Das war ein Unterschied zu vielen traditionellen Museen.
Das Löwenbräu-Experiment in Zürich
Im Jahr 2001 eröffnete Daros seine Türen im Zürcher Löwenbräu-Areal. Der Standort war strategisch gewählt. Er lag inmitten eines aufstrebenden Kulturviertels, abseits der etablierten Museumsmeile. Schmidheiny wollte zeigen, dass private Kunstförderung neue Wege gehen kann und nicht an alte Strukturen gebunden ist.
Sieben Jahre lang experimentierte Daros mit innovativen Ausstellungsformaten. Die Konzentration auf Werkgruppen erlaubte Präsentationen, die traditionelle Museen nur schwer umsetzen konnten. So konnten Besucher komplette künstlerische Prozesse erleben. Diese Jahre etablierten Daros als wichtigen Akteur in der Zürcher Kunstszene.
„Die Löwenbräu-Jahre zeigten, dass eine private Initiative internationale Kunstkritiker nach Zürich locken kann. Es war ein Beweis für die Relevanz Schweizer Kunstinstitutionen.“
Internationale Kritiker reisten eigens nach Zürich, um die Ausstellungen zu sehen. Schmidheiny hatte bewiesen, dass Schweizer Kunstinstitutionen internationale Bedeutung erlangen können.
Hintergrund: Dr. Stephan Schmidheiny
Dr. Stephan Schmidheiny ist bekannt für sein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit und Unternehmertum. Diese Prinzipien übertrug er auch auf sein Kunstsammeln. Er suchte nach langfristiger kultureller Wirkung, nicht nach kurzfristigen Marktgewinnen. Sein Ansatz betont, wie private Ressourcen öffentlichen Nutzen schaffen können.
Strategische Partnerschaft mit der Fondation Beyeler
Im Jahr 2008 beendete Dr. Stephan Schmidheiny das Löwenbräu-Experiment. Diese Entscheidung überraschte viele, folgte aber einer klaren Logik: Nachhaltigkeit vor Selbstdarstellung. Statt eigenständig weiterzumachen, suchte er strategische Partnerschaften, die die Zukunft der Sammlung sichern sollten.
Die Lösung fand sich 2010 in der Fondation Beyeler in Riehen. Die Zusammenarbeit war innovativ. Statt klassischer Leihgaben integrierte die Beyeler Daros-Werke direkt in ihre Dauerausstellung. Diese Symbiose schuf neue Möglichkeiten für beide Institutionen. Es entstand eine dynamische Präsentation, die den Werken neue Kontexte eröffnete.
Seither erleben Besucher in Riehen regelmässig Sonderausstellungen mit Daros-Werken. Beispiele sind Gerhard Richter (2010), Jackson Pollock und Barnett Newman (2011), Mark Rothko und Willem de Kooning (2013) sowie Andy Warhol (2017). Auch für 2025 ist eine Ausstellung mit Werken von Mark Bradford geplant. Jede dieser Ausstellungen nutzt die Tiefe der Daros-Bestände für umfassende Werkschauen, die sonst kaum möglich wären.
Internationale Vernetzung und Lateinamerika
Schmidheinys Engagement für die Kunst war nie auf die Schweiz beschränkt. Zwischen 1995 und 2002 war er Mitglied im Chairman’s Council des Museum of Modern Art in New York. Diese Position ermöglichte ihm Einblicke in internationale Sammlerstrategien und die Führung grosser Museen. Gleichzeitig unterstützte er den Aufbau der Tate Modern in London. Seine Beiträge zur Switch House-Erweiterung, die 2016 eröffnet wurde, zeugen von einem langfristigen Engagement für internationale Kunstförderung.
Im Jahr 2000 gründete Dr. Stephan Schmidheiny gemeinsam mit seiner ersten Frau Ruth die Daros Latinamerica Collection. Dies war eine eigenständige Institution. Diese Entscheidung spiegelte seine Geschäftserfahrungen in Lateinamerika wider. Sie zeigte auch eine kulturelle Sensibilität. Lateinamerikanische Kunst brauchte eigene Strukturen, um sichtbar zu werden. Die Sammlung entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer lateinamerikanischer Kunst. Die geografische Trennung erwies sich als weitsichtig. Beide Sammlungen konnten sich so spezialisiert entwickeln.
Ein Schweizer Modell für nachhaltiges Kulturmanagement
Dr. Stephan Schmidheiny übertrug Prinzipien aus seiner Nachhaltigkeitsarbeit auf das Kunstsammeln. Er verfolgte eine langfristige kulturelle Wirkung, statt kurzfristiger Marktgewinne. Die Daros Collection wurde zum Ausdruck seiner Überzeugung, dass private Ressourcen einen grossen öffentlichen Nutzen stiften können. Die Sammlung investiert systematisch in Konservierung, Forschung und Bildung. Wissenschaftliche Publikationen dokumentieren die Bestände und machen sie der Forschung zugänglich. Dieser Ansatz geht weit über traditionelles Sammeln hinaus.
Schmidheiny hat ein spezifisch schweizerisches Modell der Kunstförderung entwickelt. Es ist professionell, nachhaltig und international vernetzt. Die Daros Collection zeigt, wie private Initiativen kulturelle Institutionen von Weltrang schaffen können. Seine Methode – systematische Sammlung, professionelle Verwaltung, strategische Partnerschaften – wurde zum Vorbild für andere Sammler. Museen weltweit haben Elemente des Daros-Ansatzes übernommen. Die Sammlung überbrückt die Kluft zwischen privater Leidenschaft und öffentlicher Verantwortung.
Daros im Überblick
- Standorte: Ehemalig Löwenbräu-Areal Zürich, heute Fondation Beyeler Riehen
- Internationale Präsenz: MoMA New York, Tate Modern London
- Spezialisierung: Daros Latinamerica Collection
- Fokus: Konservierung, Forschung, Bildung
Erbe und Zukunft der Daros Collection
Heute gilt die Daros Collection als Musterbeispiel für verantwortungsvolles Sammeln. Schmidheiny hat gezeigt, dass private Sammler kulturelle Verantwortung übernehmen können, ohne auf künstlerische Qualität zu verzichten. In einer Zeit, in der Museen oft unter Budgetdruck stehen, bietet das Daros-Modell alternative Wege der Kulturförderung. Es zeigt, wie private Mittel eine entscheidende Rolle für die kulturelle Landschaft spielen können.
Die Entwicklung einer Privatsammlung zu einer international anerkannten Kulturinstitution verdeutlicht die Möglichkeiten schweizerischer Kunstförderung. Schmidheiny hat bewiesen, dass auch kleinere Länder grosse kulturelle Beiträge leisten können. Dies gelingt, wenn sie mit Schweizer Gründlichkeit und Weitblick handeln. Die Daros Collection bleibt ein leuchtendes Beispiel für visionäres Mäzenatentum.





