Das Basler Finanzdepartement hat seine jahrelang eingelagerte Kunstsammlung aufgelöst und die Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Über 400 Bilder und Skulpturen, die teils seit den 1960er Jahren ungenutzt in einem Depot lagerten, standen zum Verkauf. Die Aktion zog Hunderte von Interessierten an, die auf der Suche nach einzigartigen Kunstwerken zu erschwinglichen Preisen waren.
Wichtige Punkte
- Rund 400 Kunstwerke wurden vom Basler Finanzdepartement verkauft.
- Die Sammlung umfasste Bilder und Skulpturen aus den 1960er bis 1990er Jahren.
- Die Preise reichten von 40 Franken bis in den vierstelligen Bereich.
- Etwa 300 der angebotenen Werke fanden neue Besitzer.
- Die Aktion zeigte ein grosses Interesse der Bevölkerung an lokaler Kunst.
Lange Schlangen für vergessene Kunstschätze
Ein ungewöhnlicher Anblick bot sich kürzlich im Basler Gewerbegebiet Dreispitz: Eine lange Schlange bildete sich vor einer Halle. Rund 200 Menschen warteten geduldig, teilweise schon Stunden vor der Türöffnung. Sie alle hatten ein gemeinsames Ziel: die Kunstsammlung des baselstädtischen Finanzdepartements.
Die Werke waren über Jahrzehnte hinweg gesammelt worden. Das Finanzdepartement hatte die Kunstwerke teils selbst erworben, geschenkt bekommen oder als Teil von Nachlässen erhalten. In einigen Fällen wurden sogar Steuerschulden damit beglichen. Die meisten dieser Stücke fristeten ihr Dasein jedoch in einem Lagerraum, nur wenige schmückten Büros oder Gänge der Steuerverwaltung.
Faktencheck
- 400 Werke: Die Sammlung umfasste rund 400 Bilder und Skulpturen.
- 100 Künstler: Die Werke stammten von etwa 100 verschiedenen Kunstschaffenden.
- 40 Franken: Der niedrigste Verkaufspreis für ein Kunstwerk.
- 4000 Franken: Das teuerste Werk war ein Bild von Werner von Mutzenbecher.
- 300 Verkäufe: An den zwei Verkaufstagen wurden etwa 300 Werke abgesetzt.
Ein Blick hinter die Kulissen der Sammlung
Die Entscheidung zur Auflösung der Sammlung fiel, weil dem Finanzdepartement das nötige Fachwissen und die Ressourcen zur fachgerechten Lagerung fehlten. Mit diesem Schritt klärt das Departement auch die Zuständigkeiten: Die Kunstförderung ist primär beim Präsidialdepartement angesiedelt, genauer beim Kunstkredit, der kantonale Räumlichkeiten bestückt. Die departementale Sammlung hatte nichts mit der öffentlichen Kunstsammlung des Kunstmuseums Basel zu tun.
Um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten, durften jeweils nur 40 Personen gleichzeitig die Verkaufshalle betreten. Im Inneren präsentierten sich die Kunstwerke auf langen Klapptischen, alphabetisch nach Künstlernamen sortiert. Die Bezahlung war unkompliziert: Bar oder via Twint.
"Ich finde Kunst toll, aber meistens zu teuer. Vielleicht finde ich hier etwas, was ich mir leisten kann."
Interesse von Museen und Denkmalpflege
Bevor die breite Öffentlichkeit Zugang erhielt, hatten Museen, die Denkmalpflege und der Kunstkredit bereits einige "Rosinen" aus der Sammlung ausgewählt. Der Grossteil der über 400 Werke stand jedoch für private Käufer bereit. Die Preise waren bewusst moderat gehalten, um ein breites Publikum anzusprechen.
Dieses niederschwellige Angebot traf einen Nerv. Viele Besucher äusserten, dass sie normalerweise keinen Zugang zu Kunst in dieser Preisklasse hätten. Die Möglichkeit, bezahlbare Kunst zu erwerben, lockte Menschen mit unterschiedlichen Motivationen an.
Geschichten hinter den Kunstwerken
Die Werke selbst erzählten oft ihre eigenen Geschichten. Ein Ölporträt zeigte beispielsweise einen etwa sechsjährigen Jungen im Anzug mit der Widmung "Dem lieben Walti zur Weihnacht 1925". Solche Details verliehen den Stücken eine persönliche Note und weckten die Neugier der Käufer.
Doch auch die Besucher brachten ihre Geschichten mit. Eine Frau mittleren Alters wartete früh in der Schlange, um eine Skulptur ihres verstorbenen Vaters zu erwerben. Sie sortierte gerade seinen Nachlass und hoffte, ein bestimmtes Frühwerk zu finden.
Hintergrund der Kunstförderung
Die Kunstförderung in Basel ist klar strukturiert. Der Kunstkredit, angesiedelt im Präsidialdepartement, ist für den Ankauf von Kunstwerken zur Ausstattung kantonaler Räumlichkeiten zuständig. Das Kunstmuseum Basel, gegründet 1661, ist die öffentliche Kunstsammlung der Stadt und beherbergt neben eigenen Beständen auch Leihgaben.
Die nun aufgelöste Sammlung des Finanzdepartements entstand aus verschiedenen Quellen und diente keinem spezifischen Förderauftrag.
Emotionale Wiederentdeckung
Als sie die Eisenplastik mit dem Titel "unendlich" und einem Preisschild von 120 Franken in den Händen hielt, kamen ihr die Tränen. "Das ist sie! Schön, toll! Ich bin gerade ein wenig emotional", sagte sie. Es war eine ihrer ersten Skulpturen, die ihr Vater geschaffen hatte, und sie hatte noch nie ein solches Stück von ihm gesehen.
Ein anderer Mann suchte gezielt nach Werken des "Grasmalers" Bruno Gasser, bekannt für seine wandgrossen grünen Bilder an Basler Gebäuden. Er fand tatsächlich ein passendes Bild. "Ein regelrechtes Wunschbild habe ich gefunden. Das bekommt einen Ehrenplatz", strahlte der Kunde, der dafür eine Stunde angestanden war.
Erfolg des Verkaufs
Die moderaten Preise, die meist zwischen 100 und 500 Franken lagen, trugen massgeblich zum Erfolg des Verkaufs bei. Das teuerste angebotene Bild, ein Werk des Basler Künstlers Werner von Mutzenbecher, kostete 4000 Franken. Der Grossteil der Werke stammte aus regionalen Ateliers und umfasste Landschaften sowie abstrakte Kunst.
Von den rund 400 Werken des Depots wurden an den beiden Verkaufstagen gut 300 verkauft. Viele Käufer verliessen die Halle mit mehreren Bildern. Ein Kunde aus Bern sagte lachend: "Ich habe mein Budget bis Januar überschritten." Die wenigen verbleibenden Werke werden voraussichtlich in Brockenhäusern ein neues Zuhause finden.
- Regionale Kunst: Viele Werke stammten von lokalen Künstlern.
- Vielfalt: Das Angebot umfasste Landschaften und abstrakte Kunst.
- Zugänglichkeit: Die Preise machten Kunst für viele erschwinglich.
Der Verkauf des Kunstbestandes des Finanzdepartements war nicht nur eine logistische Meisterleistung, sondern auch ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis, das die Wertschätzung für Kunst in der Bevölkerung von Basel unterstrich.





