Nach fast zwei Jahrzehnten als Direktorin des Museums der Kulturen Basel ist Anna Schmid in den Ruhestand getreten. Ihr Abschied markiert das Ende einer Ära, die von umfassenden Modernisierungen und einer starken internationalen Positionierung des Museums geprägt war. Schmid zieht nach Heidelberg, um dort mit ihrem Mann zusammenzuleben.
Wichtige Punkte
- Anna Schmid leitete das Museum der Kulturen Basel fast 20 Jahre lang.
- Sie modernisierte das Haus und positionierte es international neu.
- Der Fokus des Museums verschob sich zu aktuellen Themen und Alltagskultur.
- Provenienzforschung und Restitutionen werden heute auf Augenhöhe behandelt.
- Schmid zieht nach Heidelberg, bleibt Basel aber verbunden.
Ein Abschied nach fast zwei Jahrzehnten
Anna Schmid empfing die Presse nur wenige Stunden vor ihrem endgültigen Abschied aus dem Museum. Sie betonte den Zeitdruck, der am letzten Arbeitstag herrschte, und gab zu, dass sie mit dem Aufräumen früher hätte beginnen sollen. Ihr Büro zeigte bereits deutliche Spuren des Abschieds: leere Wände, aufgeräumte Regale und das Formular für die Schlüsselabgabe auf dem Tisch.
Die offizielle Verabschiedung fand bereits am 23. Oktober im Museum selbst statt. Christoph Eymann, der in Schmids Anfangsjahren als ihr Vorgesetzter agierte, würdigte ihre Arbeit. Er hob Schmids „sympathische Beharrlichkeit“ und ihren Humor hervor. Eymann stellte fest, dass ihr Wirken weit über die Grenzen Basels und der Schweiz hinaus Anerkennung gefunden hat.
Faktencheck
- Anna Schmid war fast zwei Jahrzehnte Direktorin des Museums der Kulturen.
- Ihre offizielle Verabschiedung fand am 23. Oktober statt.
- Sie zieht nach Heidelberg, wo sie ihren Mann an der Universität kennengelernt hatte.
Das Museum im Wandel: Von Ethnologie zu Alltagskultur
Unter Schmids Leitung erfuhr das Museum der Kulturen einen tiefgreifenden Wandel. Es entwickelte sich von einem Ort, der primär über ferne Völker und exotische Rituale informierte, zu einem Haus, das auch die Bräuche und Sitten der Basler Bevölkerung beleuchtet. Der Fokus verlagerte sich auf thematische Ausstellungen, die einen Bezug zum Alltag schaffen und Besucher direkt ansprechen.
Christoph Eymann lobte diesen Wandel deutlich. Er sagte, Schmid habe das Haus nicht nur baulich erweitert und modernisiert. Sie habe auch mit ihrem Team das Museum der Kulturen im internationalen Ranking ganz oben positioniert. Dieser Erfolg zeigt die Weitsicht ihrer strategischen Entscheidungen.
Provenienzforschung und Restitutionen
Ein wichtiges Thema in der Museumswelt ist die Restitution von Objekten. Anna Schmid stellte klar, dass die Debatte darüber in Fachkreisen schon länger geführt werde. Sie betonte jedoch, dass die Provenienzforschung noch wichtiger sei, auch wenn sie weniger öffentlich wahrgenommen werde.
"Wenn es darum geht, Objekte an Anspruchsgruppen zurückzugeben, ist dies heute ein Austausch auf Augenhöhe. Wir hören uns an, welche Notwendigkeiten bestehen. Und wir beurteilen nicht nur auf wissenschaftlicher Basis, sondern auch auf sozialer, gesellschaftlicher Ebene."
Es gehe nicht darum, Bedingungen für eine Rückgabe zu stellen. Vielmehr stehe die Bedeutung der Gegenstände für die Anspruchsgruppen im Vordergrund. Diese können für traditionelle Rituale oder zur Überwindung von Schwierigkeiten benötigt werden. Dieser Dialog mit Menschen aus aller Welt mache die Arbeit im Museum besonders spannend, da er das Aktuelle ins Museum bringe, nicht nur das Vergangene.
Hintergrund: Provenienzforschung
Provenienzforschung ist die Erforschung der Herkunft von Kulturgütern. Sie klärt die Besitzgeschichte eines Objekts von seiner Entstehung bis zur Gegenwart. Dies ist besonders relevant bei Objekten aus kolonialen Kontexten oder solchen, die während Kriegen entwendet wurden. Eine lückenlose Provenienz ist heute für Museen weltweit von zentraler Bedeutung.
Persönliche Einblicke und der Abschied von Basel
Anna Schmid sprach auch über ihre persönliche Zukunft. Sie zieht nach Heidelberg zu ihrem Mann, mit dem sie jahrelang eine Wochenendbeziehung führte. Obwohl sie Basel verlässt, wird die Stadt für sie immer eine besondere Bedeutung haben.
Sie schätze an Basel und der Schweiz besonders die Kompromisskultur und die direkte Demokratie. In Deutschland sei der Begriff "fauler Kompromiss" geläufiger. In Basel habe sie die Vorteile der Konkordanzpolitik schätzen gelernt. Auch die Nähe zu den Menschen, das Grüssen auf der Strasse und die Nahbarkeit der Politiker seien in Basel anders als in Deutschland, wo dies höchstens in kleineren Dörfern der Fall sei.
Was ihr an Basel fehlen wird, sei die "Summe aller Dinge", die das Lebensgefühl prägen. Selbst kleine Details, wie das Bellen des Nachbarhundes, wenn sie auf ihre Terrasse ging, werden ihr fehlen.
Lehren aus der Amtszeit
Schmid reflektierte auch über ihre eigene Arbeitsweise. Eine wichtige Erkenntnis sei, zuerst nachzudenken und dann zu sprechen. Ihre direkte Art habe manchmal zu Reibungen geführt, aber nicht immer. Christoph Eymann hob gerade ihre Fähigkeit hervor, in politischen Stellungnahmen eine "höchst diplomatische Sprache" zu finden und "respektvolle Antworten" auf kritische Fragen zu geben.
Weniger vermissen wird sie die "Expeditionen ins neue Präsidialdepartement als Terra incognita" und das "Einprägen der in horrendem Tempo ändernden Namen der politisch Vorgesetzten". Aus ethnologischer Sicht seien diese Erfahrungen jedoch zweifellos wertvoll gewesen.
- Neuer Lebensabschnitt: Anna Schmid zieht nach Heidelberg.
- Schätzung Basels: Sie schätzt die Kompromisskultur und direkte Demokratie.
- Persönliche Lehre: Zuerst nachdenken, dann sprechen.
Mit ihrem Abschied hinterlässt Anna Schmid ein Museum, das sie maßgeblich geformt und in der internationalen Museumslandschaft etabliert hat. Ihre Nachfolge wird vor der Aufgabe stehen, diesen Weg fortzusetzen und das Erbe ihrer Arbeit zu bewahren.





